Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 97

Beiträge zur Geschichte der Violinsonate im 18. Jahrhundert, 1911

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1Es ginge entschieden zu weit, wollte man jedes „Trio“ Bachs und seiner Nachfolger als unvollständiges, bezw. verstecktes Klaviertrio ansehen, ein Irrtum, zu dem leicht Rusts oben zitierte Bemerkung verleiten könnte. Das Klaviertrio wächst vielmehr wahrscheinlich aus der letztgenannten Uebung des Generalbaßzeitalters hervor, tritt dann in den zwei obengenannten Werken im Gewande des Bachschen Trios auf, wendet sich aber sofort einer neuen Form zu, als diese geschaffen wird, der Klaviersonate mit Geigenbegleitung.
3Dieser Art sind die Klaviertrios Phil. E. Bachs, von denen mir ein Autograph der Bibl. Berlin¹) und die beiden Sammlungen „Claviersonaten mit einer Violine und einem Violoncell zur Begleitung, Leipzig 1776/77“²), bekannt sind. Die Streicherstimmen beider Werke sind ziemlich unselbständig. In der einen Sonate des Autographenbandes (Wotquenne 90/1) ist das Violoncell weggelassen, so daß dieses Stück völlig das Aussehen einer Violinsonate hat.
5Eine ähnlich schwankende Stellung zwischen Klaviertrio und Violinsonate der neuen Richtung nimmt eine „Sonata per il Cembalo e Violino Concertato“ von Anton Filtz ein, (im Manuskript 6226 der Berliner Bibliothek enthalten.) Vier Sonaten des gleichen Autors (ebenda Ms. 6225)³) und eine weitere (Ms. 6225 m) sind Klaviertrios. Unsere obengenannte Geigensonate aber ist mit dem 3. Klaviertrio des Ms. 6225 identisch. Nr. 2 dieses Manuskripts weist noch auf das alte Bachsche Trio, also auf die Art Richters zurück; es beginnt mit beziffertem Basse im Klaviere, die Geige hat mehr zu sagen als in den anderen Werken, die sich der Norm der Klaviersonate mit Geigenbegleitung anschließen.
7Originalviolinsonaten Mannheimer Künstler, die nicht in Varianten als Klaviertrios bekannt sind, existieren, wie erwähnt, nur von Karl Stamitz und C. Gius. Toëschi. Des ersteren op. 20, fünf Klaviersonaten mit begleitender Violine, ist durch H. Riemanns Neuauflage (bei C. F. Peters, Leipzig) allgemein zugänglich geworden. Es genügt daher, soweit es der Zusammenhang erfordert, auf Einzelheiten zu verweisen. Die Sonaten bestehen aus je zwei Sätzen: Allegro—Rondo (mit Minore) oder Adagio—Allegro⁴). Die Allegrosätze haben volle Sonatenform mit kantablen zweiten Thema und wohlgebildeter Durchführung — eine vorzügliche Leistung. Die Stellung der Geige ist allerdings eine ziemlich untergeordnete; Verdopplungen in der Oktave sind ihre größte
9¹) Wotquenne Nr. 89 und 90.
10²) Bibliothek München, Mus. pr. 2º 768 und 1992. Mit großer Begeisterung wurden die beiden Werke besprochen von Forkel, Musikal.-kritische Bibliothek, Gotha 1778. S. 255 ff.
11³) Dürften im Druck erschienen sein, da sie am Titelblatte mit „Grave“ bezeichnet sind.
12⁴) Ueber diese Ordnung vgl. unten S. 101 f. und 105.

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