Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 142

Die Geigen und Lautenmacher, 1922

6 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 138. See the scan on archive.org.

1Liverpool ist nächst London die größte Stadt Englands, aber für Geigenmacher scheint sie doch keinen Raum zu haben. Im Anfang des 18. Jahrhunderts versorgte der seinerzeit geschätzte Smith, der in dem nicht allzu fern liegenden Whitchurch hauste, die Liverpools wohl ausreichend mit guten Geigen. Im Jahre 1831 starb hier der letzte Banks, und als ein Vierteljahrhundert später der ungemein geschickte Francis Fendt voll froher Hoffnungen eintraf, erlebte er nur bittere Enttäuschungen. Auch Henry Riley soll schwer zu kämpfen gehabt haben, und ob es Tye besser traf, weiß ich nicht. In den letzten Jahren haben sich wieder drei Geigenmacher, T. W. Lucas, John Byrom und G. T. Stott, einzubürgern versucht. Ob es ihnen gelingen wird, sich über Wasser zu halten, muß die Zukunft lehren.
3Nicht viel besser sieht es in der Siebenhügelstadt Bristol aus. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fristete hier H. Sturge als Reparateur sein Leben. Auf ihn folgten nach den achtziger Jahren G. Darbey und E. Lane und zuletzt J. Frazier, aber keiner hat sich bisher einen über Bristol hinausreichenden Namen gemacht. Auch in Bath scheinen sich die Geigenmacher nicht halten zu können, obwohl dort schon im Anfang des 18. Jahrhunderts John Simcock durch seine »Bellharp«, ein mit sechzehn dreichörigen Saiten bespanntes Psalterium, bekannt geworden war. Um 1820 arbeitete hier der ruhelose George Craske und ein wenig bekannter John Morris, seitdem kein anderer mehr. Neuerdings hat Henry Lye, der als talentvoll gerühmt wird, seine Werkstatt in Camerton bei Bath aufgeschlagen. Bedeutungslos blieben Blight und J. Mardon, die in der alten Stadt Exeter ansässig waren, sowie ein gewisser Grimes in Sherborne, während sich F. W. Channon und Philipp Goss in Plymouth Geltung zu verschaffen gewußt haben. Auch William Thorn in South-Molton hat sich wenigstens als Violoncellobauer bewährt. Craske ging von Bath nach Birmingham und hielt es in dieser Fabrikstadt 20 Jahre lang aus. Nach ihm eröffneten die Croft (Vater und Sohn) ein Geigengeschäft, dann kamen Thomas Grater und S. F. Heath, mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts Thomas Davies und zuletzt Thomas Simpson. Mehr ist von ihnen nicht zu sagen. In Preston hat sich James Worden, der vom Orgel- und Klavierbau ausgegangen ist, zu einem sehr geschickten Geigenmacher entwickelt, und da er sich gleichzeitig eine umfassende musikalische Bildung erworben hat, stellte er diese mit bestem Erfolg in den Dienst seiner Vaterstadt. Sein Beispiel dürfte den Eisenbahn-Stationsmeister W. Walton angespornt haben, Geigen zu bauen. Er hätte sicher das Zeug dazu gehabt, ein tüchtiger Berufsgeigenmacher zu werden, wenn ihn das Schicksal an einen anderen Platz gestellt hätte. Ob Seymour in Leamington, von dem ich eine sauber gearbeitete Violine in der Hand gehabt habe, den Geigenbau als Beruf betreibt, konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen.
5In allen übrigen englischen Städten findet man nur einzelne Geigenmacher, die meist der Zufall hier und dort festgehalten oder verschlagen hat, wenn es sich nicht um Liebhaber handelt, die sich nur nebenbei mit der Geigenmacherei beschäftigten, wie z. B. Hopkins in Worcester, der eine schon wieder vergessene Maschine zum Greifen der Töne auf der Baßgeige erfunden hat. Auch Jeffery James Gilbert in Peterborough fing als Liebhaber an und dankt es seinem rastlosen Eifer, daß man ihn jetzt den geschicktesten Geigenmachern seines Landes an die Seite stellen kann. J. Rouse in Oakham hat manches gute Violoncello zustande gebracht. Crosby in Nottingham gilt als guter Meister, während W. Calow nur als Geschäftsmann in Betracht kommt. Erfreulicherweise steht G. Richardson auf höherer Stufe, und J. A. Scholes sowie W. Hawes in Northampton gelten mit Recht als erfahrene Reparateure. Von anderen

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