Books › Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907 › scan 70
Scan 70
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
47 lines. Read by computer on 25 September 2026. Printed page 66. See the scan on archive.org.
1Guarneri, Andrea. (Eigentlich Guarnieri, auf den Zetteln aller Mitglieder der Familie steht aber stets Guarneri.) Cremona, * c. 1626, † 1698 daselbst. Zuerst Schüler bei Ant. und Hieronymus Amati, dann — gleichzeitig mit Stradivari — bei Nicola Amati. Die Arbeiten seiner ersten Lehrmeister dienten ihm zunächst als Vorbild, dann nähert er sich mehr dem Modell des Nicola Amati; späterhin macht sich auch Stradivaris Einfluß bemerkbar. Bei alledem bleibt Andrea Guarneri doch stets eigenartig. Seine Instrumente*) haben ziemlich großes Patron (V'celli in zwei Größen), mäßige Wölbung, schönen hellorange bis rotgelben Lack, der Weichheit mit Haltbarkeit vereint. Arbeit vortrefflich, Ton groß und tragend. Gesuchte Konzertinstrumente.
3Andreas Guarnerius fecit Cremonae sub titulo Sanctae Teresiæ 16..
5(kommt auch mit Auslassung des fecit und handschriftlich vor)
6Wert: Geigen etwa von 3000 M. ab. — Violoncelli wesentlich höher.
7(Für das Soloinstrument des Dresdner Cellisten Böckmann, eine im Ton und Aussehen gleich hervorragende Arbeit des Andrea Guarneri aus dem Jahre 1694, wurden sogar von einem englischen Händler 40 000 M. vergeblich geboten.)
9Guarneri, Pietro (I). Cremona, Mantua und Venedig. * 1655 in Cremona, † c. 1730 in Venedig. Sohn des Andrea. Er arbeitete zuerst in Cremona, dann lange Zeit in Mantua, schließlich in Venedig, wo er dann bald verstarb. Modell wesentlich von dem des Vaters verschieden, stark ausgeprägte Hohlkehle und etwas hohe Wölbung. Charakteristisch ist für die Instrumente des Pietro G. deren breit geformter unterer Teil. In der Gegend der tiefen Punkte der ff-Löcher greift die Zeichnung der Ränder in kühnem Schwunge stark seitlich aus, so die Verbreiterung veranlassend, die dem Ganzen ein höchst eigenartiges Gepräge verleiht. ff tief gesetzt, originell geformt, unterer Teil stark seitlich ausholend und geschweift. Holz vortrefflich, breite Schnecke, schönster rötlicher bis tiefroter (auch rotbrauner) Lack, meist etwas stark aufgetragen, doch schmiegsam und durchsichtig. (Auch einzelne Instrumente mit minderwertigem dünnen gelblichen Lack sollen vorkommen). Sorgfältige Arbeit, Ton schön, doch nicht hervorragend ausgiebig. Die in Cremona gefertigten Geigen — Pietro hielt sich auch später vorübergehend dort auf — sollen die besten,
11*) Maße von Instrumenten des Andrea Guarneri:
13<table>
14 <tr>
15 <th></th>
16 <th>Länge</th>
17 <th>Breite oben</th>
18 <th>Breite unten</th>
19 <th>Oberzarge</th>
20 <th>Unterzarge</th>
21 </tr>
22 <tr>
23 <td>Viola a. d. J. 1676</td>
24 <td>mm 423</td>
25 <td>198</td>
26 <td>245</td>
27 <td>33</td>
28 <td>37</td>
29 </tr>
30 <tr>
31 <td>Violoncell a. d. J. 1694</td>
32 <td>735</td>
33 <td>360</td>
34 <td>445</td>
35 <td>112 1/2</td>
36 <td>115</td>
37 </tr>
38 <tr>
39 <td>Violoncell klein (Böckmann)</td>
40 <td>738</td>
41 <td>361</td>
42 <td>445</td>
43 <td>114</td>
44 <td>114</td>
45 </tr>
46</table>
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.