Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 133

Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907

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1Der deutschen Schule gegenüber ist die französische dadurch im Vorteil, daß die französischen Geigenbauer früher nach flachen Modellen arbeiten als die deutschen. Als in Italien der Einfluß der Amatischule seine Vorherrschaft verlor, wendete man sich auch in Frankreich mehr und mehr den durch Stradivari und Guarneri del Gesù geschaffenen Vorbildern zu, während in Deutschland und England die Geigenbaukunst noch ganz im Banne Stainers verblieb. In Paris ist schon mit Ende des XVIII. Jahrhunderts das flache Modell das durchaus bevorzugte. Die Arbeiten jener Meister, die wie N. Lupot und sein berufenster Schüler C. F. Gand, wie Vuillaume die werdende Kunstrichtung zeitig erkannten, müssen daher den gleichalterigen deutschen oder englischen Instrumenten gegenüber den Vorrang behaupten, da diese infolge ihrer hohen Wölbung, bedingt durch das Verharren beim Klangideal des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, den heutigen gesteigerten Ansprüchen an Ausgiebigkeit und Tragfähigkeit des Tones nicht mehr zu genügen vermögen. (Siehe auch die Einleitung bei Deutschland.)
3Andererseits läßt sich aber manchen französischen Geigenbauern der Vorwurf nicht ersparen, daß sie durch künstliches Altmachen (Backen, Räuchern, Beizen) das Holz ihrer Instrumente verdorben und den Wert ihrer Arbeiten verringert haben. Schon im XVIII. Jahrhundert tritt diese Unsitte auf. Auch sind viele der älteren Instrumente zu schwach im Holz. In Mirecourt, der heutigen Hauptstätte des französischen Geigenbaus im großen, herrscht jetzt noch vielfach der Brauch — zumal bei billigeren Instrumenten — die Hölzer stark zu beizen, um den Lack durch einen farbsatten Untergrund leuchtend und tief erscheinen zu lassen.
5Der französische Streichinstrumentenbau hat — manche großen Meister selbstredend ausgenommen — gerne der Vielarbeit sich zugewendet. Das Bestreben einer ganzen Anzahl Geigenbauer war mehr darauf gerichtet, eine große Menge Instrumente in die Welt zu setzen, als Hervorragendes zu schaffen. Dies gilt nicht nur für den späteren Großbetrieb Mirecourts, sondern auch für Paris, und zwar teilweise schon für die zweite Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, hauptsächlich aber für einen großen Teil des vorigen. Bei der Bewertung französischer Instrumente kommt das in Betracht. Geringe alte Violinen — von Fabrikware ganz abgesehen — bewegen

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