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Scan 348
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften für Gebildete aller Stände, 1880
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1Kunsthändler und als feingebildeter Mann auf eine gute Erziehung seiner drei Söhne bedacht, von denen sich der zukünftige Tonkünstler schon früh besonders im Zeichnen und in der Musik hervorthat. Für letztere mit immer mehr hervorstechenden Anlagen begabt, trieb er namentlich Klavierspiel unter Ladurner's Leitung und componirte zu seinem und Anderer Vergnügen Romanzen und Chansons. Seine Eltern bestimmten ihn zum Kaufmannsstande, damit er das väterliche Geschäft einst übernehmen könne, ein Vorhaben, mit dem A. wohl einverstanden war. Er vollendete seine Schulbildung und trat als Lehrling in ein Londoner Geschäft, in den Freistunden mit Vorliebe ein- und mehrstimmige Gesänge schreibend. Mangel an Beruf für diesen Stand, Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und England, so wie der Umstand, dass sein Vater in den unruhigen Zeiten in seinen Vermögensverhältnissen zurückgekommen war und den kostspieligen Aufenthalt des Sohnes in London nur mit Mühe bestreiten konnte: alles dies wirkte zusammen, den jungen A. nach Paris zurückzuführen, um sich einem anderen Berufe zu widmen. Zunächst wusste er sich durch kleine Compositionen Eingang in geselligen Kreisen zu verschaffen und sah sich dadurch aufgemuntert, mehr und Grösseres zu schaffen. Mit einem Pianoforte-Trio bewies er, dass er auch die Instrumentalmusik talentvoll zu behandeln verstand, und dies brachte ihn mit dem berühmten Violoncellisten Lamarre in ein freundschaftliches Verhältniss. Derselbe besass kein Compositionstalent, wünschte aber die Eigenthümlichkeiten seiner Spielweise durch musikalische Werke verbreitet und anerkannt zu sehen. A. lauschte ihm dieselben glücklich ab und schrieb nun jene mit grossem Beifall aufgenommenen Violoncell-Conzerte, welche unter Lamarre's Namen im Druck erschienen und als Bravourcompositionen sehr gesucht waren. Bald darauf spielte Mazas ein Violinconcert von A. in einem der Conservatoriumsconcerte, wodurch letzterer Name noch mehr bekannt wurde und zur Achtung gelangte. A.'s erster Versuch dramatischer Composition war die kleine komische Oper »Julie«, welche er mit Begleitung des Streichquartetts setzte. Die Aufführung derselben auf einem Liebhabertheater gelang und feuerte ihn an, für die kleine Bühne des Prinzen von Chimay eine Oper für volles Orchester zu componiren, aus welcher später mehrere Stücke in seine andern Werke übergingen. Ueber die Mangelhaftigkeit seiner musikalischen Ausbildung konnte er sich während der Arbeit dieser dramatischen Compositionen nicht täuschen, und er eilte daher, das Versäumte unter Boieldieu und Cherubini nachzuholen. Nach beendigten Studien componirte er zuerst eine Messe, aus welcher ein Stück sich in der »Stummen von Portici« als Gebet a capella wiederfindet, und eine einactige Oper »Le séjour militaire«, welche im J. 1813 auf dem Theater Feydeau zur Aufführung kam, aber eben so wenig gefiel, als eine spätere in der Opéra comique 1819, betitelt: »Le testament et les billets doux«. Der enttäuschte Künstler, welcher sich, bereits ein vorgeschrittener Dreissiger, mehr als früher genöthigt sah, die Musik als Nahrungsquelle zu betrachten, strengte sich doppelt an, nahm von dem damals hochgefeierten Rossini Einiges an und erzielte schon 1820 mit der komischen Oper »La bergère châtelaine« einen entschiedenen Erfolg. Dieser Oper bereits wurden originelle und sehr dramatische Gedanken, schöne Melodie und anmuthige Instrumentation von der Kritik zuerkannt. Ermuthigt durch diese günstige Aufnahme, liess A. bereits 1821 »Emma, ou la promesse imprudente«, ebenfalls dreiactig, folgen und sah von da an seinen väterländischen Ruf gesichert. Er hatte sich in diesem Werke einerseits den Styl Gretry's, d'Alayrac's und Monsigny's, andererseits den Rossini's zum Vorbilde genommen, die etwas veralteten Manieren der Ersteren durch eine glückliche Anwendung der modernen Formen aufgefrischt und die moderne Schreibweise des Letzteren den Eigenthümlichkeiten des französischen Wesens geschickt angepasst. Diese Bestandtheile gingen ihm in Fleisch und Blut über und es bildete sich, mit dem doch immer von ihm angeschlagenen Grundton vermischte, jener specifisch Auber'sche Styl, welcher als eine Hauptepoche der neueren französischen Schule dasteht. Diese zu begründen, führte ihm damals sein Glücksstern den geistesverwandten Scribe gleichsam als dichterisches Seitenstück entgegen; mehr als ein Band, mehr als eine natürliche Sympathie zwischen dem reichen Talent Scribe's und dem Genie Auber's bestand überhaupt unter beiden Künstlern, und ihre Vereinigung hat fast immer die glücklichsten Erfolge
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