Scan 56
Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911
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1statt. „12 Fantasie“ in dieser Besetzung¹), wohl ein früheres Werk, zeigen noch unreife Form und erinnern in der ungewöhnlichen Art des Aneinanderreihens der einzelnen Sätze und ihrem mehr trocken etüdenmäßigen Ton etwas an Bendas Caprici²), hinter denen sie aber an Ausdehnung und technischer Bedeutung sehr zurückstehen. Während Bendas Werk überdies echte homophon gedachte Solostücke enthält, haben Telemanns Fantasie ganz das Gepräge einer üblichen Solostimme, der die Begleitung zufällig abhanden gekommen ist. Ungleich höheren musikalischen Wert besitzt ein anderes, jedenfalls späteres Sammelwerk „12 Fantasie“³). In der viersätzigen Kirchensonatenform abgefaßt, die ganz oder teilweise, aber in kleinen Proportionen, auch in jenen früheren Fantasie verwertet wurde, bringen sie zum Unterschiede von der meisten übrigen Solokomposition Telemanns ausgezeichnet gearbeitete Fugen an zweiter Stelle des Zyklus, bedeutende Vorgänger ähnlicher Werke von W. Pichl, Bart. Campagnoli, des Duos für Geige allein (vgl. Bruni) u. s. f.⁴) Wie viele dieser Werke und die meisten Solosonaten Telemanns weisen auch seine Fantasie auf didaktische Zwecke hin, die sie in ihrer Zeit ja fast allein vertraten. Auf die wichtige Stellung solcher Kompositionen wird eine Geschichte der Caprice, bezw. Etude ausführlich eingehen müssen.
3Stärker als in den bisher genannten Werken, die ihrem innersten Wesen nach der Bachschen Zeit angehören, tritt in Telemanns „Sonate metodiche a Violino solo o Flauto traverso“ op. 13⁵) und den bereits genannten XII Solos von 1734 (kurz nach den Sonate metodiche erschienen, vgl. ihre Vorrede), sowie in drei handschriftlich erhaltenen Sonaten in Bibl. Dresden das subjektive, moderne Element hervor. Tanzsätze, deren Bedeutung für die Mischformen der Uebergangszeit sich allenthalben von neuem bewährt, erscheinen in den Sonate metodiche häufiger; Giga und Corrente spielen da eine Rolle, erstere z. B. in Sonate II, als 2. Satz (!)⁶). In dem Solo Cx 933 findet sich bei der Schluß-Giga auch der einzige Tanzname. Die drei Solos weisen überhaupt öfters auf die alte Zeit zurück. Besonders hervorzuheben ist das Solo Dresden Cx 657 (Melante bez.), das in seinem ernsten, gehaltvollen Ton an die besten Leistungen der altitalienischen Sonate gemahnt⁷). Trotz des alten Charakters ist der 2. Satz homophon, der dritte aber bringt das bei Telemann seltene Beispiel
5¹) Bibl. Brüssel.
6²) Siehe unten S. 57.
7³) Ms. 21 786 der Bibl. Berlin, gezeichnet A° 1735.
8⁴) Vgl. Witting, Die Kunst des Violinspiels, Wolfenbüttel, Bd. V; Breitkopf & Härtel, Volksausgabe, Supplement IV; Alard, Les maitres classiques du Violon Nr. 38).
9⁵) Bibl. Darmstadt.
10⁶) Siehe Viraldi, Corelli in Kap. II meiner vollständigen Arbeit.
11⁷) Die Neuausgabe desselben in den Denkmälern d. Tonk. I. Folge ist in Aussicht genommen.
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