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Scan 23
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1872
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1Engagement an das Orchester desselben als Violoncellist an, erhielt jedoch schon 1825 die Stelle eines Kammermusikers der königl. Hofkapelle zu Berlin. Im J. 1826 liess er sich in Berlin öffentlich und mit Erfolg auf der Bogen-Gitarre hören. Vom Schlagfluss theilweise gelähmt, wurde er 1831 pensionirt, starb aber erst nach beinahe zwölfjährigen Leiden am 31. Decbr. 1840 an gänzlicher Entkräftung zu Berlin. Von seinen Compositionen können angegeben werden: Viele Guitarrestücke, Conzerte und Variationen für Violoncell und Werke für Pianoforte. Er hinterliess einen Sohn, August B., der am 3. Novbr. 1817 in Pesth geboren war, in Berlin, wohin er 1824 mit seinem Vater gekommen war, im Violinspiel ein Schüler C. W. Hennig’s wurde, nachdem er sich als kaum siebenjähriger Knabe in einem der Conzerte der Gebrüder Bliesener hatte hören lassen, 1839 als Violinist in die königl. Kapelle trat und 1868 pensionirt wurde. Er ist der Componist von Kammermusikwerken, von denen u. A. ein Sextett in E-moll öffentlich aufgeführt worden ist. — 2) Joseph Benjamin Heinrich B., gewöhnlich blos Heinrich genannt, der vierte Sohn Karl Joseph’s, mit dem er 1795 nach Berlin kam, war am 8. Januar 1795 zu Breslau geboren. Bei einem schwächlichen Körper zeigte er schon frühzeitig ganz ausserordentliche Anlagen für die Musik, indem er ohne vorangegangene Unterweisung, lediglich nach dem Gehöre, einmal gehörte Stücke auf dem Klaviere nachspielte oder sich dergleichen selbst zusammenstellte, weiterhin sogar leichtere Sonaten von Haydn, Mozart, Clementi und Beethoven in gleicher Weise wiederzugeben wusste, ein Talent, welches in Berlin das allergrösste Aufsehen erregte, sodass der berühmte Arzt Dr. Heim mit Geldmitteln herantrat, damit der Knabe ja eine sorgfältige Erziehung erhalten konnte. Bald liess sich B. auch zum ersten Male in Berlin öffentlich hören und eben so in Breslau, wohin sein Vater eines Processes wegen gereist war. Von Breslau aus wurde eine Conzertreise über Posen und Kalisch nach Warschau angetreten und besonders an letztgenanntem Orte wurde das Spiel B.’s mit stürmischem Beifall aufgenommen. Nach dem Tode des Vaters, 1805, kam die Mutter mit dem Knaben nach Berlin zurück, wo sie sich einige Jahre aufhielt und dann nach Breslau übersiedelte. Um der in dürftigen Verhältnissen lebenden Mutter nicht noch länger zur Last zu fallen, verliess B. Breslau wieder und begab sich, mit einigen Musikalien versehen, 1808 auf die Wanderschaft durch Schlesien, wo er sich glücklich ein kleines Capital zusammenspielte, mit dem er zur Mutter zurückzukehren beschloss, um dann als Musiklehrer zu leben. Doch ein Einbruch brachte ihn um das sauer Ersparte und er musste daher unter den kümmerlichsten Verhältnissen seine Laufbahn als Lehrer beginnen. Friedrich M. Kähler nahm sich seiner, so viel er konnte, an und ertheilte ihm längere Zeit hindurch unentgeltlichen Unterricht im Generalbass. Damals componirte B. mehrere Lieder und Klavierstücke, unter diesen sein erstes Conzert mit Orchester in C-dur, mit welchem letzteren er sich 1813 in Pesth hören liess, wohin er auf Einladung seiner Brüder, die dort als Orchestermitglieder angestellt waren, gegangen war. Ein zweites Conzert seiner Composition im ungarischen Style fand solchen Beifall, dass ihm sofort das Amt eines Kapellmeisters am Theater und an der Kirche übertragen wurde, das er aber 1814 wieder aufgab, da es ihn nach Breslau zurücktrieb, wo er bis 1821 als sehr geachteter Musiklehrer wirkte und viele tüchtige Schüler bildete, sodass er den Titel eines königl. Musikdirectors erhielt. Im J. 1821 siedelte er nach Berlin über, wo er am 6. März 1833 ein Institut für Unterricht im Klavierspiel und in der Theorie der Musik errichtete, das noch gegenwärtig unter seiner Leitung besteht, obwohl B. selbst das Unglück hatte, gänzlich zu erblinden. Unter den Schülern, die er besonders in der ersten Zeit seines Aufenthaltes in Berlin ausgebildet hatte, befinden sich klangvolle Namen, wie O. Nicolai, S. W. Dehn, F. Vogel in Bergen, Frdr. Kücken, R. v. Herzberg und die königl. Kammermusiker Belcke, Gabrielski und Gährich. B. hat zahlreiche, meist instrumentale Werke geschrieben, darunter Conzerte für Klavier, Clarinette, Oboe, Guitarre, Klaviersonaten und Duos, zwei Ouvertüren und zwei Sinfonien für grosses Orchester, ein Quintett u. s. w.; ausserdem auch eine theoretisch-praktische Klavierschule in drei Theilen (Berlin, Bote u. Bock), eine umfassende Theorie der Musik unter dem Titel »Der vollkommene Componist« (Berlin, 1845) und einige werthvolle Journalartikel.
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