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Scan 280
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1sich festbinden lässt und Orpheus bringt durch seinen Gesang sie zum Schweigen, dass die besiegten koketten Virtuosinnen sich ins Wasser stürzten und in Felsen verwandelt wurden. — Im Allgemeinen aber kann die Sage von den Sirenen auch versinnlichen: den Reiz und die Lockungen des Gefahr bringenden Lasters. Mit dieser Vorstellung verbunden haben die Sirenen auch ins christliche Mittelalter sich verpflanzt und in der Poesie, wie besonders in der romantischen Oper bis zur Gegenwart sich erhalten. Wir finden die schwimmenden und fliegenden Wasserjungfrauen wieder in den Sagen von den Willis, den Nixen, Lamen, Undinen, Feen, Nymphen und Najaden, die Quellen und Brunnen beschützen. Die »grüne Dame« des Juragebirges kämmt sich das goldene Haar und führt zur Nachtzeit im Schatten mächtiger Eichen den Reigen der reizenden Wald-Elfen, ihrer Gefährtinnen. Aehnlich lautet die Sage von der Loreley, die H. Heine in seinem: »Ich weiss nicht, was soll es bedeuten« besungen hat. Auch sie hat die Schwachheit aller Wassernixen, sich in Sterbliche zu verlieben, die sie nach der Verführung ertränkt. Also — überall halbmenschliche und halbthierische Natur zu einem abenteuerlichen Gebilde verschmolzen; — überall Versuchung durch bezaubernden, in süßen Wahnsinn versetzenden Gesang und berückende Musik. — Originalmelodien vom Sirenen gesang kann Referent nicht mittheilen; für Nachbildung des Nimmergehörten sorgen die romantischen Opern- und Clavier-Componisten.
3Sirenion, ein von Joh. Promberger (s. d.) zu Wien 1824 erfundenes Clavierinstrument, welches, gleich dem aufrechtstehenden Pianoforte, wenig Raum einnimmt und durch seine geschmackvolle Form sich als Zierde für jeden Salon empfiehlt. Somit ein Vorläufer des Pianino. Abbildung und Beschreibung s. in der »Leipziger Allgem. musik. Zeitung«, 30. Jahrg. Sp. 298 und 759.
5Si replica = man wiederhole.
7Siri, Giacomo, geboren zu Genua gegen 1770, studirte in Turin Musik, schrieb zuerst die Musik zu einigen Balletten für Mailand, 1791 für Neapel; »Recimero«, Oper in zwei Akten; 1792: »La Caccia interrotta«, Opera buffo in einem Akt. Ferner Cantate mit Orchester: »Il Trionfo d’Alcione«.
9Sirmin, Magdalena Lombardini de, geboren zu Venedig gegen 1735, wurde im Conservatorium Mendicanti in dieser Stadt gebildet. Als ausgezeichnete Sängerin und Violinspielerin verliess sie dasselbe und begab sich von da nach Padua, um dort den Unterricht Tartini’s noch zu geniessen. Hierauf bereiste sie Italien als Violinvirtuosin und war in dieser Zeit die Rivalin Nardini’s. An den Violinisten und Kapellmeister zu Bergamo, Sirmin, verheiratet, liess sie sich in Paris im Concert spirituel mit diesem in einem Concert für zwei Violinen hören, auch spielte sie in diesen Concerten, in denen sie viel Anklang fand, mehrere eigene Compositionen. In London, wohin sie sich nun wendete, erntete sie ebenfalls viel Beifall wegen ihrer brillanten und energischen Bogenführung, nichtsdestoweniger nahm sie 1774 ein Engagement als Sängerin für kleine Partien bei der Oper an. 1782 war sie ebenfalls als Sängerin bei der Hofmusik in Dresden angestellt. Sie starb gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Gedruckt sind: Sechs Trios für zwei Violinen und Violoncell, op. 1 (Amsterdam). Drei Concerte für Violine, op. 2 (ibid.). Drei idem, op. 3 (ibid.).
11Sirotti, Francesco, Componist, geboren zu Reggio um die Mitte des 18. Jahrhunderts, brachte 1793 seine Oper »Il Pimmaglione« zur Aufführung. Nachdem er in seiner Vaterstadt Kapellmeister der Kathedrale geworden, compo- nirt er viele Messen, Vespern, Motetten u. dergl. Musik zur Cantate »Aristodemo« wurde 1811 im März in Reggio aufgeführt.
13Sirventes (Dienstlied, von servir), eine Liedergattung der Troubadours, die ebenso den Gebieter wie den hohen Gönner der Sänger feierte, wie das Minnelied die Gebieterin des Herzens. Es wurde meist ebenso wie dies durch den Boten übersandt. Das Verhältniss zwischen Troubadour und Gönner stieg von eigentlicher Unterwürfigkeit und Dienstbarkeit durch verschiedene
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