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Scan 525
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
2 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 509. See the scan on archive.org.
1Die dem dumpfen und leicht näselnden Klange der Violen weit überlegene Kraft und Fülle ihres Tones verdanken die Violininstrumente den in mehrfacher Beziehung von den Violen wesentlich verschiedenen Eigentümlichkeiten ihrer Bauart, die sich in vollendeter Weise in dem von den großen Brescianer und Cremoneser Meistern geschaffenen klassischen Violinmodell ausprägen: „Decke und Boden sind stets gewölbt; und zwar mehr oder weniger je nach der individuellen Manier des Erbauers. Eine mäßige Höhe bleibt nun für die Zargen festgesetzt, die bedeutend niedriger als bei den Violen ist. Die Besaitung reduziert sich ständig auf vier Saiten, welche quintenweise gestimmt werden. Das Griffbrett hat nie mehr Bünde und kann demgemäß nun schmal und oval in der Form sein. Die Schalllöcher, deren die Violine nun immer nur zwei hat, befinden sich rechts und links vom Stege und nehmen bleibend die Form des Buchstabens f an. Die Breitseiten sind oben und unten in vollkommenem Halbkreise abgerundet und damit die Gestalt zu schönem Gleichmaß ausgebildet. An diese Hauptunterscheidungen reihen sich nun noch die folgenden Details. Die Ausschweifungen der Decke und des Bodens, welche den Mittelzargen entsprechen, haben nun genau die Form eines lateinischen C. Wie schon erwähnt, sind die Hals- und Breitteile des Körpers oben und unten in einem vollkommenen Halbkreis geformt, weshalb die Zargen in ganz gleicher Gestalt aneinander sich fügen. Nur der Boden hat an der Stelle, wo der Hals angefügt ist, ein kleines über den Halbkreis vorspringendes Stückchen Holz, das sogenannte Blättchen, welches den Ansatz des Halses bedeckt. Dann haben noch die beiden Enden der Hals- und Breitteile, welche diese nach dem Mittelteile zu bilden, kurze und leichte Einbiegungen vor den vier Mittelecken, sowohl an jeder Seite als an Decke und Boden zugleich, wodurch die Mittelecken schärfer hervortreten. Es sind ferner die Mittelecken selbst, die überhaupt nur bei der Violine und ihren Genossen zu finden sind, weil sie hier als Schutzmittel für die nun an dieser Stelle sehr dünnen Zargen dienen. Schließlich ist noch des Randes zu gedenken, welcher um Decke und Boden herum von den Zargen um 3 mm hervorspringt und an seiner äußeren Kante leicht abgerundet ist, was das Abheben der Decke bei Reparaturen etc. ermöglicht. Ueber dem Rande laufen an der Decke und dem Boden die Aederchen oder Flödeln nur mehr als bloße Verzierungen hin. Sie sind kaum 1/4 Linie breite Holzspäne, von denen entweder die beiden äußeren weiß und der innere derselben schwarz ist oder umgekehrt.“ (Rühlmann, a. a. O., S. 273.) Auch die inneren Bestandteile des Korpus, wie die zur Verstärkung der Zargen dienenden Eckstöckchen, Klötze und Gegenzargen, und die die Resonanz wesentlich beeinflussenden Teile, der Baßbalken und der Stimmstock (auch „Seele“ genannt), erfuhren durch die italienischen Geigenbauer endgültige Vervollkommnung.
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