Scan 57
Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911
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1eines Adagio im 3/2 Takt 1). Im Solo Cx 658 (Melante bez.) ist der Schlußsatz gar fugiert.
3Entschiedener modern als in den anderen Solos ist Telemann in dem Werke von 1734. Die Tanztypen verschwinden nicht völlig, aber sie reduzieren sich stark, es tritt der Rhythmus des Cardinaltanzes dieser Zeit, des Menuetts, hervor (VI, 4. Satz). Die Vorliebe, die der Komponist in den vorhergehenden Werken für den Geist der Suite bekundete, äußert sich in der leichteren Faktur der Sätze, der feierliche Ernst der alten Adagiosätze beginnt sich zur Kantabilität zu mildern. Hier bekennt sich Telemann offen als Angehöriger jener Uebergangszeit von der alten zur neuen kantablen Periode 2). Man braucht nur ein Siciliano wie den 1. Satz der III. Sonate in dem gleichzeitig erschienenen Werke Quantzens mit einem Satze gleicher Form, z. B. dem 1. Satze der III. Sonate in Telemanns „XII Solos“ zu vergleichen, um den neuen Geist zu fühlen, der sich zwar, wie Otzenn 3) konstatiert, selten in Tiefe, aber in sympathischer Wärme äußert. Neu gegenüber der alten Zeit ist auch die größere Ausdehnung, die Telemann seinen Allegrosätzen verleiht, was ihm „bei seiner Satzgewandtheit nicht schwer wurde“. Mit Vorliebe verzichtet er auf Zweiteilung der Sätze durch die Reprise und formt sie in ihren Grundzügen nach Art des Konzerts (oder wenn man will der nahverwandten Arie 4)), jener Kunstgattung, die auch seine Opernsinfonien inspiriert 5). Häufig findet sich das Wiederauftreten des Anfangsthemas noch im 1. Teile des Satzes auf der I. oder V. Stufe. Nebenbei fehlt aber auch der zweiteilige Satz mit dem üblichen Parallelbau 6) beider Teile nicht (in „XII Solos“ Nr. VII 2. Satz, VI 4. Satz; Cx 933 2. Satz). Französische Anregungen äußern sich in der Rondoform des 4. Satzes der XII. Sonate.
5Erwähnenswert wäre die eigenartige Vortragsbezeichnung langsamer Sätze in den letzten Werken — z. B. in op. XIII, 3. Satz der Sonate II: Cortesamente, der Sonate III: Cunando, Sonate V: Ondeggiando, in den XII Solos Nr. 11, 1. Satz: Dolente —, die an die anschauliche Terminologie in Quantzens „Versuch“ erinnert und jedenfalls auch als ein äußerer Beweis subjektiven Wesens gelten kann.
7Der berühmteste Schüler Joh. Gottl. Grauns, Franz Benda, gehört nach Form und Geist seiner Werke bereits gänzlich der
91) Dieser Taktart bedient sich, wie bereits von verschiedener Seite ausgeführt wurde, der Meister der alten Sonate gewöhnlich zum Ausdrucke besonders ernster, tiefer Gedanken.
102) Vgl. dazu Schering, Vorrede zu Denkm. d. Tonkunst, 1. Folge, Bd. XXIX/XXX, S. XIV.
113) A. a. O. S. 73.
124) Schering, Gesch. d. Instrumentalkonzerts S. 72 f.
135) Otzenn S. 73f. Ueber die Ouverture mit konzertierenden Instrumenten vgl. Scheibe S. 672 ff.
146) vgl. S. 16 f.
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