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Scan 436
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1878
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1mit Urmelodie diejenige Melodie des Volks- oder Kirchengesanges, aus denen der protestantische Gemeindegesang einige seiner köstlichsten Melodien durch Umbildung gewann. So lieferte das Liebeslied »Mein G'müth ist mir verwirret« die Urmelodie zu dem Choral: »Herzlich thut mich verlangen nach einem selgen End'; die Melodie des weltlichen Liedes »Venus du und dein Kind, sind alle beide blind« die Urmelodie zu dem Choral »Auf meinen lieben Gott, trau' ich in aller Noth«; die Melodie des weltlichen Liedes: »Warum willst du wegzichen« wurde zur Urmelodie für den Choral: »Christus der ist mein Leben«. Das schöne Gemeindelied: »Was mein Gott will, das g'scheh allzeit« hat Markgraf Albrecht der Jüngere zu Brandenburg-Culmbach auf die Melodie eines französischen Liedes: »Il me suffist de tous mes maulx« gedichtet. Für die ganze Reihe von Luthers Liedern, die er aus der Uebersetzung der alten Hymnen gewann, wie: »Mitten wir im Leben sind« (Media vita), »Komm Gott Schöpfer heilger Geist (Veni creator), »Nun kommt der Heiden Heiland« (Veni redemptor), »Der du bist drei in Einigkeit« (O lux beata trinitas) u. s. w. wurden die Melodien dieser Hymnen zu Urmelodien für die neuen Gesänge.
3Ursari heissen bei den Türken die musikkundigen und musiktreibenden Zigeuner.
5Ursenbeck e Massimi, Graf d', Oberaufseher der Musik und Kammerherr des Grossherzogs von Darmstadt um die Mitte des 18. Jahrhunderts, liess zu Lüttich 1768 von seinen Compositionen drucken: Sechs Violintrios und Sei sonate notturne für Violine und Bass.
7Ursillo, Fabio, berühmter Theorbenspieler, geboren zu Rom Anfang des 18. Jahrhundert, war auch guter Violinspieler, Flötist und Guitarrist. 1748 erschienen zu Amsterdam: drei Trios für zwei Violinen und Violoncell und zwei Sonaten für die Flöte. Im Manuscript hinterliess er drei Concerte grossi für die Theorbe und ein Concert für die Guitarre.
9Ursini, Joachim, italienischer Componist, geboren zu Pontremoli im Toskanischen, lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Zwei Bücher seiner vierstimmigen Madrigale erschienen 1550 zu Venedig.
11Ursprung der Musik. Früher als alle andern Künste gewann die Musik im Leben der Völker Bedeutung und Ansehen und dem entsprechend auch eifrige Pflege. Der geheimnissvolle Zauber, der schon im rein sinnlichen Klang ruht, übte auch früh auf der untersten Stufe der Culturentwicklung seine bestrickende Macht. Den ersten Culturvölkern, den phantasiereichen Völkern des Orients, erschien er so wunderbar und unfasslich, dass sie glaubten ihn von den Göttern herleiten zu müssen. Je weniger sie im Stande waren, die Ursache der wunderbaren Wirkung des Klanges zu ergründen, desto mehr waren sie bemüht, ihm symbolische und mythologische Bedeutung zu geben; es bildete sich somit ein reicher und sorgfältig durchdachter Sagenkreis bei den Völkern der alten Welt über den Ursprung und die weitere Entwicklung der Musik. Der Sonnengott Osiris der Aegypter wurde auch als Erfinder der Musik verehrt, durch die er, da er keine Waffen hatte, hauptsächlich die Völker bezwang und veredelte. Umgeben von neun im Gesange geübten Jungfrauen durchzog er die Welt, um sie ohne Waffen, nur mit der Kraft seiner von Musik begleiteten Rede zu bändigen und zu entwildern. Auch die Erfindung der einröhrigen Flöte, wie des Krummhorns werden ihm von den Aegyptern zugeschrieben. Nach einem andern ägyptischen Mythus war Thot (die Säule) Erfinder der Musik und zugleich der erste Verkünder der Lehre von der Harmonie und Natur der Töne. Namentlich aber wird ihm die erste Construktion der Lyra zugeschrieben. Als er, so erzählt die Sage, einst am Nil entlang spazieren ging, stiess er zufällig mit dem Fusse an eine Schildkröte, welche der Nil bei seiner Ueberschwemmung zurückgelassen hatte und die hier umgekommen war. Er vernahm einen hellen Klang, den die vertrockneten und blos-liegenden Sehnen des Thieres von sich gaben; dies brachte ihn auf den Ge-
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