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Scan 20
Cremona. Eine Charakteristik der italienischen Geigenbauer und ihrer Instrumente, 1919
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1XVI
3Zweiter Abschnitt: Entwicklung und Vervollkommnung des Geigenbaues. Kunstkennerschaft.
5Aus Brescia kamen die Meister, welche die Cremoneser Schule bildeten. Die Amati nahmen deren Führung, ihr Gründer war Andrea Amati. In seinen ersten selbständigen Werken findet man die Reminiscenzen des Gasparo da Salò, obgleich nicht bekannt geworden ist, dass dieser sein Lehrer gewesen sei. Bei den meisten italienischen Geigenbauern ist zu beobachten, dass sie anfangs in den Fusstapfen ihrer Lehrer wanderten, sobald sie aber das Bewusstsein eigener Kraft gewannen, nach rechts und links ihre eigenen Bahnen betraten und neue Umrisse und Wölbungen ersannen, wodurch die verschiedenen Schulen entstanden.
7Dem Geschmack jener Zeit, wo man dem sanftklingenden Ton den Vorzug gab, und Amati und Stainer den Preis zuerkannte, muss ebenfalls Rechnung getragen werden. Bei der Grösse unserer heutigen Konzertsäle, bei der Stärke des begleitenden Orchesters, ja selbst bei der Klangfülle unserer so sehr vervollkommneten Klaviere reicht aber der Ton ihrer Instrumente kaum noch aus. Jetzt werden Kraft und Schönheit vereint beansprucht und Stradivarius und Joseph Guarnerius, welche diese Eigenschaften in höchster Potenz besitzen, sind am meisten geschätzt.
9Zur Blütezeit der alten Brescianer und Cremoneser Meister wurde die Violine nur nach ihrer tonerzeugenden Eigenschaft geschätzt; als man aber auch die sich mehr und mehr entwickelnde Schönheit ihrer Form zu schätzen anfing, da hatte bald die Violine sowohl ihre Liebhaber wie ihre Spieler.
11Bis zum Jahre 1800 stand kein Meister so hoch in Gunst, wie Stainer; in Deutschland, Frankreich und England arbeiteten die meisten Geigenbauer nach seinem Modeil. Darauf kamen die Instrumente der Amati mehr in Aufnahme und da in Italien ihre Anzahl viel grösser war, als die Nachfrage, so wurden sie billiger verkauft als manches neue Instrument. Der Geigenbauer William Forster verkaufte z. B. laut seines Tagebuchs am 20. April 1799 ein Cello von Nicola Amati nebst Kasten und Bogen zu 17 £ 17 sh, zu welchem Preise der Verkäufer ein von ihm selbst gebautes Cello nicht abgegeben haben würde. Indes verschloss man sich nicht lange mehr den Vorzügen der italie-
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