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Scan 72
Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907
45 lines. Read by computer on 25 September 2026. Printed page 68. See the scan on archive.org.
1die weniger geschwungenen Bügel und die Zeichnung der ff-Löcher deuten darauf hin. Auch die Ausarbeitung der Schallpunkte ist eine andere, als bei den Amati und bei Stradivari. — Die besten Arbeiten entstammen der Zeit 1730—1742. Guarneri del Gesù baute Geigen und nur wenige Violen; Violoncelli von ihm sind nicht bekannt. Seine Violinen*) haben zweierlei Patron, ein großes (z. B. die in Genua aufbewahrte Geige Paganinis), das andere weniger breit, doch ist der Ton bei beiden von gleicher Güte. Flache Bauart, die ff-Löcher eigenartig, etwas steil und offen, am meisten noch an Maggini gemahnend, prachtvoller orangegelber bis goldroter Lack.
3Viel ist es nicht, was an unzweifelhaft echten Instrumenten von Guarneri del Gesù auf uns gekommen ist — nach de Piccolellis etwa 50 Violinen und 10 Violen — doch diese zeichnen sich durch edlen machtvollen Ton aus und sind Konzertinstrumente allerersten Ranges. Manches Geringwertige aber segelt unter des Meisters Flagge, denn frühe schon sind seine Arbeiten mit mehr oder weniger Geschick nachgeahmt worden. Einige Jahre — so wird erzählt, allerdings ohne Belege dafür erbringen zu können, — soll der Meister im Gefängnis verbracht haben. Dort habe es ihm an gutem Material und Werkzeugen gefehlt, und aus dieser Zeit sollen seine schlechten Erzeugnisse stammen. Es handelt sich bei diesen minderwertigen Instrumenten wohl um Fälschungen, denn alles, was aus der Hand eines wahren Meisters kommt, trägt jederzeit das Gepräge der Meisterschaft!
5Giuseppe Guarneri del Gesù führte rechts auf seinen Zetteln die drei eucharistischen Buchstaben I. H. S. Bei den Zetteln des Giuseppe Guarneri Filius Andreae fehlen sie.
7Joseph Guarnerius fecit
8Cremonae anno 17.. IHS
10Wert: Im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts wurde für schöne Geigen von Jos. Guarneri del Gesù höchstens 1000 M. bezahlt — also wesentlich weniger, als für eine schöne „Stradivari“. Bald stieg der Preis — Paganinis „Kanone“ gab dazu die Anregung — bis 5000 M. Jetzt ist er etwa 12 000—20 000 M., auch höher noch. — Violen entsprechend billiger.
12Gudis, Girolamo. Cremona, erste Hälfte des XVIII. Jahrh. Schöne, sorgfältige Arbeit, vorzügliches Material, leichter goldgelber Lack.
13Wert: etwa bei 1200 M. beginnend.
15Hieronimo Gudis da Cremona 17..
17*) Maße von Violinen des Giuseppe Guarneri del Gesù:
19<table>
20 <tr>
21 <th></th>
22 <th>Länge</th>
23 <th>Breite oben</th>
24 <th>Breite unten</th>
25 <th>Oberzarge</th>
26 <th>Unterzarge</th>
27 </tr>
28 <tr>
29 <td>Aus d. J. 1724 (klein)</td>
30 <td>mm 352</td>
31 <td>170</td>
32 <td>208</td>
33 <td>28</td>
34 <td>30</td>
35 </tr>
36 <tr>
37 <td>„ 1743 (groß)</td>
38 <td>„ 355</td>
39 <td>170</td>
40 <td>210</td>
41 <td>28</td>
42 <td>29</td>
43 </tr>
44</table>
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