Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 98

Taxe der Streich-Instrumente ; Anleitung zur Einschätzung von Geigen, Violen, Violoncelli,…, 1907

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1Mittlerweile vollzog sich unter Stradivari und Guarneri del Gesù in Italien der Übergang zur flachen Bauweise. Instrumente von großer Klang- und Tragfähigkeit des Tones lösten im Laufe der folgenden Dezennien die bis dahin so gesuchten „süßen“ aber wenig ausgiebigen Amatigeigen ab. In Deutschland aber blieb man am längsten der alten Geschmacksrichtung treu, die einst in Stainer ihren genialsten Vertreter gefunden hatte. Darin ist lediglich der Grund dafür zu suchen, daß die ältere deutsche Schule trotz so vieler befähigter Meister, die ihr angehören, heute nicht mehr diejenige Rangstellung in der Geigenbaukunst behauptet, die sie unbedingt einnehmen müßte, wäre sie früher dem Wechsel der Geschmacksrichtung gefolgt, und hätte sie, wie es teilweise in Frankreich geschah, zeitiger sich die epochemachenden Arbeiten Stradivaris und Guarneris zum Vorbild genommen. So aber entsprechen die meisten der älteren deutschen Instrumente, weil einst anderen Klangidealen dienend, nicht mehr den gesteigerten Anforderungen unserer Tage. In verhältnismäßig später Zeit vollzog sich bei uns dann der Übergang zur neuen Richtung; erst das XIX. Jahrhundert brachte uns ein allgemeineres Verlassen des Stainer- und Amatimodells und den Übergang zur flachen Bauweise.
3Typisch für die Arbeiten der älteren deutschen Schule ist alles, was mit dem Stainerschen Vorbilde zusammenhängt: hohe, plötzlich anstrebende Wölbung, wenig stark entwickelte Ecken, rundliche kurze ff-Löcher. (Siehe die Abbildungen und die vergleichenden Abhandlungen auf Seite 19 u. f.) Der von den älteren deutschen Meistern verwendete Lack kommt zuweilen dem guten italienischen recht nahe. Meist aber sind die Lacke trockener und lösen sich leicht ab, da sie Neigung haben, vom Grundanstrich abzuspringen. Der von Jakob Stainer benutzte Lack nimmt jedoch eine Ausnahmestellung ein: er ist von größter Schönheit und Schmiegsamkeit und steht dem der italienischen Meister in keiner Hinsicht nach. (Eingehendes darüber bei Stainer.) — Hin und wieder findet man bei alten deutschen Arbeiten Einlagen (Äderchen), bei welchen Elfenbein statt weißen Holzes zur Verwendung kam; häufiger noch ist der Gebrauch von Fischbein für die schwarzen Streifen.
5Von Meistern, die Hervorragendes im Stainer- bzw. Amatistil leisteten, sind an erster Stelle folgende Namen zu nennen: Sebastian und Egidius Klotz, Stadlmann, L. Wid-

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