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Scan 331
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875
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1seinen Studien leben zu können, entsagte er um 1700 der Bischofswürde und zog sich in das Professhaus der Jesuiten zu Paris zurück, wo er am 21. Jan. 1721 starb. Seine Untersuchungen über die Musik des Alterthums waren für die Weiterforschung von hervorragendem Interesse.
3Hüttenbrenner, Anselm, ein durchgebildeter deutscher Tonkünstler und Componist, geboren am 13. Octbr. 1794 zu Graz, war der Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers und erhielt bei sich kund gebenden musikalischen Anlagen schon früh beim Domorganisten Matthäus Gell Gesang- und Clavierunterricht. Schon 1802 konnte er sich mit einem Mozart'schen Clavierconcert in Graz öffentlich hören lassen und erntete dort, wie bald darauf in Triest und Klagenfurt mit Compositionen von Mozart, Beethoven, Hummel und Ries den lebhaftesten Beifall. Als Gymnasiast begann er 1808 mit Eifer Generalbassstudien, trat aber 1811 in das Cisterzienserstift Rein als Novize, um sich, elterlichem Wunsche entsprechend, dem geistlichen Stande zu widmen. Nur zwei Jahre jedoch trug er das Ordenskleid, als es ihn nach Wien trieb, um dort die Rechte zu studiren. Nach Vollendung dieses Studiums trat er in die militärische Gerichtspraxis in der Absicht, als Auditeur eine Anstellung zu suchen. Bei der vielseitigen musikalischen Anregung, die ihm Wien bot, konnte er es sich nicht versagen, sich wieder mit erhöhtem Eifer der Musik zuzuwenden, und so studirte er bei Salieri fünf Jahre hindurch die Theorie des Tonsatzes und pflegte mit hingebender Liebe den vertrauten Umgang mit Beethoven, Franz Schubert, Gyrowetz, Sechter und Assmayer. Seit 1816 trat er auch als Pianist und Improvisator erfolgreich in Wien auf, und zu gleicher Zeit erschienen seine ersten Compositionen im Druck. Eine Sinfonie in E-dur von ihm fand 1819 in Graz ehrenvolle Aufnahme. Aus seinem frisch sich ausbreitenden Kunstleben riss ihn um 1820 der Tod seines Vaters, und er musste sich, wie wohl sehr ungern, entschliessen, die Verwaltung der von demselben ihm und seinen sechs Geschwistern als Erbschaft hinterlassenen Güter zu übernehmen. In Graz machte er sich um das steiermärkische Musikleben hochverdient und wurde denn auch schon 1825 zum Direktor des dortigen Musikvereins gewählt, welcher von da ab seine Gesangs- und Instrumentalschulen glänzend erblühen und seine Concerte an Wichtigkeit gewinnen sah. Die sonstigen Mussestunden widmete H. der Composition und musikkritischen Berichten für verschiedene Blätter. Im J. 1825 wurde sein erstes grosses, dem Andenken Salieri's gewidmetes Requiem aufgeführt, welches zur Todtenfeier Beethoven's, später zu derjenigen des Kaisers Franz I. in Graz, sowie zur Erinnerung an Fr. Schubert in Wien wiederholt und von der Kritik den ausgezeichneten Kunstwerken dieser Gattung zugezählt wurde.
5Im Laufe der Zeit schrieb H. noch zwei andere Requien, viele Graduales, Motetten und Psalme. Zu Anfang 1827 überliess er seine schon 1824 componirte zweiaktige komische Oper »Armella oder die beiden Viceköniginnen« dem Grazer Theater zur Aufführung, deren Musik glänzenden Beifall fand, deren mangelhaftes Textbuch jedoch ein längeres Bühnenleben verhinderte. Nicht anders erging es seiner Oper »Lenore«, die 1835 in zwei Akten und 1837 zu drei Akten erweitert, öfter aufgeführt wurde und ihm herzliche Ovationen von Seiten seiner Mitbürger eintrug. Bekannt ist, dass Beethoven in den Armen H.'s verschieden ist, und dass H. eine lebenslängliche heilige Pietät für den Grossmeister bewahrt hat. Die vielfachen Auszeichnungen, die ihm von seiner Vaterstadt, von Vereinen und Gesellschaften weit und breit zu Theil wurden, vermochten jedoch einer mit vorrückendem Alter sich steigernden Verbitterung H.'s keinen Einhalt zu thun. Nachdem er seinen Aufenthaltsort in nächster Nähe von Graz mehrmals gewechselt hatte, zog er um 1865 nach dem Flecken Ober-Andritz, wo seine Söhne und Töchter gemeinschaftlich eine ländliche Besitzung an sich gebracht hatten, und lebte in grösster Abgeschiedenheit lediglich dem Naturgenuss, bis ihn ein schmerzhaftes Unterleibsleiden befie, dem sich ein Kopftyphus zugesellte, welchen Krankheiten er am 5. Juni 1868
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