Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 144

Die Geigen und Lautenmacher, 1922

8 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 140. See the scan on archive.org.

1SCHOTTLAND
3In Schottland, wo »Singen und Sagen« von alters her dem Volke ein Lebensbedürfnis war, wo zum Hofhalt der Fürsten und Großen bis in das 18. Jahrhundert hinein fest angestellte Barden, deren Amt sich vom Vater auf den Sohn vererbte, gehörten, wurden schon im frühen Mittelalter Saiteninstrumente gemacht, meist von den Sängern und Barden selbst, deren Begleitinstrumente lange die Crotta (Crwth) war. Wie in Norwegen oder in Tirol waren es hauptsächlich die Gebirgsbewohner, die sich der Anfertigung von Musikinstrumenten zuwendeten. Die Verfertiger sind heute vergessen, die Instrumente fielen der alles zerstörenden Zeit zum Opfer, die Lieder und Balladen aber, zu denen sie erklangen, haben sich zum guten Teil bis heute im Munde des Volkes erhalten. Auch die Lust, Lauten und Geigen zu machen, hat in Schottland in weiten Kreisen noch keine Abnahme erfahren, so daß man hier mehr als irgendwo Liebhaber findet, die sich nur nebenbei, aber mit gut vererbter Kunstfertigkeit, mit dem Geigenbau beschäftigen. Mancher darunter hat es schließlich zu wirklicher Künstlerschaft gebracht, und wer als Geigenmacher von Beruf seinen Unterhalt finden wollte, mußte schon etwas Rechtes zu leisten imstande sein.
5Daß die Sänger sich ihr Begleitinstrument selber machen mußten, war ursprünglich geradezu selbstverständlich, da sie es aber nur für sich und nicht für andere herstellten, hatten sie keinen Grund, sich als Verfertiger besonders zu bezeichnen. Man kennt daher keinen vor dem 16. Jahrhundert liegenden Namen, ja, der älteste bekannte Violenmacher in Schottland war kein Schotte, sondern ein Engländer, Richard Hume, der im Hofdienst stand und dem vielleicht ein großer Anteil an der Einführung der Streichinstrumente in Schottland zuzuordnen ist. Er wird schon im Jahre 1535 erwähnt und wirkte in Edinburg; ob er da Schüler und Nachfolger gehabt hat, läßt sich weder behaupten noch bestreiten, da aber im 17. Jahrhundert ein Schotte, Thomas Urquhart, in London als trefflicher Geigenmacher auftritt, so ist mindestens anzunehmen, daß er in seiner Heimat Gelegenheit hatte, seine Kunst zu erlernen. Auch die um etwa 70 Jahre jüngeren Alex. Kennedy und John Dickson waren in Schottland geboren und sind erst in reiferen Jahren nach London gekommen.
7Der erwähnte Umstand, daß die schottischen Geigenmacher erst sehr spät anfingen, ihre Namen in ihren Arbeiten anzubringen, trägt natürlicherweise die Hauptschuld, daß man die älteren Meister nicht kennt, und daher weiß man auch nicht, bei wem John Blair in Edinburg gelernt hat. Er muß einen tüchtigen Lehrmeister gehabt haben, denn seine Geigen sind trefflich in ihrer Art, obwohl er in seiner Frühzeit die Einlagen öfter fehlen ließ. Er dürfte um 1750 geboren sein und hat jedenfalls Geigen der Stradivari-Schule gekannt, die er gut nachahmte; er klebte niemals einen Zettel ein und hat erst um 1790 angefangen, seinen Namen auf die Innenseite der Geigendecke zu schreiben, also an einer Stelle anzubringen, wo man ihn für gewöhnlich nicht zu sehen bekommt. In seinen letzten Jahren arbeitete er mit oder für Matthew Hardie, den C. W. Honeyman, der beste Kenner der schottischen Geigenmacher, für einen Schüler Blairs hält. M. Hardie kann nur wenig jünger gewesen sein als Blair, und es ist anzunehmen, daß er erst einen anderen Beruf hatte, bevor er Geigenmacher wurde. Vielleicht war er von Hause aus Kunsttischler und Musiker, was ihm den Übergang zum Geigenbau, für den er ein ausgesprochenes Talent mitbrachte, wesentlich erleichtert haben mag. Er war wohl auch der geriebenere Kaufmann, und daher kam es, daß man ihn besser kennenernte als

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