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Scan 22
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1und namentlich ist seine Abhandlung »Ueber den Palestrinastyl« in letzterer von Bedeutung und Wichtigkeit. Von Compositionen B.'s erschienen im Druck verschiedene Messen für gemischten sowohl wie für Männerchor, ferner Vesperpsalme, ebenfalls für gemischten und Männerchor. Ausserdem befinden sich viele seiner kleineren Compositio- nen und Messen handschriftlich in den Chorarchiven zu Tübingen, Rottweil und Ehingen.
3Birn(e) heisst derjenige Theil einer Clarinette oder eines Bassethorns, in welches das Mundstück von einer Seite und das obere Mittelstück von der anderen gesteckt wird. Dieselbe, ihrer von aussen birnähnlichen Gestalt wegen wohl so benannt, hat eine Länge von ungefähr 0,073 Metern, und wirkt nur, insofern sie einen Theil des Schall- rohres bildet, tonbestimmend bei dem Instrumente mit, indem sich an der B. kein Tonloch befindet. Was sonst noch an der B. beachtenswerth ist, findet man in den Artikeln Bassethorn und Clarinette verzeichnet.
5Birnbach, Karl Joseph, der Vater einer in der Musik rühmlichst bekannten Familie, wurde 1751 zu Köpernick bei Neisse geboren und bekundete früh Neigung zur Tonkunst, besonders zum Violinspiel. Neben den Gymnasialstudien trieb er eifrig Musik, und als seine Eltern durch Brandschaden in unverschuldete Noth geriethen, erwarb er sich nicht allein als Discantist seinen Unterhalt, sondern vermochte auch durch Sparsamkeit zum Aufbau eines neuen elterlichen Hauses mit beizutragen. Als der berühmte Dittersdorf, der damals in Neisse war, diesen schönen Zug des sechszehnjährigen Knaben erfuhr, nahm er sich desselben an und unterrichtete ihn mehrere Jahre hindurch auf der Violine. Auf Dittersdorf's Empfehlung hin kam B. in das Haus des Grafen von Hoym in Breslau, wo er seine Zeit auf Unterrichtgeben, auf Compositions- und praktische Musikübung vertheilte. Einige Zeit darauf wurde er Kastellan auf dem Bischofshofe und Regens chori am Sandhofe zu Breslau, und weiterhin wurde ihm, da man mit seiner Thätigkeit zufrieden war, der fürstbischöf- liche Hausvoigteiposten anvertraut. Nach dem Tode des Fürstbischofs, der 1795 erfolgt war, hatte man seine Stellung als eine überflüssige und eine die Casse unnütz belastende ohne Weiteres gestrichen, weshalb B. einen langwierigen Process gegen den Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein anstrengte, während dessen er nach Berlin ging, anfangs Privatunterricht ertheilte, dann aber als guter Violinist zum Kammermusiker der königl. Kapelle ernannt wurde. Im J. 1803 machte er seines Processes wegen, den er später endlich gewann, eine Reise nach Breslau und von dort eine Conzertreise nach Warschau, wo er mit seinem Sohne Heinrich so gefiel, dass er dort zu bleiben beschloss, und, nachdem er die nachgesuchte Entlassung von seinem Berliner Posten erhalten hatte, 1804 die Kapellmeisterstelle beim deutschen Theater annahm, die er jedoch nur kurze Zeit bekleidete, da er am 29. Mai 1805 als Opfer einer in Warschau grassirenden epidemischen Krankheit fiel. B. hat Vieles componirt, nur Weniges davon ist aber gedruckt. Es werden erwähnt: Oratorien, Cantaten (darunter eine 1798 in Berlin aufgeführte Cantate auf die Huldigung Friedrich Wilhelm's III.), die Opern »Saphion« und »Die Fischweiber von Paris«, Messen, 20 Quartette, 10 Violin-Conzerte, 15 Violin-Soli, 10 Sinfonien für Orchester, 16 Klavier-Conzerte, zum Theil mit Begleitung anderer Instrumente, 25 Klavier-Sonaten, Lieder und Gesänge. — Von seinen Kindern haben sich in der Musik ausgezeichnet: 1) Heinrich August B., geboren 1782 zu Breslau, kam 1795 mit seinem Vater nach Berlin, wo er Klavierstunden ertheilte und als Autodidakt sich auf dem Violoncell übte, bis er gleichfalls Unterricht auf diesem Instrumente geben konnte. Im J. 1802 ging er nach Wien, wo er Violoncellist im Orchester des Theaters an der Wien wurde und sich bei dem Violoncellisten Ant. Kraft weiter vervollkommnete. Diese Stelle vertauschte er von 1804 bis 1806 mit der eines Kammermusikers der Privatkapelle des Fürsten von Lubomirski zu Landshut bei Lemberg in Galizien, kehrte 1807 nach Wien zurück und trat als Guitarrist in das Orchester des k. k. Hofopernttheaters. Im J. 1812 wollte er eine Kunstreise nach Petersburg machen, erhielt aber des ausgebrochenen Krieges wegen keinen Pass und sah sich genöthigt, beim Theaterorchester zu Pesth als Violoncellist einzutreten, von wo er erst 1822 in sein altes Verhältniss nach Wien zurückkehrte. Als 1824 das Königsstädtter Theater in Berlin errichtet wurde, das sich meist aus Wiener Kräften rekrutirte, nahm B. ein
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