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Scan 403
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1874
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1Violoncellisten des kaiserl. Orchesters in St. Petersburg. Nachdem er 1847 die Pensionsberechtigung erreicht hatte, beabsichtigte er, nach Deutschland zurückzukehren, liess sich jedoch, zum Musiklehrer des Grossfürsten Michael berufen, weiter in Russland fesseln. Leider erlag er schon ein Jahr später, am 1. Septbr. 1848, der Cholera. Wie als Violoncellovirtuose hat er sich als Componist einen ehrenvollen Ruf erworben; seine Werke huldigen einer edeln Richtung und zeichnen sich durch eine gründliche künstlerische Durchführung aus. Von denselben sind im Druck erschienen: Vier Streichquartette, ein Concert und ein Concertino, Duette, Uebungsstücke, Variationen, Divertissements u. s. w. für Violoncello, eine Sonate für Violoncello mit Pianoforte und eine eben solche (op. 1) mit Bass, ein- und mehrstimmige Lieder und Gesänge, ein Psalm (op. 2) u. s. w., im Ganzen einige vierzig Werke.
3Gross, Peter, ein deutscher Instrumentalcomponist, welcher zu Anfang des 17. Jahrhunderts lebte und von dessen Composition im J. 1616 Paduanen und Intraden für Instrumentenensemble gedruckt worden sind.
5Grossartig, Grossartigkeit bezeichnet überhaupt Alles, was Anderes seiner Gattung und daher auch uns selbst hoch überragt, wenn wir es wahrnehmen oder auch nur denken; im ästhetischen Sinne ist es das über den nach Uebereinkommen als gross angenommenen Begriff weit Hinausgehende, dem eine bestimmte endliche Gränze nicht nachgewiesen werden kann und dessen Betrachtung einen tiefen, ergreifenden und zugleich zur Bewunderung herausfordernden Eindruck hervorruft. In der Kunst für sich betrachtet, erscheint das G. immer nur als eine Eigenschaft und besondere Gattung des Schönen, man könnte sagen als ein Comparativbegriff des Schönen nach dem Erhabenen (s. d.) hin. Strenggenommen braucht das Schöne im Allgemeinen noch nicht grossartig und das Grossartige nicht immer schön zu sein. Auch die unförmliche, ungeheure Grösse, die einen unheimlichen Eindruck hervorruft, ist grossartig, aber nicht schön. So wie aber auf dem Gebiete der Kunst überhaupt nichts Unförmliches statthaben kann, so kann auch hier nichts Grossartiges ohne Schönheit zugleich gebildet werden, wohl aber etwas Schönes ohne Grossartigkeit, denn die Schönheit ist Ziel der Kunst ohne Rücksicht auf ihre Gestalt, ob erhaben, grossartig oder naiv. Am Tonwerke speciell äussert sich diese ästhetische Eigenschaft durch energische Bewegung, kräftige und überraschende Harmonie, klare aber ungewöhnliche Gliederung der melodischen Theile, gemessene und festgefügte, dabei oft durch weite und kühne Schritte sich fortbewegende Tonfolge. Im Vortrage erfordert es eine besonders markige Abstufung des Klanges in allen seinen Graden bis zur mächtigsten Sonorität, im Schnellen wie im Langsamen hervorstechend ausgeprägte Betonung und kühne, dem Tongedanken voll und ganz entsprechende dynamische Schattirung.
7Gross-Bassflöte, eine Gattung der Blockflöte, s. Flöte à bec.
9Grossbritannien. Musik in England. Das in vieler Beziehung so reich begabte England ist in Hinsicht der schaffenden Kunst und namentlich der Tonkunst arm, und der göttliche Funke, der allein den höheren Künstler macht, scheint in dem feuchten britischen Klima nur glimmend sich zu erhalten, ohne jemals zu einer wirklichen Flamme aufzugehen. Kein englischer Tonsetzer hat sich einen europäischen Namen erworben, was um so mehr in Verwunderung setzen muss, als das Volk in seinem Kerne ein keineswegs unmusikalisches ist, und als die höheren und höchsten Schichten der Nation von jeher für die Pflege der Musik und für die Heranziehung ausländischer Tonkünstler Unsummen gespendet haben. Bei dem leuchtenden Glanze, welchen die letzteren über das Land ausbreiteten, ging die Nation selbst fast leer aus, und die eigene Production erborgte ihr Licht mehr oder weniger ausschliesslich von den Italienern, Franzosen und Deutschen, den im wahren Sinne des Wortes tonangebenden Nationen Europas. Eigentlich englische Musik ist in der Zeit der Altbritannier, die mit der keltischen zusammenfällt, weshalb wir die letztere besonders zu behandeln haben (s. Kelten), zu suchen. Sie
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