Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 473

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870

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1In jedem mehrstimmigen oder überhaupt auch nur begleiteten Satz ist der B. Grundlage und Träger der Harmonie, die Hauptstimme, insofern die Combinationen aller übrigen Stimmen von ihm abhängig sind. Gute und starke Besetzung und geschickte Führung desselben zu verstehen, sind unumgängliche Eigenschaften eines des Ton- satzes völlig mächtigen Componisten. Gegenüber der bedingten Beweglichkeit der mittleren Stimmen und der uneingeschränkten der melodieführenden obersten, bewahrt im Allgemeinen der B. den Charakter des Ruhenden und Stützenden. Je bewegter er gehalten wird, wie es in der contrapunktischen oder besser polyphonén Schreibart, wo er sich an dem Flusse aller Stimmen häufig betheiligt, vorkommen kann, desto mehr verliert er an seiner natürlichen Bestimmung, Fundament des Tongebäudes zu sein und macht die Aufstellung einer allertiefsten Stimme als Fundamental- oder Grund-Bass (s. d.) nothwendig, die, unabhängig von dem eigentlichen Wettstreite der polyphonen Stimmen (den Bass mit eingeschlossen), das Ganze zusammenhält, stützt und trägt. Von der guten Führung des Basses hängt ein wesentlicher Theil der Wirkung jedes Tonstückes ab, und es kann nur zu leicht die kräftigste und schönste Melodie ohne dieselbe seicht und fade werden; denn der B. ist die nähere Bestimmung und Modification des melodischen Ausdruckes. Wie dies zugeht, ist an anderen Orten ausführlicher zu erklären (s. Harmonie). So wichtig demnach der B. für die Melodie, so ist er nicht minder bestimmd für die Harmonie. Denn der ganze harmonische Inhalt eines Musikstückes ist schon in der Grundstimme desselben, nach der erst alle Mittelstimmen ihr Verhältniss zu regeln haben, fast vollständig enthalten. Es war ein in früheren Zeiten allgemeiner und sehr ausgebildeter Gebrauch, die Harmonie der Tonstücke bei deren Aufführung auf einem vielstimmigen Instrumente (Orgel, Klavier, Laute u. s. w.) zum Zwecke der Ausfüllung mancher Mittelstimmen, der Hervorhebung des ganzen Accordganges, auch der Verstärkung und Gruppierung der dynamischen Effecte, mitzuspielen, was übrigens nicht nach der vollständigen Partitur, sondern nach einer, behufs deutlicherer Erkennbarkeit der Accorde, mit Ziffern versehenen Bassstimme geschah. Eine solche bezifferte Bassstimme nannte man Generalbass (s. d.) und das Verfahren, die Harmonie dadurch vorzutragen, Generalbassspiel. Der durch das ganze Stück ununterbrochen fortlaufende B., der zwar nicht immer die Bassstimme selbst, aber doch stets die zeitweilig tiefste Stimme war, hiess Basso continuo (s. d.) oder kurz Continuo. Bei grossen Vocalsätzen mit Instrumentalbegleitung treten häufig zwei Bässe, der Gesang- und der Instrumentalbass, hervor. Wenn sich beide Bässe, was nicht selten geschieht, vollständig von einander trennen, so ist gewöhnlich dem Instrumentalbasse der eigentliche Grundbass zugetheilt. Der Doppelchor von zweimal vier Stimmen unterscheidet sich vom achtstimmigen Chor dadurch, dass er zwei selbstständige Bässe hat, von denen jeder der Grundbass seines Chores ist, während der achtstimmige Chor nur einen Grundbass hat. Bei allen vielstimmigen Tonstücken muss die Grundstimme hinsichtlich der Besetzung eine im Verhältniss zu den Oberstimmen durchgreifende, markige Stärke haben, denn Nichts schwächt die Wirkung des Ganzen mehr, als eine undeutliche und schwache Unterstimme. Eben so dürftig und matt, wie eine Orgel mit zu schwachem Pedal, wirkt ein Chor- oder Orchesterwerk, dem das Fundament kräftiger Bässe fehlt, während eine fest und sicher einherschreitende Grundstimme stets einen majestätischen Effect hervorruft. — 3) Die tiefsten Streichinstrumente, also Violoncell und Contrabass, nennt man zu Gunsten einer kurzen Bezeichnung oft den B. oder die Bässe des Orchesters. Unter diesem Namen, auch vorzugsweise deutscher B. ge- heissen, gab es in früherer Zeit aber auch ein ganz selbstständiges Streichinstrument, ein Mittelding zwischen Violoncell und Contrabass, d. h. kleiner als der letztere und tiefer reichend als das erstere, welches mit fünf, zuweilen auch mit sechs auf verschiedene Art gestimmten Saiten bezogen war. Gegenwärtig ist es wohl, wie so viele andere tiefe Streichinstrumente aus der Gattung der Violen, ganz ausser Gebrauch gekommen, weil es nicht blos schwerfällig war, sondern auch für schnellere Notenfiguren nicht ausreichende Beweglichkeit besass. Die letzten Spuren seines Vorkommens finden sich in den Tanzmusiken zu Anfange dieses Jahrhunderts, wo es dazu diente, Contrabass und Violoncell zugleich zu vertreten.

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