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Scan 495
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften für Gebildete aller Stände, 1880
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1Meter lang in Gebrauch gehabt, doch findet sie sich in neuester Zeit nur noch sehr selten in Orgeln vor.
3Bauernleier, lyra rustica, lyra pagana, deutsche oder Bettlerleier (ital.: lira tedesca, franz.: vielle), ist ein sehr altes Saiteninstrument, bestehend aus einem der Viola d’amore ähnlichen, mit sehr hohen Zargen versehenen Resonanzkörper, der nach dem Kopfe hin in einen länglichen Kasten ausläuft, in dessen rechter Seitenwand sich zehn bis zwölf Tasten befinden, die den klingenden Theil der Saiten begrenzen und mit den Fingern der linken Hand gespielt werden. Bezogen ist das Instrument mit vier Darmsaiten, von denen zwei zu beiden Seiten ausserhalb des die Claves enthaltenden Kastens liegen und stets nur im Einklang fortsummen, weshalb sie Hummeln genannt werden. Nur die mittleren correspondiren mit der Tastatur und geben die diatonische Scala von so viel Tönen als Tasten vorhanden sind. Die Schwingungen der Saiten werden durch ein hölzernes, mit Colophonium bestrichenes Rad bewerkstelligt, welches eine von der rechten Hand regierte Kurbel in die anstrechende Bewegung setzt. Eine Abbildung des Instrumentes findet sich bei Praetorius. Es wurde übrigens im J. 1757 von Charles Baton in Paris verbessert, der auch Unterricht darauf ertheilte und für dasselbe componirte. Noch bedeutender aber waren die Constructionsverbesserungen des Amtsschössers Biedermann auf Schloss Beichlingen um 1780, der sich darauf 1786 in Erfurt mit grossem Beifall öffentlich hören liess. Nichtsdestoweniger ist das Instrument ein verachtetes und erbärmliches geblieben und findet sich nur bei Bettlern und wandernden Strassenmusikanten.
5Bauersachs, Christian Friedrich, geboren 4. Juni 1767 zu Pegnitz im Fürstenthum Ansbach, zeichnete sich als Virtuose auf dem Bassethorn und Violoncell, so wie als geschmackvoller Componist für diese Instrumente aus und fand auf einer grösseren Conzertreise durch Ungarn und Italien grosse Anerkennung. Seit 1798 bereiste er Deutschland, um eine Anstellung zu suchen, die er aber nicht fand, weshalb er sich im Harze auf die Bergbauwissenschaften legte und als Bergofficiant nach Klausthal ging. Er starb am 14. Decbr. 1845 zu Sömmerda bei Erfurt. B. war der Erste in Deutschland, welcher auf einem mit einem Knie versehenen Bassethorn spielte, ungleich der bis dahin verfertigten Art in Form eines Halbkreises; er hatte das neue Instrument aus London bezogen und dadurch die allgemeine Einführung in Deutschland vermittelte.
7Baulbusflöte heisst eine Flöte, welche als musikalisches Instrument von den Guarauacas im englischen Guinea gepflegt wird. Jede aus Rohr gefertigte B. giebt nur Einen Ton; da jedoch bei musikalischen Productionen dieselbe vielfach vertreten ist und jede B. einen besonderen Ton angibt, so liefern diese Wilden, ähnlich den Russen mit den gleich diesen Flöten angewandten Hörnern, ihrem musikalischen Standpunkte entsprechende Kunstproductionen. In dem »Ausland« Nr. 38 des Jahrg. 1868 findet diese Flöte, wie deren Ensemble-Anwendung, die erste Erwähnung. Leider ist dabei nicht angegeben, ob man die B. als eine instinctive Nachahmung eines abendländischen Instrumentes, oder als ein von diesem Volksstamme selbst erfundenes zu betrachten hat.
9Bauldewin, Noël, latinisirt Balduinus, ein Contrapunktist des 16. Jahrhunderts, von dem sich einige vierstimmige Messen in der königl. Bibliothek zu München befinden.
11Baumann, Joseph, geboren zu Karlsruhe 16. Dec. 1799, trat schon in seinem 15. Jahre als Pfeifer in ein Regiment, wo er das Glück hatte, die Aufmerksamkeit des rühmlichst bekannten Musikdirectors Joh. Brandl zu erregen. Dieser, B.’s musikalisches Talent erkennend, unterzog sich selbst dem theoretischen Unterrichte desselben und sorgte für eine fördernde praktische Unterweisung auf der Flöte, sodass B. in jeder Beziehung mit bestem Erfolg eine Kunstreise nach der Schweiz und an die Höfe von Hechingen, Donaueschingen und Sigmaringen antreten konnte. Er wurde endlich als grossherzogl. Hofmusicus (alternirender erster Flötist) in der Kapelle zu Karlsruhe angestellt, wo er lange und ehrenvoll wirkte. Auch als Componist hat er sich einen geachteten Namen erworben.
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