Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 524

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

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1Vorläufer der Violine zu betrachten. Wenn es auch der Wissenschaft bisher nicht gelungen ist, die eigentliche „Erfindung“ dieses wichtigsten modernen Orchesterinstruments auf einen genau abzugrenzenden Zeitraum oder einen bestimmten Meister zurückzuführen, so kann es doch — wie schon auf Seite 401 des Katalogs gesagt — als erwiesen gelten, daß die durch zielbewußte Umwandlungen aus der »Lira da braccio« hervorgegangene Violine in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts auf italienischem Boden entstanden sein muß und ihre Erfindung nicht als die Tat eines einzelnen Künstlers, sondern als allmähliches Ergebnis eines Zusammenwirkens verschiedener zeitgenössischen Meister aufzufassen ist. Ebenso ist bereits erwähnt worden, daß als Geburtsstadt der Violine neben Brescia, wo ihr Bau seine erste Blütezeit erlebte, auch Venedig in Betracht kommen könne, da hier die Pflege der »Lira da braccio« um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts in ganz besonderer Gunst stand.
3Obschon die ältesten Vertreter des Lauten- und Violenmachens in Italien eingewanderte Deutsche oder deutscher Abstammung waren, so ist trotzdem der Bau von Violinen von Anfang an ein spezifisch italienischer Kunstzweig gewesen, der sich in seinem Heimatlande rasch prächtig entfaltete und die Bestrebungen aller anderen Länder auf diesem Gebiete weit übertraf. Der Versuch, den Ruhm des ersten Violinbauers — von Namen wie Testator il Vecchio in Mailand und Giovanni Kerlino in Brescia ganz abgesehen — dem Lauten- und Violenmacher Gaspard Duiffopruggar (Kaspar Tiefenbrucker; geb. 1514 zu Füssen [vgl. Seite 270 des Katalogs], gest. 1570 oder 1571 zu Lyon) zuzuerkennen, hat sich als haltlos herausgestellt; die ihm zugeschriebenen, ohnehin mit viel zu frühen Datierungen versehenen sechs „Violinen“ erwiesen sich als äußerst geschickt gearbeitete Fälschungen des französischen Geigenbauers Jean Baptiste Vuillaume. Als erster Violinbauer von grundlegender Bedeutung ist vielmehr Gasparo Bertolotti, nach seinem Geburtsort Gasparo da Salò genannt, anzusehen (geb. 1540 zu Salò am Gardasee, gest. 1609 zu Brescia), der Begründer der sogenannten Schule von Brescia. „Hier schlossen sich zuerst talentvolle Schüler an treffliche Meister an, und bildeten eine Schule von ausgesprochener Eigenart, wenn auch nur von kurzer Blüte. Die Vorbedingungen müssen jedoch in Cremona von vornherein viel günstiger gelegen haben, wo das fast gleichzeitige Auftreten einer ganzen Reihe von Meistern ersten Ranges an das Wunderbare grenzt. Hier bekam die Violine ihre endgültige Gestalt in solcher Vollendung, daß sie unverändert bis auf den heutigen Tag das vollkommenste Musikinstrument geblieben ist, trotzdem alle andern neben ihr gebräuchlichen Instrumente ununterbrochen verbessert wurden.“ (v. Lütgendorff.)

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