Scan 55
Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911
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1macht sich verschiedentlich bemerkbar; dabei gehört aber Telemanns Art immer noch mehr der alten Zeit an. Solo I und VII der „Esercizi musici ovvero 12 Soli e 12 Trii a diversi stromenti“ 1) (Querflöte, Dolz-Flöte, Oboe, Violine, Cembalo) nach 1720, die der Violine gewidmet sind, lassen von modernem Geiste noch wenig ahnen. Vereinzelt tritt das Cembalo auch in Bachscher Art obligat auf (siehe unten Register Trio II, IV, VIII, XII), allerdings nicht in Verbindung mit Geige. Besondere Beachtung verdient es da, daß trotzdem noch ein bezifferter Baß beigegeben ist. Scheinbar spricht dieser Umstand für Rusts Hypothese 2). Indes genügt ein Vergleich mit einem frühen Klaviertrio auf Grundlage des Bachschen Prinzips, z. B. einer Triosonate von G. W. Gruber 3) für Cembalo obligato, Violino concertato und Violoncello accompagnato, um Zweifel zu widerlegen. Während im letzteren Falle das Violoncell mit dem Basse des Cembalo unison geht 4), ist in Telemanns Esercizi die Stimme des Basso continuo, also die auch des Streichbasses, die eigentliche Begleitung, die obligate Cembalostimme aber die zweite Stimme der Triosonate, die zeitweise pausiert und deren Baß von der Stimmführung des Bc. durchaus nicht immer abhängig ist. Diese Werke sind also nichts anderes als eines der zahlreichen höchst interessanten Experimente Telemanns auf dem Gebiete der Triosonate mit Generalbaß (siehe oben). Immerhin läßt sich eine gewisse Verwandtschaft mit dem Prinzip des Bachschen Trios: eine homophone Solostimme durch die rechte Hand des Begleiters zu ersetzen, konstatieren (vgl. die kleine Cammer-Music).
3Ein Parallelfall der Annäherung an das Bachsche Schaffen findet in der Komposition Telemanns für Geige ohne Begleitung
51) Im Original (Stich in Bibl. Berlin) sind die Stimmen der beteiligten Instrumente so verwirrend auf drei Stimmbücher verteilt, daß eine Uebersicht nicht unerwünscht sein dürfte. Mit 1 wird jenes Buch bezeichnet, das mit der Geigenstimme des Solo I beginnt, mit 3 jenes, das den bezifferten Baß (Bg) enthält, mit 2 das letzte. Stimmen: Flauto dolce (Fd), Flauto traverso (Ft), Violino (V), Oboe (Ob), Viola da gamba (VG), Cembalo obligato (C. o.) und Basso continuo (Bc).
7Solo I: 1 (V) + 3 (Bc)
8Trio I: 1 (Fd) + 2 (Ob) + 3 (Bc)
9Solo II: 2 (Ft) + 3 (Bc)
10Trio II: 2 (VG) + 1 (C. o.) + 3 (Bc)
11Solo III: 1 (VG) + 3 (Bc)
12Trio III: 1 (V) + 2 (Ob) + 3 (Bc)
13Solo IV: 2 (Fd) + 3 (Bc)
14Trio IV: 2 (Ft) + 1 (C. o.) + 3 (Bc)
15Solo V: 1 (Ob) + 3 (Bc)
16Trio V: 1 (Fd) + 2 (V) + 3 (Bc)
17Solo VI: 2 (Ob) + ?
18Trio VI: 1 (Ft) + 2 (VG) + 3 (Bc)
20Solo VII: 1 (V) + 3 (Bc)
21Trio VII: 1 (Fd) + 2 (VG) + 3 (Bc)
22Solo VIII: 2 (Ft) + 3 (Bc)
23Trio VIII: 2 (Fd) + 1 (C. o.) + 3 (Bc)
24Solo IX: 1 (VG) + 3 (Bc)
25Trio IX: 1 (Ft) + 2 (V) + 3 (Bc)
26Solo X: 2 (Fd) + 3 (Bc)
27Trio X: 1 (V) + 2 (VG) + 3 (Bc)
28Solo XI: 1 (Ob) + 3 (Bc)
29Trio XI: 1 (Ft) + 2 (Ob) + 3 (Bc)
30Solo XII: 1 (C. o.)
31Trio XII: 2 (Ob) + 1 (C. o.) + 3 (Bc)
332) Doppelte Besetzung der Cembalostimme; siehe S. 42.
343) Bibl. München.
354) Ein anderes Beispiel einer solchen Triosonate mit obl. Cembalo findet man unter Died. Christ. Aumann in Eitners Quellenlexikon.
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