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Scan 144
Musikalisches Conversations-Lexikon : eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften für Gebildete aller Stände, 1880
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1rein melodisch ohne Begleitung oder Harmonie vorgetragen werden solle. So aufgefasst, und es spricht Alles mehr dafür als dagegen, deutete diese Bezeichnung auf einen ziemlich entwickelten Standpunkt der Tonkunst, und zwar bereits im J. 1000 v. Chr., hin. Sie zeigte, dass man damals schon gewusst, dass die instrumentalen stimmführenden Instrumente sich in einem Tonbereich bewegten, das bisher als ein gesondertes noch nicht vermerkt war, da man das Bereich der Frauen- und Knabenstimmen als gleich mit den Männerstimmen, für welche die Kunstregeln gegeben wurden, erachtete. Das Bedürfniss aber, dem Männerchor im Tempel eine sicherer leitende Bahn zu geben, hätte demnach die instrumentalen Nachbildungen hervorgerufen, welche einzig und allein die ausgeschlossenen Frauenstimmen zu ersetzen im Stande waren. S. Hebräische Musik und Psalm.
3Alanus von Ryssel, mit den Beinamen ab insulis und Doctor universalis, ersten als Geburtsortsbezeichnung, letzteren in Anerkennung seiner umfassenden Gelehrsamkeit führend, wurde im J. 1114 zu Ryssel in Flandern geboren, trat bereits im frühesten Jünglingsalter in den Orden der Cistercienser zu Clairvaux und wurde 1140 Abt des Klosters La Rivoux. Im J. 1151 wurde er mit Ring und Stab als Bischof von Auxerre belehnt, suchte aber 1167 sein altes Kloster Clairvaux wieder auf, wo er noch lange in Zurückgezogenheit seinen gelehrten Studien lebte. Er starb hochbetagt im J. 1202 oder 1203. Unter den scholastischen Theologen und Philosophen steht A. in erster Reihe; seine Aufmerksamkeit und sein wissenschaftlicher Eifer gingen aber weit über seinen Berufskreis hinaus, da er auch Mathematik und Musik mit besonderer Vorliebe trieb, wie er durch seine in lateinischen Versen geschriebene Encyklopädie »Anti-Claudianus, seu de officio viri in omnibus virtutibus perfecti« beweist, wo in verschiedenen Capiteln (III, 5. VII, 2. 6) musikalische Fragen behandelt und erörtert sind. Von diesem seltenen Buche existirt noch eine zu Antwerpen 1611 gedruckte Ausgabe.
5Alard, Delphin Jean, wurde am 8. März 1815 zu Bayonne geboren und erhielt schon frühzeitig einen gründlichen Violin-Unterricht, sodass er sich bereits als zehnjähriger Knabe mit grossem Beifall hören lassen konnte. Zwei Jahre später wurde er Zögling des Pariser Conservatoriums und speciell der Violinclasse Habeneck's zugeheilt, in welcher er seit 1829 wiederholt Preise errang. In der Harmonielehre und Composition wurde er ein Schüler Fétis', welcher damals noch als Professor des Contrapunktes in Paris wirkte. Auch nach seinem Austritt aus dem Conservatorium verblieb A. in Paris als Mitglied der Konzertgesellschaft dieses Institutes und als Sologeiger der königlichen Privatkapelle. Nach Baillot's Tode rückte er als Professor des Violinspiels in das Conservatorium und begründete in Verbindung mit dem Pianisten Franchomme Kammermusik-Soiréen, die sich eines grossen Rufes erfreuten. Im J. 1850 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion und 1858 zum ersten Solo-Violinisten der kaiserlichen Kapelle ernannt. Als Virtuos steht A. auf sehr bedeutender Stufe; Glanz des Spiels, Bravour und geistvolle Nuancierung lassen Nichts zu wünschen übrig. Als Componist für sein Instrument hat er sich durch eine lange Reihe von Compositionen aller Art, namentlich durch treffliche Etüden und Duos, um die aufstrebenden Violinisten verdient gemacht. Eleganz und Leichtigkeit stempeln seine derartigen Arbeiten zu dankbaren Vortragsstücken, und was ihnen an Tiefe und Gehalt fehlt, das ersetzt eine angenehm in die Ohren fallende Melodik und gewandte Modulation. Auch eine Violinschule (deutsch bei Schott in Mainz) hat er geschrieben, welche sehr werthvolles Material für Lernende und Studirende enthält. Ein Bruder A.'s, Victor Alard, machte sich als Virtuos auf dem Klappenhorn bekannt, starb aber bereits im J. 1846 zu Paris. Eben so zeichnete sich ein Neffe Beider, Cäsar Alard, geboren 1837 zu Josselins in Belgien und Schüler Servais', als vortrefflicher Violoncellist aus. Derselbe lebt seit 1868 in New-York.
7Alardus, Lampertus, wurde im J. 1602 zu Crempe, einem holsteinschen Flecken, geboren und studirte seit 1620 in Leipzig Theologie. Diese Studien und das Leipziger Kunstleben lenkten seine Neigung und Vorliebe auch auf Poesie und Musik. Im J. 1624 wurde er zum Magister und zugleich zum kaiserlichen gekrönten Poeten ernannt, worauf er 1625 einem Rufe als Diaconus seines Geburtsortes folgte. Dort
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