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Scan 303
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870
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1Arnold, Johann Gottfried, der Sohn eines musikalisch gebildeten Schulmeisters, wurde am 15. Februar 1773 zu Niedernhall bei Oehringen im Hohenloheschen geboren. Von Hause aus bereits musikalisch vorbereitet, kam er als Lehrling nach Künzelsau zu dem dortigen Stadtmusicus und warf sich mit besonderer Vorliebe auf das Violoncell. Bernhard Romberg lernte den strebsamen jungen Musiker kennen und schätzten und verschaffte ihm 1798 eine Anstellung als Violoncellist beim Stadttheater zu Frankfurt a. M. Seitdem war er ein fruchtbarer Componist und fleissiger Bearbeiter von Arrangements. Classischen Werth hat sein Conzert für zwei Flöten (Bonn, Simrock), und von seinen Violoncellcompositionen waren seine gediegenen Solos, Duos und Terzette mit gutem Grund beliebt. Leider starb er in der erwähnten Anstellung schon in dem thatkräftigen Alter von 33 Jahren, am 26. Juli 1806, an einer Lungenkrankheit.
3Arnold, Karl, der Sohn des Vorigen, wurde am 6. Mai 1794 zu Neuenkirchen bei Mergentheim geboren und kam schon im zweiten Lebensjahre mit seinem trefflichen Vater, der ihn auch frühzeitig in der Musik unterrichtete, nach Frankfurt a. M. Schon im J. 1804 konnte er wohl vorbereitet in einem Conzerte als Klavierspieler auftreten und grossen Beifall erringen. Nach dem Tode seines Vaters nahmen sich Freunde desselben der musikalischen Erziehung des talentvollen Knaben an; er wurde nach Offenbach in eine Erziehungsanstalt gethan, wo er neben einer guten Schulbildung einen sehr gründlichen Musikunterricht genoss, da er im Klavierspiel Hoffmann und Aloys Schmitt und in der Composition Vollweiler und Joh. Ant. André (1812 bis 1815) zu Lehrern hatte. Nach Vollendung seiner musikalischen Studien begab er sich auf Kunstreisen nach Leipzig, Berlin, Wien, Warschau und Krakau und wurde überall als ein in seltener Weise fingerfertiger Pianist bewundert. Ueber Berlin wandte er sich im December 1819 nach St. Petersburg, wo er sich als Musiklehrer niederliess und bald überaus gesucht und glänzend belohnt war. Im J. 1820 verheirathete er sich auf einer Besuchsreise in Berlin mit Henriette Kisting, der Tochter des dortigen rühmlichst bekannten Pianofortefabrikanten, welche von der Hofopernsängerin Schmalz vortrefflich ausgebildet worden war. Mit dieser gab er auf der Rückreise nach St. Petersburg in Warschau, Wilna und Riga Conzerte mit in jeder Hinsicht glänzendem Erfolge. Obgleich sich A.'s Verhältnisse in der russischen Residenz überaus günstig gestalteten, nötigten ihn die ungünstigen Einfüsse des Klimas auf seine junge Gattin, im J. 1824 nach Berlin zurückzukehren und sich dort seinen Wirkungskreis als Klavierlehrer, Virtuose und Componist zu begründen. Er hatte schon früher Klaviercompositionen veröffentlicht; jetzt folgte eine grössere Reihe, unter ihnen ein Conzert mit Orchester, auf anderem Gebiete ein Quartett und ein Sextett für Streichinstrumente, so wie ein- und mehrstimmige Lieder. Als Componist zeigte er einen verfeinerten musikalischen Geschmack und technische Routine, aber es mangelte ihm im Ganzen an Eigenthümlichkeit der Erfindung. Sein Hauptwerk war die dreiactige Oper »Irene«, Text von Rellstab, welche zur Geburtstagsfeier des Kronprinzen, am 15. Oct. 1832, im königl. Opernhause zu Berlin aufgeführt wurde, aber wegen mangelnden genügenden Erfolges nach der dritten Aufführung bereits von der Bühne verschwand. Nach einem elfjährigen Aufenthalte in Berlin wurde A. als Musikdirector nach Münster, später von dort nach Christiania in Norwegen berufen, wo er seit 1849 als Musikdirector der dortigen philharmonischen Gesellschaft und als Organist an der Hauptkirche wirkt. Ein Sohn von ihm, ebenfalls Karl Arnold mit Namen, geboren 1820 in St. Petersburg, widmete sich dem Lieblingsinstrumente seines Grossvaters, dem Violoncell, und wurde darauf von Max Bohrer unterrichtet. Derselbe lebt als Violoncellist der königl. Kapelle in Stockholm.
5Arnold, Ignaz Ferdinand, Doctor der Rechte, geboren zu Erfurt 1779 und gestorben 1812. Er war ein geistvoller, allerdings etwas überschwänglicher Musikschriftsteller, wie, trotz des liebevollen Eingehens in den Gegenstand, seine anonym erschienene »Gallerie der berühmtesten Tonkünstler des 18. und 19. Jahrhunderts« (Erfurt, 1809, 2. Aufl. 1816) beweist. Von ihm erschien ausserdem ein schätzenswerthes Buch unter dem Titel »Der angehende Musikdirector, oder die Kunst ein Orchester zu bilden«.
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