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Scan 539
Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky, 1912
9 lines. Read by computer on 29 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 523. See the scan on archive.org.
1gemacht, so wurden sie wieder von der Last der angespannten Saiten zusammengedrückt, und wenn auch ein Medium zwischen diesen Extremen zu treffen wäre, so muß es immer die gehoffte Wirkung verfehlen, weil Darmsaiten sowohl als Drahtsaiten blos Holz zu ihrer Resonanz haben wollen. Auch der Luxus hat manche Versuche zuwege gebracht: so habe ich z. B. eine alte Violin zu Hirschberg in Schlesien von Schildkröte gesehen, welche 100 Dukaten gekostet hatte; ihr Klang aber war schlecht. Wie viele Versuche mögen nicht mit den Holzarten zur Violin gemacht worden seyn, ehe man sich vollkommen überzeugt hat, daß kein Holz besser sey, als wenn man zum Boden und Zargen das Ahorn- und zur Decke das Fichtenholz nimmt.
3Was nun die Form oder den Umriß betrifft, so ist bekannt, daß man vor ein paar hundert Jahren zum Theil noch Violinen gemacht hat, welche die Figur einer Pochette hatten. Sodann — was hat man nicht mit den ff-Löchern allein für Versuche gemacht? Bald schnitt man sie in die Zargen, bald in den Boden" usw. one of two readings
4Was nun die Form oder den Umriß betrifft, so ist bekannt, daß man vor ein paar hundert Jahren zum Theil noch Violinen gemacht hat, welche die Figur einer Pochette hatten. Sodann — was hat man nicht mit den ff-Löchern allein für Versuche gemacht? Bald schnitt man sie in die Zargen, bald in den Boden“ usw. one of two readings
6Bezüglich des Materials ist zu erwähnen, daß außer Fichten- und Tannenholz zu Decken und Ahorn-, Buchen- und Sykomorenholz zu Böden — wie es bereits Ernst angibt — die verschiedensten Holzarten verwendet wurden. Auch Versuche, Violinen mit Schallkörpern von Eisenblech, Glas, Ton oder Porzellan (!) zu bauen, werden immer wieder aufs neue angestellt, deren unausbleibliche Mißerfolge in der durch zahlreiche Beobachtungen gewonnenen akustischen Erscheinung ihren Grund haben, daß nur die organische Struktur des Holzes bezw. die ihm innenwohnende individuelle Resonanz den charakteristischen markigen und schlackenfreien Violinton ermöglicht, während alle anderen Materialien eine mehr oder minder weichliche und verschwommene oder scharfe und grelle Tonfärbung ergeben.
8Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts begannen auch die Versuche, durch Veränderung der Korpusform der Violine eine größere Tonfülle zu erzielen, und zwar wurde hierbei merkwürdigerweise die alte guitarrenähnliche Fidel- oder Violenform ohne Mittelecken zum Vorbild genommen — ein Typ, der als veraltet und längst überwunden hätte gelten müssen, da durch die fehlenden Ecken die Quantität des resonierenden Holzes eine nicht geringe Einbuße erleidet. Einer der ersten, der diese wenig glückliche Idee wieder aufnahm, war der Londoner Geigenmacher Georg Barton (gest. um 1810): das Gewerbemuseum zu Markneukirchen besitzt eine derartige von ihm verfertigte guitarrenähnliche Geige a. d. J. 1775, die einen nur kleinen wenn auch nicht unschönen Ton besitzt. In großzügiger Weise brachte dieses Problem der französische Marine-Ingenieur Francis Chanot (geb. 1787 oder 1788 zu Mirecourt, gest. 1823 zu Brest) nach jahrelangen Studien 1817 zur Ausführung. Für seine nach dem Guitarrentyp gebauten Instrumente (Violinen, Bratschen und Violoncells) erhielt er im nächsten Jahre infolge glänzender Begutachtung seitens der französischen Akademie ein Patent und fand — trotzdem seine Geigen, wenn auch nicht eine gewisse Fülle des
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