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Scan 57
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1877
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131. März 1656 zu Paris, war zuerst Chorknabe an der Saint-Chapelle und erhielt als solcher Unterricht auf der Gambe bei Hottemann und später bei Saint-Colombe, bei welchem letzteren er in sechs Monaten bis zur höchsten Stufe der Virtuosität gelangte. Selbst Lully ertheilte ihm einige Unterweisung in der dramatischen Composition. Im J. 1685 als königl. Kammermusiker und Solo-Gambist angestellt, blieb er volle vierzig Jahre in dieser Stellung. Im J. 1725 zog er sich in ein eigenes kleines Besitzthum zurück und beschäftigte sich dort hauptsächlich mit Blumenzucht, bis er am 15. Aug. 1728 starb. Von ihm rührt die siebente Saite der Gambe her, und er war es, der zuerst die drei stärksten Saiten derselben überspann. Componirt hat er viele Gambenstücke, Trios für Flöte, Violine und Gambe, sowie die Opern »Ariane et Bacchus« (1696), »Alcione« (1706), »Sémèle« (1709) und »Alcide« (letztere gemeinschaftlich mit Louis Lully). — Sein Sohn und Schüler, Roland M., wurde 1725 der Nachfolger seines Vaters als königl. Solo-Gambist und zog durch seine Virtuosität zahlreiche Ausländer als Schüler nach Paris, unter diesen auch den nachmaligen berühmten Ernst Christian Hesse aus Thüringen. Quantz, der M. 1726 hörte, stellt ihm ein glänzendes Zeugniss aus. Von ihm existiren einige Cantaten, Gambenstücke und die Musiklehre »Nouvelle méthode de musique, pour servir d'introduction aux auteurs modernes« (Paris, 1711).
3Marastoni, Antonio, italienischer Orgelvirtuose und Componist, lebte in musikalisch-kirchlicher Stellung zu Anfang des 17. Jahrhunderts zu Illasi und hat Motetten von seiner Composition (Venedig, 1625) veröffentlicht.
5Marazzoli, Marco, auch Marazzuoli geschrieben, ausgezeichneter italienischer Sänger und Musiker, geboren ganz zu Anfang des 17. Jahrhunderts zu Parma, wurde 1637 in das päpstliche Sängerkollegium in Rom aufgenommen, dann zum Beneficiarius der Kirche Santa Maria maggiore und endlich von Papst Urban VIII. zum Bussolante, d. h. zum Aufseher der kirchlichen Ceremonien ernannt. Ausserdem war er als Harfenvirtuose berühmt und auch in der Kammermusik der in Rom domicilirenden Königin Christine von Schweden angestellt. Endlich noch als einer der besten Cantaten- und Oratorien-Componisten seiner Zeit geachtet, starb er am 16. Jan. 1662 zu Rom. Viele seiner Oratorien bewahrt das Archiv der Kirche Santa Maria in Valicella, und Baini besass zahlreiche Cantaten, Madrigale und kleine Stücke von ihm. Auch Opern hat M. gesetzt, und man nennt von solchen: »Amori di Giasone ed Isifile« (1642), »L'arme e gl'amori«, »Del male il bene« (mit Abbatini gemeinschaftlich), »La vità umana«, »Il trionfo della pietà« (1656 in Rom).
7Marbeck, John, ausgezeichneter englischer Tonkünstler und Gelehrter, um die Mitte des 16. Jahrhunderts Baccalaureus der Musik und Organist an der St. Georgskapelle zu Windsor, wurde um 1544, als ketzerischer Bestrebungen überwiesen, zum Tode verurtheilt, wusste aber durch seine Beredtsamkeit sein Leben zu retten und sein Amt sich zu erhalten. Am Leben war er noch 1576, vielleicht auch noch später, da 1581 noch mehrere seiner Compositionen herauskamen. Besonders verdient und berühmt machte er sich, dass er die beim anglikanischen Gottesdienste vom Priester gesungenen Hymnen und Gebete einstimmig setzte und 1550 unter dem Titel »The book of common prayer« veröffentlichte. Von M. selbst theilt Hawkins im dritten Bande seiner Musikgeschichte eine gut gesetzte dreistimmige Hymne auf die Jungfrau-Mutter mit, und ein Te deum von ihm enthält der erste Band von Smith's »Musica antiqua«.
9Marcae, Leonhard, auch Marca geschrieben, Barfüssermönch und Orgelbauer zu Nürnberg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, reparirte da selbst 1479 die merkwürdige grosse Orgel von 1100 Pfeifen in der St. Lorenzkirche. Gleichwohl blieb dieses Werk ungebraucht stehen und wurde 1525 sogar beseitigt, weil man meinte, es spiele unausgesetzt weltliche Weisen unter die geistlichen Lieder.
11Marcato (ital.; französ.: marqué), in der Abkürzung (Abbreviatur) marc.,
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