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Scan 238
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
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1eine Kunstreise nach Deutschland und Russland anzutreten. In Berlin interessirte sich Prinz Louis Ferdinand lebhaft für ihn und musicirte häufig zusammen mit ihm. Bis 1808 blieb er hierauf in Russland und gab abwechselnd in St. Petersburg und Moskau glänzende Concerte, wie er denn auch zum Solospieler der kaiserl. russischen Kapelle ernannt wurde. Im J. 1809 trat er wieder in Paris auf, spielte aber, da man sich kühl gegen ihn zeigte, daselbst nur noch in Privatkreisen, besonders seit 1815, wo er durch eine Heirath ein häusliches Glück fand, das ihm grössere Genugthuung gewährte. Der Verlust zweier Kinder wirkte jedoch dermaassen auf seine Gesundheit ein, dass er schon am 27. März 1823 zu Caën starb. — Wie als Solo-, so gehörte L. als Quartettspieler zu den ersten Künstlern seiner Zeit. Concerte und Variationen für Violoncello tragen seinen Namen, sind aber von Auber componirt, der sich unter einem bereits rühmlichst bekannten Namen in die Kunstwelt einführen wollte. L. hat auch niemals aus diesem Sachverhalte ein Hehl gemacht.
3Lamb, Benjamin, englischer Kirchencomponist, der zu Anfang des 17. Jahrhunderts als Organist an der St. Georgskapelle und am Eton-Collegium zu Windsor angestellt war. Hawkins rühmt seine zahlreichen Anthems, die in England lange Zeit hochgeschätzt waren.
5Lambardi, Camillo, italienischer Componist, wirkte als Kapellmeister gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Neapel und ist wahrscheinlich identisch mit dem von Gerber angeführten neapolitanischen Contrapunktisten Francesco Lambardo. — Ein älterer Namensverwandter, Geronimo L. aus Venedig, lebte als Componist zu Anfang desselben Jahrhunderts in seiner Vaterstadt.
7Lambert, Georges Joseph Laurent, französischer Componist, geboren 1779 zu Arras, wurde anfangs von seinem Vater, später vom Kapellmeister Schorn musikalisch unterrichtet. Schon von 1795 an und zwar bis 1804 war er Musikdirektor bei einer reisenden Schauspielergesellschaft, war 1805 in Amiens und liess sich noch in demselben Jahre als Gesanglehrer in Paris nieder, wo er auch bald als Componist von Romanzen sehr beliebt wurde. Ausser letzteren sind von ihm auch einige Kirchenstücke und Streichquartette im Druck erschienen. L. starb im Juli 1852 zu Paris.
9Lambert, Johann Heinrich, Philosoph, Mathematiker und Akustiker, geboren am 29. Aug. 1728 zu Mühlhausen im Elsass, war der Sohn eines armen Schneiders und für dasselbe Handwerk bestimmt. Mit Hülfe einiger edler Gönner wurde er jedoch den Wissenschaften zugeführt und vervollkommnete sich nach vollendeten Studien auf Reisen durch Deutschland, Holland, Frankreich und Oberitalien, die er als Hauslehrer mit den Söhnen des Präsidenten von Salis in Chur unternahm. Im J. 1764 ging er nach Berlin, wo ihn Friedrich der Grosse zum Oberbaurath und zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannte. In Berlin starb er auch am 25. Septbr. 1777. Im J. 1828 wurde ihm in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet. Er ist u. A. der Entdecker der Theorie des Sprachrohrs. In den Memoiren der Berliner Akademie befinden sich folgende hier zu nennende Abhandlungen von ihm: »Sur quelques instrumens acoustiques« (1763; deutsch und mit Anmerkungen versehen von Huth, Frankfurt a. O., 1796); »Sur la vitesse du son« (1768); »Remarques sur le tempérament en musique« (1774; deutsch in Marpurg’s »Histor.-krit. Beiträgen« Bd. V) und »Observations sur les tons des Flûtes« (1775).
11Lambert, Michel, angesehener französischer Virtuose auf Laute und Theorbe, Gesanglehrer und Vocalcomponist, geboren 1610 zu Vivonne bei Poitiers, kam, mit sehr schöner Stimme begabt, schon jung zu musikalischen Studien nach Paris und erwarb sich die Gunst des Cardinals Richelieu, der seine Anstellung als Kapellmeister der 24 Violons du roi erwirkte. Seitdem verkehrte L. in den ersten Kreisen von Paris, errichtete eine bedeutende Singschule und war überhaupt als Gesanglehrer sehr gesucht. Durch seine Compositionen soll er die französische Gesangmusik melodisch beweglicher und
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