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Scan 84
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1kaum 23 Jahr alt, zu dessen Nachfolger als Organist und ebenso später zum Rathsherrn erwählt. Eine grosse Reihe theoretischer und praktischer Werke erblickten bis zu seinem Tode, am 1. Decbr. 1706, das Licht der Oeffentlichkeit, und namentlich cultivirte er die von seinem Vater geschaffene geistliche Arie, welche aber durch äusserlichen Schmuck ein immer weltlicheres Gepräge erhielt, obwohl sie sich noch immer durch Sangbarkeit, Innigkeit und warme Empfindung auszeichnet. Auch als Dichter machte er sich rühmlich bekannt, sodass er zum kaiserl. gekrönten Poeten ernannt wurde. Mehrere seiner geistlichen Dichtungen enthält noch das Mühlhausener Gesangbuch. Von seinen Werken sind übrigens viele in dem grossen Brand zu Mühlhausen, im J. 1689, untergegangen, und auch die übrigen sind sehr selten geworden.
3Ahlefeldt, Gräfin von, war eine gegen Ende des 18. Jahrhunderts weithin bekannte vortreffliche und geistvolle Pianistin und Componistin, welche die Musik zu ihrem Vergnügen, aber mit eindringendem Verständniss cultivirte. Das von ihr in Musik gesetzte, in Leipzig 1794 erschienene Opernballet »Telemach und Kalypso« beweist ebenso tiefe musikalische Kenntnisse, wie einen feinen, ästhetisch gebildeten Sinn. Wahrscheinlich war sie die Gemahlin des Grafen A., damaligen Directors des Hoftheaters zu Schleswig, welcher sich auch als dramatischer Dichter bekannt gemacht hat.
5Ahlström, schwedischer Tonsetzer aus der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts, lebte als Hoforganist, Kämmerer, Hofpianist und Musiklehrer der königlichen Familie in Stockholm. Als nationaler Componist genoss er eines bedeutenden Rufes, viele seiner Lieder leben noch im Volke fort, einige derselben sind durch Jenny Lind auch in Deutschland bekannt und beliebt geworden. Aber auch seine grösseren Werke im Kammermusikstyle, sowie seine Opern galten zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts in Schweden für mustergültig. — Nicht mit ihm zu verwechseln ist:
7Ahlström, J. N., vielleicht sein Sohn, geboren 1805 in Wisby in Schweden, lebt in Stockholm und hat sich gleichfalls als Pianist sowohl, wie als Componist von Liedern und Opern ausgezeichnet.
9de Ahna, Eleonore, wurde am 8. Januar 1838 in Wien geboren und erregte schon frühzeitig durch ihre schöne Stimme Aufsehen. Anfangs durch Elementarlehrer unterrichtet, ging sie behufs höherer künstlerischer Ausbildung nach Berlin, wo sie bei Ed. Mantius mit Glück und Erfolg die Vorbereitungsstudien zur Bühne machte. Ihr Debüt an der königl. Hofoper in Berlin als Orsino in Donizetti's »Lucrezia Borgia« war ein so beifallbelohntes, dass sie sofort engagirt und ein Liebling des Publicums wurde, während sie die Kenner durch tüchtige Schule und einen feinen musikalischen Sinn für sich einnahm. Ihre Stimme selbst war ein wohlklingender Mezzosopran, der sowohl in der Höhe, wie in der Tiefe die sonst dieser Stimmlage gezogenen Grenzen überstieg, worauf fussend man ihr mitunter auch hohe Sopran-, oder Contraaltrollen übergab, welche sie nur im treuen Diensteifer nicht zurückwies. Ihre Glanzpartie dürfte die Fides in Meyerbeer's »Prophet« gewesen sein, in welcher Rolle ihre Erfolge um so höher zu rechnen, als ihre unmittelbare Vorgängerin darin die mit Recht bewunderte Johanna Jachmann-Wagner gewesen war. Leider gestattete ihr das Geschick nicht, ihren Ruhm dauernd und im weiteren Umkreise zu befestigen, denn sie starb bereits in der Blüthe ihrer Jahre am 10. Mai 1865, allgemein betrauert, da ihre Künstlerschaft mit einem musterhaften Privatleben vereinigt gewesen war.
11de Ahna, Heinrich, Bruder der Vorigen, geboren 22. Juni 1833, zeigte gleichfalls von Jugend auf bedeutende Anlagen zur Musik, obwohl die Eltern selbst nicht musikalisch waren. Der junge de A. wandte seine ganze Vorliebe der Violine zu und hatte das Glück, ein Schüler Mayseder's zu werden, welcher ihn durch alle Stadien tüchtiger Technik bis zur Pforte der Virtuosität geleitete. Behufs umfassenderer musikalischer Studien besuchte er hierauf das Conservatorium in Prag, wo ihn der Unterricht Mildner's bis zur Vollkommenheit förderte, sodass er bereits im Jahre 1849, zum Kammervirtuosen des Herzogs von Coburg-Gotha ernannt, seine erste Kunstreise, und zwar nach England, unternehmen konnte. Dort erregte der junge Künstler durch die mit Bravour vereinigte Solidität seines Spiels grosses Aufsehen und liess sich längere Zeit fesseln. Dennoch fasste er plötzlich den Entschluss,
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