Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 527

Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912

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1der viersaitigen in Quinten gestimmten Violinen¹) — Tatsachen, die zur Genüge die frühe Pflege der Violine in Frankreich beweisen. — Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts nimmt auch die Blütezeit des Violinbaues in Brescia und Cremona ihren Anfang, und von diesem Zeitpunkt ab beginnt der rasche Siegeszug des neuen Instruments, das sich mit dem Anbruch des 17. Jahrhunderts bereits über ganz Europa verbreitet hatte.²) Auch in Deutschland waren die Violinen bald so bekannt und allgemein gebräuchlich, daß z. B. Praetorius in seinem „Syntagma musicum“ eine nähere Beschreibung für überflüssig erachtet („Und demnach dieselbige jedermänniglichen bekannt / ist da von … etwas mehr anzudeuten und zu schreiben unnötig“); das XXII. Kapitel der „Organographia“ beschränkt sich auf folgende kurze Angaben: „VIola, Viola de bracio; Item: Violino da brazzo; Wird sonst eine Geige / vom gemeinen Volx aber eine Fiddel / vnnd daher de bracio genennet / daß sie vff dem Arm gehalten wird. Deroselben Bass-Tenor- und Discant-geig (welche Violino, oder Violetta picciola, auch Rebecchino³) genennet wird) seynd mit 4. Säiten; die gar kleinen Geiglein aber … mit drey Säiten bezogen (vff Französisch Pochetto genant) vnnd werden alle durch Quinten gestimmet…“ — Die Abbildungen auf Tafel XXI der „Sciagraphia“ zeigen außer den „kleinen Poschen“ (Pochetten; s. S. 337 f. des Katalogs) und der „Tenor- und Baßgeig“ (älteren und größeren Formen der Bratsche und des Violoncells) die „rechte Diskantgeig“, d. h. die eigentliche Violine mit einer Gesamtlänge von 56,4 und einer Korpuslänge von 35,4 cm, und die „Discant-Geig ein Quart höher“, eine kleine Violine, die unter dem Namen »Violino piccolo« bekannt ist und eine Quarte höher als die Violine (oder eine Oktave höher als die Bratsche) gestimmt wurde (siehe Seite 358 des Katalogs).
3¹) Cf. J. B. Weckerlin, Derniers Musiciana (Paris 1899). Auch ein Bericht, der zum ersten Male die Violine als Handelsgegenstand erwähnt, ist aus dieser Zeit erhalten: i. J. 1559 verkaufte Pietro Lupo zu Antwerpen an einen in Diensten des Utrechter Magistrats stehenden Musiker „cinq violons renfermés dans leurs étuis“ zum Preise von 72 Livres.
5²) Authentische Violinen aus dem 16. Jahrhundert haben sich nur in geringer Zahl erhalten. Außer verschiedenen Amati-Instrumenten, die aber bereits die klassische Periode der Geigenbaukunst eröffnen, ist eine Violine früher Form und anscheinend böhmischen Ursprungs aus dem Jahre 1575, die im Bachhaus zu Eisenach (No. 47) aufbewahrt wird, und eine i. J. 1581 gebaute Violine von Ventura Linarolo in Venedig, die zu der Sammlung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este zu Wien gehört (No. 107), hervorzuheben.
7³) Mit »Violetta piccola« wurde eigentlich die Diskantgambe bezeichnet (s. Seite 435 des Katalogs); später ging die Benennung »Violetta« auf die Altgeige oder Bratsche über (s. Seite 537). »Rebecchino« ist das Deminutiv von »Rebec« oder »Klein-Geige« vgl. Seite 330).

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