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Scan 11
Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung : eine historische Skizze, 1875
17 lines. Read by computer on 30 September 2026, twice; the two readings disagreed in places. Printed page 7. See the scan on archive.org.
1Bogeninstrumenten viel Verwandtes. Die berühmtesten italienischen Geigenbauer wie Gaspar da Salo und Stradivari verschmähen es nicht, zugleich Lauten zu versetzen, und vor ihnen schon liefern außer Lauten Dardelli und die Linarollos Violen und Duiffsoprugcar Violen und Violinen. Gab es doch sogar ein Instrument, das als Verbindungsglied dienen konnte — die Streich-Lyra, Lire d’arco In Deutschland bilden, so lange sich die Laute erhält, auch der Bevrechtigung nach, die Lauten- und Geigennacher ein vereinigtes Gewerbe, nach welchem sie sich hier und da bis heute zu nennen pflegen. In Frankreich besteht für den Geigenbauer überhaupt keine andere Benennung als Luthier, welches Wort doch offenbar auf den Ausgang von der Laute (luthe) hinweist. one of two readings
2Bogeninstrumenten viel Verwandtes. Die berühmtesten italienischen Geigenbauer wie Gaspar da Salo und Stradivari verschmähen es nicht, zugleich Lauten zu versetzen, und vor ihnen schon liefern außer Lauten Dardelli und die Linarollos Violen und Duiffsoprugcar Violen und Violinen. Gab es doch sogar ein Instrument, das als Verbindungsglied dienen konnte — die Streich-Lyra, Lire d’arco In Deutschland bilden, so lange sich die Laute erhält, auch der Berechtigung nach, die Lauten- und Geigennacher ein vereinigtes Gewerbe, nach welchem sie sich hier und da bis heute zu nennen pflegen. In Frankreich besteht für den Geigenbauer überhaupt keine andere Benennung als Luthier, welches Wort doch offenbar auf den Ausgang von der Laute (luthe) hinweist. one of two readings
4Sollten jene alten deutschen Lautenmacher Lucas Maler in Bologna und Marx Unverdorben in Venedig samt dem späteren Magno Stegher in Venedig (ein deutschtyroler, in anderen deutschen Ländern in der Schreibweise „Stöger“ vorkommender Name), von welchem ich eine der Schrift nach in die Zeit Gasparo Duiffsoprugcars fallende Laute in dem Augustinerkloster Neustift bei Brixen sah, nicht auch Streichinstrumente angesetzt haben?
6Gewiß eine nicht allzu gewagte Schlussfolgerung. Allein auch dann, wenn man sich lediglich an Geigenbauer hält, stößt man immer wieder zuerst auf Deutsche.
8Als die ältesten Geigen-, beziehungsweise Violaverfertiger sind bis jetzt Kerlino, Dardelli und Duiffsoprugcar bekannt. Zu denselben gesellt sich noch der bisher nicht bekannte Meister Johannes Andreas von Verona, von welchem ich eine Viola mit der Jahreszahl 1511 im erzherzoglichen Museum Modena zu Wien fand. Obwohl ein Prachtstück, ist dieselbe doch in den Formen zu grotesk, als daß man den, übrigens auch seinem Familiennamen nach unbekannten Meister dieses Stücks wegen allein den Streichinstrumentenverfertigern von Fach beizählen könnte. Von den übrigen Genannten ist blos Dardelli als Italiener anzusehen. Derselbe soll um 1500 in Mantua gelebt und außer Lauten auch Violen der alten Art erzeugt haben; eigentlicher Geigen von ihm geschicht aber nirgends Erwähnung, und als Mönch — er wird Padre Dardelli genannt — scheint er übrigens seine Kunst mehr nur als Dilettant geübt zu haben. Die beiden Anderen hingegen Kerlino und Duiffsoprugcar sind deutscher Nationalität.
10Was Kerlino anbelangt, von dem eine Geige oder, wie Personen, welche sie gesehen, behaupten wollen, eine zur Geige verkleinerte Viola mit der Jahreszahl 1449 existierte, so ist derselbe wegen des Anfangsbuchstabens seines Eigennamens, welchen die italienische Sprache nicht kennt, keinesfalls italienischer Abkunft. Der Stammsilbe Kerl nach konnte der Träger dieses Namens nur entweder aus der Bretagne oder aus Deutschland stammen. Wie wäre er aber aus der Bretagne nach Italien verschlagen worden? Dagegen hat dessen oder seiner Familie Einwanderung aus Deutschland die größte Wahrscheinlichkeit für sich, da der Zug der deutschen Lautenmacher, wie wir an Anderen gesehen, um jene Zeit nach Oberitalien gerichtet war. Der Name Kerl oder Kerle kommt in Deutschland häufig vor. In der Mitte des siebzehnten Jahrhundertes trägt ihn ein berühmter Organist. Mögliche aber auch, daß Johannes Kerlino, dieser erste aller bekannten Geigenbauer, aus der um 1460 zu Nürnberg blühenden Lautenmacherfamilie Gerle hervorging, und daß dem im Italienischen gleichfalls nicht aussprechbaren deutschen G ein K substituiert wurde. Auf der Instrumenten-Ausstellung des South Kensington Museums zu London im August 1872 figurirten zwei Violinen mit dem Namen Karlino, mit der Bezeichnung als „sehr alt“, jedoch ohne Jahreszahl. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dabei eine Verwechslung unterlief, zumal im Englischen das a wie e ausgesprochen wird. Aber auch wenn dies nicht der Fall wäre, müßte, da Karl ebenfalls ein deutscher Name ist, die Behauptung von der deutschen Nationalität des in Rede stehenden Geigenbauers aufrecht erhalten werden.
12Mehr noch als Kerlino, obwohl dieser älter, kommt der aufgestellten Hypothese jener Meister zu Hilfe, welcher in seinen von Italien aus datirten Werken „Duiffsopruggar“, in den in Frankreich gearbeiteten „Duiffsoprugcar“ sich schreibt. Wie räthselhaft erscheint in dieser Schreibweise der Name und wie natürlich löst sich das Rätsel, wenn der Name in deutscher Orthographie „Tieffenbrucker“ geschrieben wird!
14Dem Namen nach war Kaspar Tieffenbrucker schon lange durch ein von Pierre Boëriot 1562 gestochenes Portrait bekannt. Auch Gerber (neues Tonkünstlerlexikon 1812) erwähnt ihn bereits, jedoch nur so weit, als ihm dieses Portrait die Daten an die Hand gab; selbst nachher gelang es nicht, Näheres über seine Lebensschicksale in Erfahrung zu bringen. Man weiß nur, daß er von Bologna, aus welcher Stadt seine ersten Arbeiten datirt sind, durch Franz I. nach Paris, wo er eine Anzahl Instrumente für die königliche Kapelle lieferte, berufen wurde und endlich nach Lyon übersiedelte.
16Bis vor Kurzem kannte man von seinen Arbeiten nur Lauten und verschiedene Violen. Nun kommen aber mehr und mehr auch eigentliche Violinen von ihm zum Vorschein, die seine epochemachende Bedeutung für den italienischen Geigenbau außer Frage stellen. So in St. Petersburg, Brüssel, Bologna, London, Bukarest, und in mehreren rheinischen Städten. Zwei Geigen
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