Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 108

Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911

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1einer bedeutenden Nachblüte der alten Sonate; aber schon Fel. Giardinis und besonders Gaet. Pugnanis Werke weisen die überraschendsten Parallelen mit dem Mannheimisch-Mozartschen Stile auf, dem auch die Sonaten ihres Lehrers J. B. Somis nicht mehr ferne standen. Ein Solo des jüngsten Bach, Joh. Christian, ist völlig Mannheimer Typus; der interessante Durchführungsteil des ersten Satzes erinnert an die Formen der Uebergangszeit (Benda). Auch in Frankreich macht der neue Stil in der Solosonate Schule bis zu den Werken P. Gavinies¹), die scheinbar auch Mozartsche Einflüsse verarbeiten. Der Zug der altfranzösischen Sonate zum Konzerte, der sich besonders in den virtuosen Variationen des 3. Satzes, der immer häufiger verwendeten Dreizahl der Sätze, auch im spätfranzösischen Solo kundgibt, wird hier der Anstoß zu sti- geschichtlich hochinteressanten Fortbildungen: schon in Pugnanis Sonaten, deutlicher noch bei Viotti, Kreutzer etc. finden sich zahlreiche Beweise, daß das französische, speziell spätfranzösische Solo, wie seinerzeit das italienische, das einheimische Konzert vorbereitete. Neben der typischen „Mischthematik“²) Mannheimer Färbung, der Zahl, Ordnung und dem Charakter der Sätze kommt da auch der innere Bau des definitiven Hauptsatzes, des ersten, in Betracht: man vgl. etwa die virtuose G dur-Episode im 1. Satze der Sonate I von J. B. Viottis „Six Sonates a Violon seul et Basse“³) mit dem E dur-Zwischengliede im 1. Satze seines berühmten a moll-Konzertes (Nr. 22). Die Geschichte dieser, für das französische Geigenkonzert unter anderem bezeichnenden, nur der Ausbreitung der Virtuosität gewidmeten toten Punkte im Verlaufe des Sona- tensatzes läßt sich von Pugnani über Viotti und Kreutzer (z. B. in dessen „Trois Sonates faciles pour le Violon avec accomp. de Basse, Leipzig“⁴) bis Spohr (Duette) verfolgen. Die Brücke zu den französischen Konzertsonaten, hauptsächlich auf thematischem Gebiete, schlägt von italienischer Seite aus der Virtuose Lolli.
3Die erwähnten Werke von Viotti und Kreutzer sind übrigens interessante Belege für den engen Zusammenhang zwischen der Solosonate und dem Duett für Violine und Violoncello⁵) (vgl. oben Seite 88), Frankreich pflegt von nun an das Duett zweier Streichinstrumente reichlich⁶) und hat auch zu dessen wachsender Be- liebtheit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vermöge seiner aus- schlaggebenden Stellung auf dem Gebiete der virtuosen Geigenmusik zu dieser Zeit ein wesentliches beigetragen. Noch Spohrs erstes Werk war ein Geigenduett⁷).
5¹) oe 1, 3 und oe. posth. in Bibl. Dresden.
6²) Vgl. Schering, Konzert, S. 168 f.
7³) Bibl. München.
8⁴) Bibl. Dresden.
9⁵) Vgl. den parallelen Vorgang bei der Entstehung des Streichtrios: der Generalbaß weicht dem einfachen Violoncello.
10⁶) Vgl. z. B. den Art. Joseph Fodor in Eitners Quellenlexikon.
11⁷) Selbstbiographie I S. 3.

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