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Scan 538
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
10 lines. Read by computer on 29 September 2026. Printed page 522. See the scan on archive.org.
1Violinen abweichender Bauart.
3In der Reihe der musikalischen Tonwerkzeuge nimmt die Violine als einziges Instrument, dessen Bauart sich seit mehr als zwei Jahrhunderten so gut wie unverändert erhalten hat, eine bedeutsame Ausnahmestellung ein: das von den großen Brescianer und Cremoneser Meistern geschaffene klassische Modell, das die Violine zu einem Kunstwerk stempelt, ist bis heute das nie wieder erreichte Vorbild und Ziel des Geigenbaues geblieben. — Trotzdem hat es nicht an zahlreichen kurzsichtigen Verbesserungsversuchen gefehlt, die sich sowohl auf das Material der tönenden Flächen des Körpurs als auch auf ihre Form und Stärke und Spannungsverhältnisse bezogen. Das Unfruchtbare aller dieser Bemühungen erkannte bereits Franz Anton Ernst') in Gotha, der in einem auch heute noch lesenswerten Aufsatz „Noch etwas über den Bau der Geige“ im 7. Jahrgang der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ (Leipzig 1804, No. 4) u. a. folgendes sagt:
5„Nach den vielfältigen und mancherlei Versuchen, die ich seit etlichen und zwanzig Jahren mit diesem Instrumente gemacht habe, finde ich, daß es seiner Form und Struktur nach, wie wir es von den besten italienischen und deutschen Meistern haben, keiner Verbesserung mehr fähig ist, besonders was den Körper betrifft. Auch kann bewiesen werden, daß an keinem Instrumente so viel Versuche zur Verbesserung und Vervollkommnung gemacht worden sind, als eben an der Violin… Man hat z. B. Violinen von Silber, Kupfer und Messing gemacht: sie gerieten aber nicht nach Wunsch, waren schwach und unangenehm von Tone. Man machte auch Versuche mit verschiedenen ausländischen Holzgattungen, z. B. mit Schlangenholz, Ebenholz, Sandelholz etc. zu Boden und Zargen, und Cedernholz zu Decken der Geige: allein auch diese gerieten nicht und konnten nicht geraten, weil diese Holzgattungen zu hart, zu schwer, zu wenig elastisch waren, und das Cedernholz, ob es gleich mit unserer Fichte oder Rottanne die meiste Aehnlichkeit hat, teils zu weich und teils zu spröde ist, auch selten gleichlaufende Jahre hat.
7Mit den metallenen Körpern der Geige hatte es nun wieder eine andere Beschaffenheit: wurden sie zu stark gemacht, so konnten sie wegen ihrer Härte und Schwere von den Darmsaiten nicht genug erschüttert werden; würden sie zu schwach
91) Ernst (geb. 1745 zu Georgenthal an der böhmisch-sächsischen Grenze, gest. 1805 zu Gotha) war ursprünglich Jurist, bildete sich dann zum Musiker aus und wurde 1778 als Konzertmeister nach Gotha berufen. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens befaßte er sich ausschließlich mit Geigenbau, in dem er, gestützt auf gründliche mathematisch-physikalische Studien, Ausgezeichnetes leistete. Der bekannte Geigen- und Guitarrenmacher Jakob August Otto in Weimar (s. Seite 131 des Katalogs) war sein Schüler.
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