Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 10

Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung : eine historische Skizze, 1875

19 lines. Read by computer on 30 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 6. See the scan on archive.org.

1schichte des italienischen Geigenbaues wäre eine Statistik der von demselben uns überlieferten Erzeugnisse, wie Mr. Jules Gallay in Paris bereits damit den Anfang gemacht hat. Nur müssten die Meister genau bezeichnet und die äußeren Eigenschaften der Instrumente in nicht misszuverstehender Weise beschrieben werden.
3Nach dieser Abweichung kehren wir wieder zur geschichtlichen Skizzierung unseres Zweiges zurück.
5Es konnte nicht ausbleiben, daß der zu so hoher Bedeutung emporgekommene italienische Geigenbau auf andere Länder seine Rückwirkung äußerte. Ob der berühmte Meister von Absam bei Innsbruck, Jacob Stainer (geb. 1621 † 1683), in Cremona selbst in der Lehre gewesen, wie man es früher behauptete, muß nach den gründlichen Forschungen seines neuesten Biographen dahin gestellt sein. Dem Einfluß der Amati vermochte er sich keinesfalls zu entziehen; dafür geben seine, freilich seltenen ächten Werke — Machwerke mit seiner Firma, besonders aus der alten Mittenwalder Fabrik sind zu Hunderten in der Welt verbreitet — Zeugnis. Er ging aber in der Wölbung der Decken weiter, als das von Nicolaus Amati geschaffene Vorbild und verlieh dadurch seinen Instrumenten eine eigenthümliche, von jener der italienischen auffallend verschiedene, mehr an den Flöten- als Saitenton gemahnende Klangfarbe, die zwar des Reizes nicht entbehrt und ehe dem auch allgemeiner Beliebtheit sich erfreute, heute jedoch bei den Künstlern die Gunst verloren hat. Ihm, dem produktiven Kopfe, mag das selbstständige Vor gehen nachgesehen werden. Wußte er doch die Wirkung der schrofferen Wölbung durch ange messene schwächere Ausarbeitung der Decken zu mildern und dem Geigenmodell durch die Ueber einstimmung aller Theile eine gewisse originelle Individualität aufzudrücken. Allein seine Nach ahmer — und deren hatte er unter den Deutschen sehr viele — griffen bald Dies, bald Jenes heraus, gingen zum Theil auch in den Neuerungen weiter, als er, und führten so den Geigenbau in Deutschland auf Abwege.
7Nach Stainer's Zeit treffen wir, sofern die Zettel nicht trügen, schon Deutsche zu Cre mona etabliert an. So die beiden Pfretzschner und Ficker. Desgleichen geht aus Inschriften in Geigen hervor, daß von Deutschen in Cre mona förmliche Meisterproben abgelegt wurden. David Techler in Rom, Hans Mann in Neapel und wahrscheinlich auch die drei Gosfriller (Gott friedl) in Venedig sind Deutsche. Ob auch die angesehene Familie der Ruger deutscher Abkunft gewesen, erscheint fraglich, da der Name Ruger in Italien gleichfalls heimisch ist.
9Umgekehrt lassen sich italienische Geigenbauer auch im Auslande nieder. Mit den Albaui schie ben sie gleichsam ihre Vorposten nach Bozen und Graz vor. Andere lassen sich in London, Paris, Lyon, Barcellona nieder. Ja selbst in Constantinopel gibt es zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts einen Italiener, welcher aber klugerweise in der Ornamentik dem orientalischen Geschmacke Rechnung trägt.
11Wie Alles im Leben, hatte auch der klassische Geigenbau sein Ende. Räthselhaft wie der Auf gang, nur ungleich rascher, ist sein Niedergang. Für das Eine und das Andere fehlt es an aus reichenden Erklärungsgründen. Ohne daß wir nur entfernt gleiche Fortschritte in der Kunst des Violinspieles gewahr werden, schreiten die Meister, nach welchen der Geigenbau seine Epochen datirt, zu immer größerer Vollendung. Den Onissopragcars, Amati, Stradivari und Guarneri hinken die Baltazarini, Corelli, Tartini und Viotti langsam nach, und in dem Augenblicke, wo das Violinspiel den Zenith erreicht, ist von dem italienischen Geigenbau kaum eine Spur mehr vorhanden. Es ist, als wäre die Kraft seiner Träger erlahmt, sobald das von ihnen erstrebte Ideal erreicht war. Nach Stradivari und Guarneri hatte er sich unter einigen ihrer Schüler und Zeitgenossen eine Zeit lang noch auf anständiger Höhe behauptet. Unter den unmittelbaren Nachfolgern der letzteren aber greift die Entartung immer weiter um sich, und, ehe man sich es versieht, ist er gänzlich verschwunden. Bezeichnender Weise schließt ein Fremder, der Franzose Michel Deconet die Reihe ab, gleichwie Ausländer, nämlich Deutsche es waren, welche sie eröffnet hatten. one of two readings
12Wie Alles im Leben, hatte auch der klassische Geigenbau sein Ende. Räthselhaft wie der Auf gang, nur ungleich rascher, ist sein Niedergang. Für das Eine und das Andere fehlt es an aus reichenden Erklärungsgründen. Ohne daß wir nur entfernt gleiche Fortschritte in der Kunst des Violinspieles gewahr werden, schreiten die Meister, nach welchen der Geigenbau seine Epochen datirt, zu immer größerer Vollendung. Den Onissopragcars, Amati, Stradivari und Guarneri hinken die Baltazarini, Corelli, Tartini und Viotti langsam nach, und in dem Augenblicke, wo das Violinspiel den Zenith erreicht, ist von dem italienischen Geigenbau kaum eine Spur mehr vorhanden. Es ist, als wäre die Kraft seiner Träger erlahmt, sobald das von ihnen erstrebte Ideal erreicht war. Nach Stradivari und Guarneri hatte er sich unter einigen ihrer Schüler und Zeitgenossen eine Zeit lang noch auf anständiger Höhe behauptet. Unter den unmittelbaren Nachfolgern der letzteren aber greift die Entartung immer weiter um sich, und, ehe man sich es versieht, ist er gänzlich verschwunden. Bezeich nender Weise schließt ein Fremder, der Franzose Michel Deconet die Reihe ab, gleichwie Aus länder, nämlich Deutsche es waren, welche sie eröffnet hatten. one of two readings
14Die Hypothese, der Geigenbau in Italien sei von Deutschen begründet worden, habe ich bereits in einem Artikel der Wiener „Presse“ vom 27. November 1872 (wieder abgedruckt in der Gazetta di Venezia am 11. April 1873) aufgestellt. Seitdem sind mir keine Thatsachen zur Kenntnis gekommen, welche dieselbe erschütterten, vielmehr solche, wodurch sie bekräftigt wird. Folgendes sind in Kürze die Gründe, auf welche sie sich stützt.
16Eine Musterung der Instrumente auf dem fürstlich Lobkowitz'schen Schloße Eisenberg hatte mehrere alte Lauten zu Tage gefördert. Zwei derselben von seiner Arbeit trugen die Inschrift „Laux Maler“ (Lucas Maler, „der Amati der Laute“ um 1415 zu Bologna), eine dritte allem Anscheine nach aus derselben Zeit den Namen: Marx Unverdorben a Venetia. Die Niederlassung dieser offenbar deutschen Lautenmacher in Italien beweist, daß damals dieses Gewerbe hier entweder noch gar nicht heimisch war, oder nicht auf der hohen Stufe stand, wie in Deutschland, wo im fünfzehnten Jahrhunderte bereits Johann Ott und Hans Frei, der Schwieger vater Albrecht Dürers, dann die Familie Gerle, sämtlich zu Nürnberg als Lautenmacher einen Namen haben.
18Mit der Lautenmacherei hat der Bau von

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