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Scan 288
Von der Violine, 1906
6 lines. Read by computer on 3 September 2026. Printed page 254. See the scan on archive.org.
1Herrschaft der grossen, kraftvollen Hand über das Griffbrett ausgezeichnet haben, sowie durch einen Ton, der selbst in den verwickeltsten, schnellsten Passagen, an denen in seinen Konzerten kein Mangel ist, seine Breite, Fülle und Schönheit bewahrte und in langsamem Sätzen mit seltener Innigkeit und verfeinertem Ausdruck sang. Das Feuer Viottis jedoch, die Pracht, der Glanz, die Eleganz im Spiel des italienischen Meisters fehlte, und so fehlte auch die unerschöpfliche Abwechslung, welche mit den Pikanterien der modernen Bogentechnik kommt, denen Spohr ganz abhold war. Wie ein schwer-gepanzter Ritter mit würdevollem Schritt — so bewegte er sich auf seiner Geige, in der schönen, ihn fest umschliessenden Rüstung seiner hohen Kunstideale.
3Diese seine allzu stark ausgeprägte Individualität als Komponist für sein Instrument, wie als ausübender Künstler war zweifellos auch die Ursache, warum Spohr niemals eine eigentliche epochemachende Schule bildete. Selbst der bedeutendste seiner Schüler, Ferdinand David, war weit entfernt von einem erklärten Spohreaner. Sein Spiel hatte mehr von französischen als Spohrschen Zügen. Und hinsichtlich der Violin-Komposition kann man sagen, Spohrs Stil lebte und starb mit ihm, — man möchte denn das, was Bernhard Molignes gab, als eine schwache zweite Auflage gelten lassen.
5Die besten d. h. strengsten Vertreter von Spohrs Geigenstil sollen seine zwei Schüler Jean Joseph Bott (geb. 1826 zu Kassel gest. 1895 in Amerika) und August Kömpel (geb. in Bayern 1831, gest. zu Weimar 1891) gewesen sein; doch keiner von diesen Künstlern spielte eine wichtigere Rolle in der
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