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Scan 279
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
11 lines. Read by computer on 16 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 273. See the scan on archive.org.
1Sammlung von Hymnen und Vespern der Sonn- und Festtage des ganzen Jahres drucken: »Melpomene hymnisona, producens hymnos de Dominicis, et tempore, de proprio et communi sanctorum, aliisque diversorum religiosorum ordinum principalioribus, per totius anni decursum, in officio vespertino de cantari solitos 1, 2, 3 et 4 voci, 2 violinis, 2 violis, fagottis et B. C.«, op. 1 (Augsburg, 1702, in Fol.).
3Sip (ungarisch), Pfeife.
5Sirène nannte der berühmte Physiker Cagniard la Tour das von ihm (1819) erfundene Instrument zur Zählung der Schallwellen. Auf dem durchlöcherten Deckel einer Trommel, die hier als Windlade dient, bewegt sich um die senkrecht auf ihr stehende Axe eine Scheibe, die mit einer gewissen Anzahl von Löchern versehen ist, welche die Axe in konzentrischem Kreise umgeben und gleich weit von einander entfernt sind. Ein Blasebalg ist durch ein Ansatzrohr mit der Windlade verbunden; die damit eingeführte Luft geht durch die Öffnungen im Deckel der Windlade wieder hinaus und trifft die sich bewegende Scheibe, deren Öffnungen mit denen des Deckels in gewissen Stellungen der Scheibe zusammenfallen, so dass der Wind durchgelassen wird, während er in andern Stellungen abgesperrt ist. Dadurch entstehen periodische Luftstösse, indem der Wind wechselsweise durchbricht und zurückgehalten wird. Damit dieser die Scheibe selbst treibt, sind die Löcher derselben schräg gebohrt, so dass ihre Richtung im Deckel mit derjenigen in der Scheibe einen rechten Winkel bildet. Man erhält auf diese Weise eine Reihe periodischer Schwingungen, aus denen bei hinreichender Schnelligkeit ein Ton wird. Macht die Scheibe z. B. 20 Umdrehungen in einer Secunde und ist sie mit 22 Löchern versehen, so ergibt das 22 · 20 = 440 Schwingungen, mithin den Ton a₁. Mit dieser Sirene ist zugleich ein Zählwerk verbunden, vermittelst dessen man die Zahl der Umdrehungen genau feststellen kann. Der berühmte Physiker Seebeck construirte die Sirene in einfacherer Weise. Er lässt die durchlöcherte Scheibe durch ein Schwungrad treiben und durch ein Röhrchen anblasen. Die Luft tritt dabei frei aus, so oft eins der Löcher der Scheibe getroffen wird, während der Austritt der Luft gehindert ist, so oft ein undurchbohrter Theil der Scheibe vor der Mündung des Röhrchens vorbeigeht. Diese Sirene giebt natürlich nur einen schwachen Ton, während die von Cagniard la Tour construirte einen kräftigen starken Ton giebt. Dove construirte eine doppelstimmige Sirene und Helmholtz aus der Zusammensetzung zweier solcher mehrstimmigen Sirene eine Doppelsirene.*)
7Sirenen. a) Nach der griechischen Mythe die drei Töchter des Flussgottes Achelous, deren Namen Leukosia, Ligea und Parthenope waren. Durch ihren bezaubernden Gesang (Sirenengesang), welcher als Charybdis und Scilla an Siciliens Ufern die Schiffer beunruhigte, lockten sie die Vorüberfahrenden an sich und tödten sie dann. Ihr Gesang und die Gefahr, sich ihnen zu nähern, ist sprüchwörtlich geworden. Sie sind nach dem Glauben der Alten ganz anmuthige Ungethüme, die auf blumigen Wiesen wohnen, durch das Brausen der Brandung hindurch singen und mehrere Instrumente spielen. Sie brechen den Leuten nicht den Hals, aber ihr Opfer stirbt entzückt im Genuss, wie der Schmetterling im Kelch der sich schliessenden Blume. Sie sind die pikantesten aller mythologischen Figuren, aber auch die furchtbarsten, da ihre Nachkommenschaft sich über viele Gewässer verbreitet. Diese süssstonenden Meerhexen werden abgebildet bald als Vögel mit Frauenkopf, bald in Gestalt eines Weibes mit Fischschweif, weil die über den Raub der Proserpine durch Pluto erzürnte Ceres jene gleichgültig zuschauenden Nymphen in Ungeheuer verwandelte. In diesem Mythos werden zunächst die Gefahren symbolisirt, denen die an den Küsten herum schiffenden Seeleute ausgesetzt sind. Merkwürdig, dass kein Seefahrer erwähnt ist, den die Sirenen wirklich ins Verderben stürzten; denn Odysseus entgeht ihnen dadurch, dass er an den Mastbaum seines Schiffes one of two readings
8Sirenen. a) Nach der griechischen Mythe die drei Töchter des Flussgottes Achelous, deren Namen Leukosia, Ligea und Parthenope waren. Durch ihren bezaubernden Gesang (Sirenengesang), welcher als Charybdis und Scilla an Siciliens Ufern die Schiffer beunruhigte, lockten sie die Vorüberfahrenden an sich und töteten sie dann. Ihr Gesang und die Gefahr, sich ihnen zu nähern, ist sprüchwörtlich geworden. Sie sind nach dem Glauben der Alten ganz anmuthige Ungethüme, die auf blumigen Wiesen wohnen, durch das Brausen der Brandung hindurch singen und mehrere Instrumente spielen. Sie brechen den Leuten nicht den Hals, aber ihr Opfer stirbt entzückt im Genuss, wie der Schmetterling im Kelch der sich schliessenden Blume. Sie sind die pikantesten aller mythologischen Figuren, aber auch die furchtbarsten, da ihre Nachkommenschaft sich über viele Gewässer verbreitet. Diese süssstonenden Meerhexen werden abgebildet bald als Vögel mit Frauenkopf, bald in Gestalt eines Weibes mit Fischschweif, weil die über den Raub der Proserpine durch Pluto erzürnte Ceres jene gleichgültig zuschauenden Nymphen in Ungeheuer verwandelte. In diesem Mythos werden zunächst die Gefahren symbolisirt, denen die an den Küsten herum schiffenden Seeleute ausgesetzt sind. Merkwürdig, dass kein Seefahrer erwähnt ist, den die Sirenen wirklich ins Verderben stürzten; denn Odysseus entgeht ihnen dadurch, dass er an den Mastbaum seines Schiffes one of two readings
10*) Helmholtz: „Die Lehre von den Tonempfindungen.“ Zweite Ausgabe, p. 241.
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