Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 135

Versuch einer gründlichen Violinschule : entworfen und mit 4. Kupfertafeln sammt einer Tabelle, 1900

12 lines. Read by computer on 3 September 2026. Printed page 107. See the scan on archive.org.

1Das fünfte Hauptstück.
3Wer ein Solo spielt handelt sehr vernünftig, wenn er die leeren Senteen selten oder gar nicht hören läßt. Der vierte Finger auf der tiefen Nebensente wird allezeit natürlicher und seiner klingen: weil die leeren Senteen gegen den gegriffenen zu laut sind, und gar zu sehr in die Ohren dringen. Nicht weniger wird ein Solospiefer alles, was immer möglich ist, auf einer Sente heraus zu bringen suchen; um stäts in gleichem Tone zu spielen. Es sind also jene gar nicht zu loben, welche das piano so still ausdrücken, daß sie sich kaum selbst hören; ben dem forte aber ein solches Raspeln mit dem Geigebogen anfangen, daß man, besonders auf den tiefen Senteen, keinen Ton unterscheiden kann, und lediglich nichts anders, als ein unverständliches Geräusche höret. Wenn nun auch das beständige Einmischen des sogenannten Flascholets noch dazu kommt; so entsteht eine recht lächerliche, und, wegen der Ungleichheit des Tones, eine wider die Natur selbst streitende Musik, ben der es oft so still wird, daß man die Ohren spüren muß, bald aber möchte man wegen dem gähen und unangenehmen Gerassel die Ohren verstopfen. Mit dergleichen Spietemwerke mögen sich die, welche zur Fastnachtszeit lustigmacher abgeben, trefflich hervorthun (b).
5§. 14.
7Zur Gleichheit und Reinigkeit des Tones trägt auch nicht wenig ben, wenn man vieles in einem Bogenstriche weis anzubringen. Ja es läuft wider das Natürliche, wenn man immer absetzt und ändert. Ein Singer der ben ieder kleinen Figur absetzen, Atem holen, und bald diese bald jene Note besonder vortragen wollte, würde unsehlbar jedermann zum Lachen bewegen. Die menschliche Stimme ziehet sich ganz ungezwungen von einem Tone in den andern: und ein vernünftiger Singer wird niemal einen Absatz machen, wenn es nicht eine besondere Ausdrückung, oder die Abschnitte und Einschnitte erfordern (c). Und wer weis denn nicht, daß die Singmusik allezeit das Augenwerk aller
9(b) Wer das Flascholet auf der Violin will hören lassen, der thut sehr gut, wenn er sich eigens Concerte oder Solo darauf segen läßt, und keine natürliche Violinklange darunter mischet.
11(c) Die Abschnitte und Einschnitte sind die Incisiones, Distinctiones, Interpunctiones, u. s. f. Was aber dies vor Thiere sind muß ein guter Grammatikus, noch mehr ein Rhetor und Poet wissen. Hier sieht man aber, daß es auch ein guter Violinist wissen soll. Einem rechtschaffenen Componisten ist diese Wissenschaft unentbehrlich; sonst ist er das fünfte Rad am Wagen: denn die Diastolica (von διαστολή) ist eine der notwendig-

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