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Scan 313
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1876
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1Orchesters statt der früher in der Notredamekirche üblich gewesenen blossen Begleitung von Violoncellen und Bässen zum musikalischen Gottesdienste gehörte, riefen auch innerhalb der maassgebenden Kreise Anfeindungen und Misshelligkeiten hervor, und L. wich Ende 1788 den gegen ihn angezettelten Intriguen und legte sein Amt nieder. Um noch weiter gehenden Verfolgungen seiner Feinde zu entkommen, nahm er die Einladung eines seiner Verehrer an und zog sich in dessen Landhaus zurück, in welchem er, fast nur mit Composition beschäftigt, vier der glücklichsten Jahre seines Lebens verbrachte. Nach dem Tode seines Beschützers, 1792, kehrte L. nach Paris zurück und brachte ein Jahr darauf im Theater Feydeau mit grossem Erfolge seine dreiaaktige Oper »La caverne« zur Aufführung, der er »Paul et Virginie« (1794) folgen liess, welche Oper weit weniger gefiel, bis 1796 der »Télémaque«, welcher schon 1788 der Prüfungscommission der Grossen Oper vorgelegen hatte, L.'s Ruf auf musikdramatischem Gebiete befestigte. Hierauf erhielt er das Inspektoramt an dem soeben (1795) gegründeten Conservatorium und arbeitete mit Méhul, Langlé, Gossec und Catel die »Principes élémentaires de musique« und die »Solféges« für dieses Nationalinstitut aus. Die 1801 an der Anstalt ausgebrochenen Lehrerstreitigkeiten kosteten mehreren der Professoren, unter diesen 1802 auch L., die Stelle und freie Wohnung, wodurch er in eine ziemlich prekäre Lage gerieth, aus welcher ihn jedoch ein ausserordentlicher Glücksfall riss. Als nämlich Paisiello im März 1804 das Amt als Kapellmeister des ersten Consuls aus Gesundheitsrücksichten aufgab, empfahl er L. als Nachfolger, der auch diesen Posten erhielt und als Antrittswerk seine früher zurückgewiesene grosse Oper »Les bardes« im Juli 1804 aufführen liess, mit der er den denkbar glänzendsten Erfolg hatte.
3L. war denn auch der richtige Mann, um bald nachher für die Kaiserkrönung seines Consuls die erforderliche brillante Messe und das Te deum zu componiren. Als Napoleon, der seitdem kein Ende fand, seinen Kapellmeister durch Beweise seiner Zuneigung auszuzeichnen, im Decbr. 1804 zum ersten Male dessen vielgerühmte »Barden« in der Grossen Oper gehört hatte, übersandte er demselben eine goldene Dose mit der Inschrift: »Der Kaiser der Franzosen dem Componisten der Barden«. Im J. 1809 liess L. seine 1801 schon ohne Erfolg gegebene Oper »La mort d'Adam« in umgearbeiteter Gestalt aufführen, fand aber auch diesmal nicht den gewohnten Beifall. Bei der Restauration, 1814, beliess man ihn in seiner Stellung und gab ihm den Titel Surintendant und Compositeur der königl. Kapelle; erst nach der Julirevolution von 1830 wurde er dieser Funktion definitiv enthoben, und er zog sich hierauf in die ländliche Einsamkeit zurück, auch bis dahin verfolgt von mannigfachen Auszeichnungen der Akademien und Musikvereine des Landes. Schon 1813 war er zum Mitglied der Pariser Akademie und 1817 aufs Neue zum Professor des Conservatoriums ernannt worden. Er starb zu Chaillot am 6. Octbr. 1837. Von seinen nicht zur Aufführung gelangten Opern sind zu nennen »Tyrthée« (1794), »Artaxerce« (1801), »Alexandre à Babylone« (1823). Gemeinschaftlich mit Persuis arbeitete er 1807 zwei Gelegenheitsopern: »L'inauguration du temple de la victoire« und »Le triomphe de Trajan«. Kirchliche Werke von ihm zählt man 33, bestehend in Messen, Motetten, Oratorien u. s. w. An musikalisch-literarischen Arbeiten hat er ausser den obengenannten geliefert: »Lettres et réponse à Gaillard, sur l'opéra de la mort d'Adam etc.« (Paris, 1801); »Notice sur la mélopée, la rhythmopée et les grandes caractères de la musique ancienne« (in der französischen Uebersetzung des Anacreon von Prof. Gail enthalten); »Notice sur Paisiello« (Paris, 1816); Beiträge zu dem von Catel herausgegebenen Werke »Sur les principes élémentaires de musique« (Paris, 1816) und viele technische und historische Artikel für den musikalischen Theil des von der französischen Akademie beabsichtigt gewesenen grossen Wörterbuchs der schönen Künste. Seine musikgeschichtlichen Kenntnisse und Ansichten hielten jedoch eine genaue Probe auf ihren Werth nicht aus. Dies war nicht
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