Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 140

Die Geigen und Lautenmacher, 1922

10 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 136. See the scan on archive.org.

1stand der Schotte John Dickson, der sich abwechselnd in London und Cambridge aufhielt, und sein Beispiel scheint später Joseph Garner in Boxbourne nachgeahmt zu haben, denn auch er kopierte schon frühzeitig Geigen der Amati-Schule, während Jonathan Lambert in Norwich von den hergebrachten Modellen nicht ablassen wollte, was bei seinem Mangel an Geschmack und Kunstfertigkeit nicht weiter auffallen kann. Nicht um ein Haar besser als er erwies sich Wiseman in Coventry, während Corsby in Northampton wenigstens als Baßmacher einige Geschicklichkeit verriet.
3In Leeds, der Hauptstadt der englischen Tuchmacher, gab es schon im Anfang des 18. Jahrhunderts Geigenbauer, von denen freilich nicht viel mehr als die Namen auf uns gekommen sind; einer davon ist John Lister.
5In Hedingly bei Leeds lebte um 1778 Isaac Naylor, ein unbedeutender Schüler von R. Duke, und von ihm lernte der ehemalige Friseur William Booth wenigstens so viel, daß er eine zerbrochene Geige, die man ihm brachte, leidlich gut wiederherstellen konnte. Da er seinem wenig begabten Schüler G. Firth1) nicht viel beibringen konnte, scheint er das Vertrauen in seine Kunst doch verloren zu haben, deshalb gab er kluglich seinen gleichnamigen Sohn lieber zu einem geübteren Meister — vielleicht zu Mark Dearlove — in die Lehre. Wäre der jüngere Booth nicht schon mit 40 Jahren gestorben, würde er sich vielleicht zu größerer Kunstfertigkeit emporgeschwungen haben. Mark Dearlove war allerdings auch kein Kirchenlicht, aber er verstand sein Handwerk und brachte seinem Sohn Mark William Dearlove so gute Grundsätze bei, daß dieser sich mit Erfolg bemühen konnte, das väterliche Geschäft in guten Ruf zu bringen. Vor allem war der Sohn vorsichtig in der Auswahl seiner Gehilfen, so arbeiteten bei ihm u. a. J. Chr. Fryer, mit dem er sich 1828 verband, John Gough und Thomas Absam in Wakefield, vielleicht auch George Craske, einer der talentvollsten englischen Geigenmacher, der sich, wie in vielen anderen Städten, auch vorübergehend in Leeds aufhielt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Als er über 90 Jahre alt starb, hinterließ er eine stattliche Anzahl Geigen, mit denen dann William E. Hill ein recht gutes Geschäft machte. Waren die meisten schon froh, wenn es ihnen gelang, eine Geige leidlich gut nach Amati oder Stradivari zustande zu bringen, so wollte John Knowles Heap die alten Cremoneser übertrumpfen und baute nach ganz neuen »mechanischen und mathematischen« Grundsätzen. Freilich blieb er der einzige Lobredner seiner Werke.
7Da war der Maschinenbauer Joseph Fox doch noch ein besserer Könner, denn seinen Geigen sieht man es nicht an, daß sie nur ein Dilettant gemacht hat. Durch ihn wurde der mit ihm in der gleichen Fabrik arbeitende J. W. Cartwright ebenfalls darauf gebracht, sich als Geigenmacher zu versuchen, und nachdem er bei H. Pickard in allen seinen Freistunden jahrelang Unterweisung gesucht hatte, konnte er sich in Yeadon bei Leeds selbständig machen. Er hatte eine besondere Vorliebe für die Viola, die er fortgesetzt zu verbessern strebte. Sein Lehrmeister Pickard hätte Tüchtiges fertigbringen können, wenn es ihm nicht einträglicher erschienen wäre, erst Händler und dann gar — Hotelwirt zu werden. Fehlte ihm also die rechte Begeisterung, so verdankt John W. Owen dieser alles. Er sollte Ingenieur werden, sein Herz trieb ihn aber zum Geigenbau, und als höhergebildeter Mensch erkannte er sehr schnell, was ihn auf der gewählten Bahn vorwärtsbringen konnte, und er versäumte keine Gelegenheit, zu lernen. In den besten Werkstätten Englands und Frankreichs holte er sich einen Schatz von Kennt-
91) Geschickter war jener Nachkomme Firths, der noch um 1877 in Manningham lebte.

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