Scan 113
Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911
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1weniger hervortretende Motive aufgreift, steht Lucchesis oe. 1 ¹).
2Mancher dieser frischen und originellen Sätze mag Beethoven interessiert haben, z. B. Sonate II, 3. Satz, III, 1. Satz, V, 2. Satz; besondere Bedeutung für dessen Violinsonaten kann man aber weder Lucchesis noch Neefes Werken zusprechen. Sehr untergeordnet ist die Stellung der Geige, die teilweise bloß Mittelstimmen des Klavieres verdoppelt (z. B. in Sonate I, 1. Satz, 2. Satz etc.).
3Ueber Antonio Rosettis oe. 6, das sowohl in der Besetzung für Klaviertrio, wie als Violinsonatenwerk existiert ²), mögen einige Andeutungen genügen, da eine ausführliche Spezialstudie von O. Kaul (Münchener Dissertation 1911) bevorsteht ³).
4Die erste Sonate und damit das ganze Werk leitet ein „Marche Maestoso“ ein. Er ist uns ein interessanter Zeuge dafür, daß der gleichzeitige Umschweißungsprozeß der Suite, dessen Einfluß sich bereits in der Bevorzugung des Menuetts in der Violin-Sonate bemerkbar machte ⁴), nun abermals seinen Schatten in das Gebiet der Sololiteratur wirft, diesmal aber den ersten Satz des Zyklus sich zum Ziele ausersieht. Berührt wurden z. T. bereits die Einwirkungen der französischen Ouvertüre zur Zeit ihrer Blüte auf die Suiten von Veracini (op. 1, Nr. I), Bach (für Violoncello allein), Krebs (Triosonate), Rust (Sonate in d moll für Geige allein) u. a., selbst auf erste Sätze von Sonaten, z. B. bei Mossi (op. 1) und Mondonville (op. 3). Die alte Intrade, von Mattheson noch im Sinne des 17. Jahrhunderts verwendet, hat in Veracinis op. 2 (Nr. 7, 1. Satz), in dem der Suite bereits merklich entfremdeten Zyklus eine Umdeutung erfahren; wie in Rosettis Werk spürt man bei Veracini bereits den Einfluß der Kassation, in welcher der Marsch eine wichtige Rolle spielte. Sandberger ⁵) ist in erschöpfender Weise auf die Umwertung der Tanztypen in der Suite des 18. Jahrhunderts eingegangen.
5Der erste Satz, in voller Sonatenform, ist bei Rosetti definitiv der Schwerpunkt des Zyklus; J. Chr. Bach war ihm hierin, wie wir sahen, vorausgegangen. An diesen ersten Satz reiht sich meist ein Andante (in Nr. IV parallel dem französischen Konzerte „Romance“ benannt) und ein Rondo mit dem üblichen Minore. Der Titel des Werkes verlangt ausdrücklich Pianoforte; die Geige tritt stark zurück.
6Einen ähnlichen Aufbau hat eine Sonate von Rosettis Intendanten Ign. v. Beecke ⁶). Der erste Satz beginnt mit kräftigen Akkorden in der Art der Marschmotive, die Schuster, Neefe, Rosetti u. a. an dieser Stelle verwerten, worauf ein Passagenmotiv in Dreiklangsintervallen emporgetragen wird — ein damals sehr
8¹) Bibl. Brüssel.
9²) Siehe oben S. 92 f.
10³) Ant. Rosetti wird ein Band der Denkmäler d. Tonk. in Bayern gewidmet werden.
11⁴) Siehe das vollständ. Kap. I m. A.; vgl. auch unten Sandberger.
12⁵) Zur Gesch. d. Haydnischen Strqu. S. 47 ff.
13⁶) Bibl. München, Mus. mss. 3476.
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