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Scan 71
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
18 lines. Read by computer on 25 September 2026. Printed page 67. See the scan on archive.org.
1doch oft mit Zetteln des Vaters oder Bruders versehen sein. Gute und gesuchte Violoncelli; einzelne — die in Mantua gefertigten sog. Prozessionsinstrumente — haben im Boden ein mit Elfenbein umrändertes Tragloch, in welchem ein Haken zum Umhängen befestigt werden konnte. Zettel (in zwei verschiedenen Typen, groß und klein, die aus Venedig auch Petrus Guarnerius Cremonensis fecit Handschrift):
2Mantuæ sub tit. Sanctæ Teresiæ 16..
4Wert: Geigen bei etwa 4000 M. beginnend, Violoncelli höher.
6Guarneri, Giuseppe (I). (Josef, gen. Filius Andreae) Cremona, * 1666, † c. 1738 daselbst. Sohn des Andrea. Viele Arbeiten von hohem Wert aus der Zeit von 1695—1730. Stil verschiedenartig, vielfach Kopien. Patron meist klein, geringe Wölbung. ff-Löcher etwas tief gesetzt und ziemlich breit, am meisten noch an Amati gemahnend. Sorgfältig gewähltes Holz, vorzügliche Arbeit, reicher goldgelber bis rotbrauner Lack bester Qualität. Viele Instrumente des Meisters tragen falsche Zettel und sind so vollendete Nachahmungen, daß sie für Originale seines Vetters Giuseppe Guarneri del Gesù, resp. des Stradivari gelten. Weniger vollendet in der Ausführung sind die V’celli.
8Joseph Guarnerius filius Andreæ fecit
9Cremonæ sub titulo Sanctæ Teresiæ 16..
11Wert: (steigend) etwa bei 5000 M. beginnend. Besonders schöne Geigen sind schon mit 12 000 M. und mehr bezahlt worden.
13Guarneri, Pietro (II). Mantua, c. 1725. Soll (nach Fétis und Vidal u. a.) ein Sohn des Giuseppe (I) gewesen sein. Nach de Piccolellis in Italien unbekannt.
15Guarneri, Caterina. Cremona, XVII. Jahrh. Nach de Piccolellis eine Tochter des Lorenzo (?) Guarneri, die dem Vater und den Brüdern bei der Arbeit half; nach anderem Bericht die Witwe des Pietro (I) geb. Sussagni. Sie soll auch einige Violinen (mit handschriftlichem Zettel) verfertigt haben.
17Guarneri, Giuseppe (II) (Josef), gen. del Gesù. Cremona, * 1687, † c. 1742 daselbst. Enkel eines Vetters des Andrea, neben Stradivari der größte Cremoneser Meister. Er soll, wie verschiedentlich behauptet wird, Schüler des letzteren gewesen sein, seine Werke aber bestätigen es nicht, da sie total verschieden von denen Stradivaris sind, sowohl in der Arbeit als auch in der Wahl der Materialien und der Tönung des Lackes. Bei Stradivari stets Vollendung der Ausführung bis ins kleinste Detail, bei Guarneri das Gegenteil: ungleiche Arbeit, oft von größter Schönheit, dann wieder flüchtigere, aber stets geniale Mache und Holz nicht allererster Qualität. Mehr als Stradivari scheinen die Meister der Brescianer Schule von Einfluß auf Guarneri des Gesù gewesen zu sein. Die Form der Ecken,
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