Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 405

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

12 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 389. See the scan on archive.org.

1Das Verdienst, auf die geschichtliche Bedeutung der »Lira da braccio« zuerst hingewiesen zu haben, gebührt Alexander Haidecki, der dieses Thema in einer 1892 erschienenen Monographie „Die italienische Lira da Braccio“¹) behandelte. Anregung und Unterlagen hierzu bot ein von ihm entdecktes wohl erhaltenes Originalinstrument, das in Einzelheiten seiner Bauart bereits eine auffallende Aehnlichkeit mit den Merkmalen der späteren Violine erkennen ließ — Uebereinstimmungen, die in den richtig proportionierten abgerundeten Ober- und Unterbacken, den scharf hervortretenden oval verlaufenden Mittelbügeln, der leichten Wölbung der Decke und des Bodens und den (wenn auch noch primitiv geschnittenen) f-Löchern deutlich zum Ausdruck gelangen. Ebenso kommen die Größenverhältnisse einander schon recht nahe und weisen nur den geringen Unterschied von 2,3 cm auf: die Länge des Korpus der betreffenden »Lira da braccio« beträgt 38,7, die Breite 23,5 cm, während die größte Korpuslänge einer Violine sich auf 36,4, ihre größte Breite sich auf 21,2 cm beläuft. Nur ein kleiner Einschnitt in der Mitte der Unterzargen, der siebensaitige Bezug und der in diesem Falle mit Goldarabesken in venetianischem Stil hübsch bemalte Wirbelkasten sind der Lyra eigentümliche Charakteristika, wodurch sie sich noch von der Violine unterscheidet. — Das betreff. Instrument, das sich jetzt im Besitze der Firma Hill & Sons in London befindet, ist mit „Joan Maria“ signiert und anscheinend die Arbeit eines Brescianer Meisters (v. J. 1540?)²). Außerdem ist noch ein zweites, allerdings unsigniertes Exemplar einer »Lira da braccio« bekannt, das dem Museum des „Conservatoire“ zu Brüssel (No. 1443) angehört und in seinen Proportionen (Gesamtlänge 72, Breite 26 cm) genau
3¹) „Die italienische Lira da braccio. Eine kunsthistorische Studie zur Geschichte der Violine nebst einem Anhang mit Nachrichten über einige der ältesten Violenbauer. Mostar, im Selbstverlag des Autors, 1892.“
5²) Das wertvolle Instrument war — nach einer Notiz v. Lütgendorffs (a. a. O., 1. Aufl. S. 660) — seit 1894 im Besitze von Eduard Rott in Altenmühle bei Dassel (Reg.-Bez. Hildesheim); eine Abbildung in größerem Maßstabe als bei v. Lütgendorff ist in No. 16 des 17. Jahrgangs (v. 1. März 1897) der „Zeitschrift für Instrumentenbau“ zu finden. (Vgl. auch die Instrumentennachbildung No. 779.) Haidecki und auch v. Lütgendorff bezeichnen es als eine Arbeit von Caspar Tieffenbrucker; doch hat sich der betreff. eingeklebte Zettel
7„Gaspard Duiffopruggar Bononiensis anno 1515“
9als Fälschung erwiesen, zumal C. Tieffenbruckers Geburtsjahr als 1514 urkundlich feststeht und es überhaupt sehr unwahrscheinlich ist, ob er je in Italien (Bologna) gearbeitet hat. (Vgl. hierüber Henry Coutagne, „Gaspard Duiffoproucart“, Paris 1893, und v. Lütgendorff, a. a. O.)
11Nach Ablösung des gefälschten Zettels fand sich im Innern die oben mitgeteilte Inschrift „Joan Maria“. Ueber diesen Meister enthält „Illustrated Catalogue of the Music Loan Exhibition… at Fishmongers’ Hall 1904“ (London 1909, p. 147) folgende Angabe: „Joan Maria, of Brescia, worked at Venice and made this unique specimen

The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.