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Scan 190
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1gab und bereits die ersten monumentalen Werke der neuen Richtung geschaffen hatte. Um diese indess auch den höchsten und weitesten Instrumentalformen zu vermitteln, bedurfte er noch jener sichern formellen, zunächst im Kleinen gestaltenden und gliedernden Technik, die er sich auf dem Gebiete des Liedes erwarb, dem er sich zuwandte, nachdem er instrumental bereits auf einem ersten Höhenpunkte seiner Entwicklung angelangt war. An den letzten Werken dieser Periode hatte schon der Kampf um seine Clara (die Tochter seines ehemaligen Lehrers Wieck, die geniale Pianistin) Anteil. Die Herzen hatten sich längst gefunden und schon 1837 hatte Sch. um die Hand der Geliebten angehalten, war aber vom Vater abschläglich beschieden worden, zumeist, weil diesem die socialen Bedingungen für das Glück der Ehe noch nicht erfüllt erschienen. Sch. war deshalb auch mit Eifer darauf bedacht, sich eine mehr gesicherte Existenz zu gründen; er fasste zunächst den Plan, mit der Zeitung nach Wien überzusiedeln; ein längerer Aufenthalt daselbst hatte indess keinen Erfolg. Sch. kehrte im April 1839 nach Leipzig zurück und begann hier sich ernstlich und eifrig häuslich einzurichten. Er erwarb von der Universität Jena die philosophische Doktorwürde und trotz des immer noch ungebrochenen Widerstandes seitens des Vaters wurde er am 12. Septbr. 1840 in der Kirche zu Schönefeld mit Clara durch Priesterhand verbunden. Dem neuen reichen Liebeleben, das ihm dieser Bund brachte, verdanken eine Reihe seiner unvergänglichsten Schöpfungen ihre Entstehung.
3Schon das erste Liederheft, op. 24: »Liederkreis von Heinrich Heine«, enthält Lieder, mit denen er sich in die Reihe der ersten Meister des Liedes stellte, wie: »Schöne Wiege meiner Leiden«, »Morgens steh ich auf und frage«, »Mit Myrthen und Rosen« und op. 25 neben dem heissester Leidenschaft vollen: »Du meine Seele, du mein Herz«, das wunderliebliche: »Es grünet ein Nussbaum« oder »Du bist wie eine Blume«. Mit diesen Liedern schon hatte er jenen eigenthümlichen Stil gewonnen, mit dem er die Heine’sche Lyrik in so tief ergreifender Wahrheit musikalisch umdichtete und der Liedercyklus, op. 48 (Dichterliebe), zeigt ihn in höchster Vollendung. Mit derselben Treue aber versenkte er sich auch in andere Dichterindividualitäten, wie: Justinus Kerner (Liederreihe, op. 35), Friedrich Rückert (Liebesfrühling, op. 37), Joseph Freiherr von Eichendorff (Liederkreis, op. 39), Chamisso (Frauenliebe und Leben, op. 42), Robert Burns, Robert Reinick, Emanuel Geibel, Eduard Möricke u. A.*). An diesen Liedern festigte er zugleich formell den ihm eigenthümlichen Stil, so dass er nunmehr auch mit durchgreifendem Erfolg den neuen romantischen Inhalt den grösseren Instrumentalformen vermitteln konnte. Jene kleineren Instrumentalformen der ersten Periode waren direkt durch diesen erzeugt und als Schumann ihn auch der Sonate vermittel wollte (op. 11, 14 und 22), gelang ihm das nur auf Kosten der Form. Erst mit der Sinfonie in B-dur (op. 38), die im Jahre 1841 entstand, trat der neue Inhalt auch in den grossen Instrumentalformen in die Erscheinung und er erzeugte in dem Meister noch eine Reihe ähnlicher Werke von gleicher Vollendung, wie die in C-dur (1845 und 1846, op. 61), in Es-dur (op. 97, 1850) und in D-moll (1842 und 1851); die herrlichen Streichquartette, op. 41, das Pianoforte-Quartett, op. 47 und das Pianoforte-Quintett, op. 44, die Sonaten für Pianoforte und Violine, op. 105 und 121, die Trios für Pianoforte, Violine und Violoncello, op. 63, 80 und 110, das herrliche Concert für Pianoforte und Orchester, op. 51 und das nicht minder wundervolle für Violoncello und Orchester, op. 129. Endlich erfüllte er auch die dramatischen Formen mit dem neuen Geiste echter Romantik. Sein Oratorium: »Das Paradies und die Peri«, op. 50, das im Jahre 1843 ent-
5*) Den speciellen Nachweis siehe in Reissmann: „Robert Schumann, sein Leben und seine Werke“, 2. Auflage (Berlin, J. Guttentag).
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