Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

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Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877

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1ist zwar zum Theil auf Rechnung der Unkenntniss zu schreiben, welche zu jener Zeit in Frankreich bezüglich der musikalischen Literatur früherer Epochen herrschte. Reicha's Behauptung in der Vorrede zur genannten Abhandlung: »Seit mehreren Jahrhunderten sei wohl eine grosse Zahl von Lehrbüchern der Harmonie erschienen, jedoch nicht ein einziges Lehrbuch der Melodie« — scheint zu beweisen, dass seine eigenen Kenntnisse der Musikwissenschaft ungenügend waren, denn das Vorhandensein zahlreicher älterer Arbeiten über diesen Gegenstand, unter denen nur Doni's »Discorso sopra la perfezione della melodia« (1635), Nichelmann's »Die Melodie, nach ihrem Wesen sowohl als nach ihren Eigenschaften« (1755) und Mattheson's »Kern melodischer Wissenschaft« (1737) hier erwähnt seien, widerlegen seine Worte. Dennoch ist Reicha's Verdienst anzuerkennen, die Theilnahme der musikalischen Kreise in Frankreich für theoretische Fragen neu belebt zu haben, und es ist begreiflich, dass 1817 bei Wiederbesetzung der durch Méhul's Tod frei gewordenen Lehrerstelle des Contrapunktes am Conservatorium — nach Napoleon's Sturz unter dem Namen »Ecole royale de musique et de declamation« neu organisirt — die Wahl auf ihn fiel.
3Bald darauf veröffentlichte R. sein Harmoniesystem unter dem Titel: »Cours de composition musicale ou traité complet et raisonné d'harmonie pratique«. Dasselbe gründet sich im Anschluss an die Rameau'sche Theorie auf eine Anzahl von Fundamental-Akkorden; doch während Rameau deren zwei annimmt, den Dur- und Moll-Dreiklang, bezeichnet R. dreizehn theils consonirende, theils dissonirende Akkorde als solche, und indem er den mehr oder minder deutlich ausgesprochenen Charakter der Alteration, Ableitung und Umkehrung, unberücksichtigt lässt, verliert er den Vortheil der durch Rameau bewirkten Vereinfachung der Harmonielehre und kehrt zu dem oberflächlichen Empirismus der zu Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen Methoden zurück. Ein drittes 1824 erschienenes theoretisches Werk Reicha's, betitelt: »Traité de haute composition musicale, faisant suite au Cours d'harmonie pratique et au Traité de mélodie« erfüllt nur theilweise seinen Zweck, weil es sich ausschliesslich mit dem doppelten Contrapunkt beschäftigt und den einfachen Contrapunkt mit Stillschweigen übergeht. Wie beim »Traité de mélodie«, so zeigt sich auch in diesem Werke des Autors mangelhafte Kenntniss der Entwicklungsgeschichte der Tonsetzkunst. Mit derselben Sorglosigkeit, welche ihn dort seine Vorgänger ignoriren liess, versichert er hier bezüglich derjenigen Harmonien, welche zwei verschiedene Bässe zu gleicher Zeit enthalten können, dass die von den Componisten des 16. und 17. Jahrhunderts in ihren Doppelchören hinterlassenen Beispiele ihnen nicht viel Mühe gekostet haben können: »Dies wenigstens wollen wir lieber annehmen, als glauben, dass sie aus Unfähigkeit gefehlt haben«. Wiederum behauptet er, dass dieser Zweig der musikalischen Composition von ihm keine Pflege gefunden habe,* wofür er sich von Baini (in dessen Biographie Palestrina's, Bd. II p. 363), der ihn auf die Arbeiten Berardi's, Lorenzo Penna's, des Padre Martini und anderer älterer Lehrer des Contrapunkts aufmerksam macht, eine keineswegs ehrenvolle Zurückweisung gefallen lassen musste.
5Mittlerweile hatte R. das Streben nicht aufgegeben, sich einen Ehrenplatz unter den dramatischen Componisten Frankreichs zu erringen, doch waren ihm als solchem nicht die gleichen Erfolge beschieden, deren er sich als Instrumentalcomponist und Theoretiker zu erfreuen hatte. Die dreiaktige komische Oper »Cagliostro«, die er gemeinschaftlich mit Dourlen in Musik gesetzt hatte, fand bei ihrer ersten Aufführung (1810) einen vollständigen Misserfolg; nicht besser war das Schicksal einer zweiten dreiaktigen Oper »Natalia«, welche 1816
7*) Eclaircissemens sur l'harmonie dans le style moderne, qui peut ou qui doit recevoir deux basses simultanées différentes. Cet article est encore l'un de ceux qui n'ont pas été traités jusqu'à présent et qui manquait essentiellement à l'art. Les compositeurs qui ont précédé le dixhuitième siècle nous ont laissé (dans leurs doubles choeurs) des exemples de deux basses simultanées, qui n'ont pas dû leur coûter beaucoup de travail: il vaut mieux du moins le croire ainsi, plutôt que de penser, qu'ils aient péché par ignorance.

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