Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 526

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

8 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 510. See the scan on archive.org.

1Ebensowenig wie über die eigentliche Entstehung der Violine hat die Forschung bisher über die Anfänge ihrer Ausbreitung — die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts — nennenswerte Ergebnisse geliefert; erst von der Mitte des Jahrhunderts ab beginnt sich das Dunkel etwas zu lichten.1) Auffallend ist es, daß sich verschiedene frühe Erwähnungen der Violine in französischen Archivalien finden, so daß es den Anschein erwecken könnte, als ob das neue Instrument zunächst in Frankreich größere Verbreitung als in seinem Heimatlande Italien gefunden hätte2). Allerdings erscheint es fraglich, ob die französische Bezeichnung »Violon« von Anfang an mit dem italienischen Begriff »Violino« zu identifizieren sei, denn in lothringischen Urkunden z. B. kommt bereits i. J. 1490 der Ausdruck „joueur de Violon“ vor3) — also schon zu einer Zeit, in der die Violine kaum existiert haben dürfte. Vielleicht entsprach das Wort »Violon« damals noch dem italienischen »Violone« und der deutschen »Groß-Geige« (s. Seite 367) und nahm erst einige Jahrzehnte später seine eigentliche Bedeutung an. Von König Franz I. (reg. 1515—1547) ist bekannt, daß er acht „vyolons et joueurs d'instruments“ in seinen Diensten hatte; auch am Hofe der Herzöge von Lothringen sind „joueurs de violons“ seit 1555 nachweisbar. Bei der 1550 zu Rouen gefeierten Vermählung des Königs Heinrich II. (reg. 1547—1559) mit Catharina v. Medici werden ebenfalls Violinspieler erwähnt usw. Ferner findet sich in einer zu Lyon i. J. 1556 erschienenen Schrift „Epitome musical de tons, sons et accordz ès voix humaines, fleustes . . . violes et violons“ von Philibert Jambe-de-Fer die älteste bisher aufgefunden Beschreibung
31) Fétis ist im Irrtum, wenn er in seiner Schrift über Stradivari (Paris 1856, p. 46) behauptet, die Violinen würden bereits von Lanfranco in seinem 1533 erschienenen Werke „SCINTILLE DI MUSICA“ (vgl. Seite 385 [Fußnote 1] des vorliegenden Katalogs) erwähnt: das letzte Kapitel des Buches (p. 142: „Dei Violoni da tasti: & da Arco“) behandelt nicht die Violinen, sondern die quartenmäßig gestimmten sechs-saitigen Violen oder Gamben (s. Seite 368). Der Abschnitt auf Seite 137: „Delle Violette da Arco senza tasti“ bezieht sich auf die im 16. Jahrhundert gebräuchlichen dreisaitigen rebecartigen »kleinen Geigen« (vgl. Seite 331 des Katalogs).
52) Eine bemerkenswert frühe Darstellung der entwickelten Violinform fand der Verfasser des vorliegenden Katalogs auf dem Titelholzschnitt eines 1516 zu Paris gedruckten Buches „Symphonia, Platonis cum Aristotele : & Galeni cu[m] Hippocrate“ von Symphorianus Camperius (s. das Faksimile auf Seite 505. Die beiden viersaitigen Instrumente, die die im Vordergrunde sitzenden Spieler zwischen den Knien halten, zeigen bereits deutlich ausgeprägte Violinform. Merkwürdig sind die an die Laute und »Groß-Geige« erinnernden runden Schalllöcher in der Mitte der Decke und die zurückgebogene schneckenartige Windung der Wirbelkästen). — Das wertvolle und seltene Buch wurde für die Museumsbibliothek erworben.
73) Cf. Albert Jacquot, La Musique en Lorraine (Paris 1886, p. 22. Quelle: Henri Lepage, Les Archives de Nancy). Weitere wichtige Aufschlüsse hierüber dürfte das Werk „La lutherie lorraine et française“ von Albert Jacquot enthalten, dessen Erscheinen noch i. J. 1912 zu erwarten steht.

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