Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 414

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1875

8 lines. Read by computer on 17 September 2026. Printed page 408. See the scan on archive.org.

1festzustellen versucht und die für den I.enbau entscheidenden physikalischen Haupt-Momente angedeutet haben, so gehen wir zur
3I. Eintheilung der I.e über. Hierfür kann maassgebend sein: 1. die Beantwortung der Frage, wie die verschiedenen I.e als Mittel sich verhalten zu den Zwecken der Tonkunst. Wenn das Wesen der Tonkunst Darstellung des Schönen in Tönen, ihr Inhalt und ihre Aufgabe daher das musikalisch Schöne ist, so wissen wir auf der anderen Seite, dass sie die in jedem concreten Tonbilde zur Erscheinung kommenden Töne entweder nur in einer Reihenfolge — einen nach dem anderen — erklingen lässt, was wir Melodie nennen, oder dass uns aneinander gereihte Accorde, beziehungsweise gleichzeitig neben einander geführte Melodien entgegentreten, worin das Wesen der Harmonie besteht; das Eine wie das Andere ist aber rhythmisch geordnet, in Takte eingetheilt, und je nach dem Willen des Tonsetzers können auch einzelne Takttheile noch zu besonderer Hervorhebung markirt werden. Nun giebt es unter den uns bekannten I.en bekanntlich solche, die gleichzeitig nur einen Ton von sich geben. Was auf ihnen gespielt werden kann, ist immer nur eine Melodie, — eine Reihenfolge einzelner Töne. Diese I.e nennen wir, früheren Vorgängen folgend, monodische, einstimmige, melodische. Dahin gehören die sämmtlichen Blas-I.e des Orchesters, sowie die Bogen-I.e desselben. Man kann auf den letzteren wohl Accorde spielen, Doppelgriffe und mehrstimmige Sätze zum Besten geben; allein dieses harmonische Spiel ist von vornherein schon durch die Vierzahl der Saiten beschränkt: mehr als vier Töne gleichzeitig werden wir der Violine und dem Violoncello nicht zu entlocken vermögen und die volle, höchste Wirkung dieser herrlichen I.e wird sich vorzugsweise doch nur im einstimmigen Spiele entfalten können.
5Man pflegt zwischen den einzelnen melodischen I.en auch ein gewisses Rangverhältniss festzustellen. Die Norm hierfür ist uns in der menschlichen Stimme gegeben. Diese ist unbestritten der erste und ursprüngliche musikalische Tonapparat; im unmittelbaren Ergusse des Gefühls in Melodie kann sie von keinem künstlichen Klangwerkzeuge übertroffen werden, und es ist deshalb mit Recht gesagt worden, dass diejenigen I.e, welche in Ansehung der Dauer, der Biegsamkeit und Gesangfülle des Klanges ihr am nächsten kommen, stets einen hohen und den höchsten Rang da einnehmen, wo es zunächst auf melodischen Ausdruck ankommt. Die Befähigung hierzu ist in erster Reihe durch den Besitz einer vollständigen chromatischen Tonleiter von möglichst grossem Umfange, durch einheitliche Klangfarbe, durch vollen, sonoren Ton und durch die Möglichkeit bedingt, diesen von der leisesten, kaum hörbaren Bebung zur höchsten Klangstärke des I.s anschwellen zu lassen. Jenen hohen und höchsten Rang — wer möchte ihn der Violine, dem Violoncello, der Clarinette und Oboe, ja nach Umständen dem Fagott absprechen?! Aber auch die anderen Orchester-Genossen sind »nicht zu verachten«. Wer ist nicht schon in tiefstem Herzensgrunde bewegt worden von dem wunderbaren Gesange des Horns, mag es melodieführend sich von einer Begleitung anderer I.e tragen oder seine edeln Klänge in mehrstimmigem Hornsatze vernehmen lassen! Die Erinnerung an die Introduction der Freischütz-Ouvertüre von C. M. v. Weber dürfte zur Bestätigung genügen. Aehnliches gilt von der Trompete und den Bass-I.en der sogenannten Blechmusik. Wie wirkungsvoll sind sie alle von unseren grossen Meistern behandelt worden! Man denke an J. S. Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven und, was die Werke der beiden Letzteren betrifft, speziell an »Don Juan« und das Finale der Beethoven’schen C-moll-Symphonie.
7Als harmonische, polyphone I.e kommen die Orgel, das Clavier, die clavierähnlichen I.e, die Harfe, Laute, Guitarre, Theorbe, Zither u. s. w. in Betracht. Den ersten Rang behauptet hier unstreitig die Orgel. Ihre Bestimmung ist es, musikalische Ideen zum vollständigsten und höchsten Ausdrucke zu bringen und, da sie zu diesem Zwecke das allein bewirken soll, wozu ausser-

The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.