Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 279

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

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1die Chorknaben der Kreuzkirche aufgenommen, lernte er hier die Elemente der Musik sowie die lateinische Sprache und setzte später seine Studien an der Universität fort. In seinem sechzehnten Jahre begab er sich zu seinem Onkel nach Bonn, wo er sich ausschliesslich der Musik widmete, und dies mit solchem Erfolg, dass er schon im nächsten Jahre eine Symphonie seiner Composition zur Aufführung bringen konnte. Im J. 1794 fixirte sich R. in Hamburg und gab dort während eines Zeitraumes von fünf Jahren Clavier- und Gesangunterricht; auch schrieb er hier die Musik zu einer französischen Oper »Godefroid de Montfort«, welche bei einer Privataufführung den zufällig in Hamburg anwesenden französischen Künstlern Rode und Garat so gefiel, dass diese den Componisten ermuthigten, sie in Paris hören zu lassen. Wirklich sah sich R. in Folge unausgesetzter Arbeit und Sparsamkeit 1799 in der Lage, seine langgehegte Sehnsucht nach der Hauptstadt Frankreichs zu befriedigen. Dort angelangt, glückte es ihm bald, durch Aufführung einer seiner Symphonien in den damals berühmten Concerten der Ruy de Cléry die Theilnahme der musikalischen Kreise für sich zu erwecken; auch ein Operntext wurde ihm von seiten des Theater Feydeau zur Composition anvertraut. Als jedoch seine Partitur vollendet war, musste dies Theater, durch die Ungunst der Zeitverhältnisse gezwungen, seine Pforten schliessen, und da wenig später die zweite komische Oper, das Theater Favart, vom gleichen Schicksal ereilt wurde, so liess R. die Hoffnung auf eine Ausführung seiner Pariser Pläne fahren und entschloss sich, nach Wien zu gehen. Hier, in freundschaftlichem Verkehr mit Haydn, Albrechtsberger, Salieri und Beethoven, gelangte sein Compositionstalent zu voller Reife; von seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete zeugen eine Menge von Werken jeder Gattung, welche sich alle, wenn nicht durch geniale Erfindung, so doch durch grosse Gewandtheit in der Satzkunst auszeichnen. Hier war es auch, wo Reicha’s Ideen zu einer Reform der musikalischen Theorie eine bestimmte Richtung nahmen.
3Das erste Werk, in welchem dieselben zu Tage traten, waren seine, Haydn gewidmeten »Sechsunddreissig Fugen für Clavier nach einem neuen System«. Dieses System kann jedoch, wie Fétis behauptet, den Anspruch auf Neuheit deswegen nicht machen, weil es in nichts anderem besteht, als in der Beantwortung eines Fugenthemas auf jeder Stufe der Tonleiter, das was die Italienischen Componisten des 17. Jahrhunderts Ricercare di Fantasia nannten. R. glaubte in diesem System das Prinzip einer reicheren Modulation gefunden zu haben, als es bei regelrechter Beantwortung des Fugenthemas durch die Dominant-Tonart möglich war, er übersah jedoch, dass seine neue Compositionsweise mit dem Princip der Tonalität, auf welchem die gesammte moderne Musik beruht, in Widerspruch gerieth. So erklärt es sich, dass seine Neuerung keine Nachahmer fand, und trotz des Aufsehens, welches sie bei ihrem Erscheinen machte — ein deutscher Kritiker nannte R. bei dieser Gelegenheit sogar den »Wiederhersteller der Fuge« — schnell wieder vergessen war.
5Reicha’s Stellung in Wien liess ihm kaum etwas zu wünschen übrig, da der Ertrag seiner Compositionen und Lectionen für seine, übrigens stets bescheidenen Bedürfnisse hinlänglich ausreichte. Mit dem Ausbruch des Krieges von 1805 und der Besetzung Wiens durch die französische Armee verschlechterte sich jedoch seine Lage, und als gegen Ende des Jahres 1808 ein neuer Krieg drohte, entschloss er sich abermals, nach Paris zu gehen, wo er im October desselben Jahres anlangte. Mit Hülfe seiner alten Freunde gelang es ihm auch jetzt, eine seiner Symphonien zur Aufführung zu bringen — diesmal in einem der Concerte des Conservatoire — und wiederum war der Erfolg derart, dass er als ein Meister der Instrumentalcomposition allgemein anerkannt wurde, sowie auch in kurzer Zeit einen grösseren Schülerkreis um sich sammeln konnte. Schon im J. 1812 stand er bei dem Pariser Publikum in dem Rufe eines gelehrten Musikers und erfahrenen Lehrers, besonders aber seit der 1814 erfolgten Veröffentlichung seines »Traité de mélodie«. Der Erfolg dieses Werkes

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