Books › Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907 › scan 132
Scan 132
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
4 lines. Read by computer on 28 September 2026. Printed page 128. See the scan on archive.org.
1Frankreich.
3Daß auch in Frankreich der Streichinstrumentenbau schon in früher Zeit einen hohen Grad der Vollendung erreichte, das beweisen gar manche der uns aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert erhalten gebliebenen Gamben und anderen Violen, die wahre Meisterwerke antiker Lautenmacherkunst sind. Aus der ersten Periode des eigentlichen Geigenbaus aber ist wenig auf uns gekommen, denn die Arbeiten seiner ältesten Meister, der Renault, Despons, Du Mesnil u. a. sind meist der Zeit zum Opfer gefallen. Erst mit Fr. Médard, von dem erzählt wird, daß er einst bei Stradivari gearbeitet habe, kommt mehr Licht in das Dunkel der Geschichte. Von ihm sind hübsche Geigen im Amatistil bekannt, deren schöner, leider etwas vergänglicher Lack dem italienischen sehr nahe steht. Der alten Schule, welcher u. a. auch Boquay, Pierray, Grosset, Saint Paul, Véron, Gaviniès, Chappuy, Ouvrard zuzuzählen sind, haben meist die Arbeiten der Amati als Vorbild gedient. Manche jener Meister verwendeten einen schönen und geschmeidigen, dem italienischen ähnlichen Lack. Dennoch ist aus dieser Epoche nicht allzuviel Hervorragendes vorhanden; dazu trägt auch bei, daß in Frankreich manche Geigenbauer zweierlei Lacke verwendeten: einen geringen für billige Instrumente, einen besseren für die teuren. Dieser Gebrauch, den glücklicherweise die Italiener nicht kannten, hat manche sonst schätzbare Arbeiten stark entwertet.—Bald gelangte dann der schnelltrocknende, der Klangfähigkeit der Instrumente leider so schädliche Schellackfirnis zu allgemeiner Benutzung. Die Lacke sind von dieser Zeit ab trocken und spröde und vielfach von stumpfer gelbgrauer Farbe. Erst mit Nic. Lupot tritt wieder eine Wendung zum bessern ein. Eine Reihe trefflicher Meister weist dann das beginnende XIX. Jahrhundert auf, und Namen wie Pique, Fent, Gand, P. Silvestre, Vuillaume werden für alle Zeiten ihren guten Klang bewahren.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.