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Scan 230
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
6 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 226. See the scan on archive.org.
1gehört. Er war ebenso geschickt als fleißig, und seine Arbeit berechtigt zu der Annahme, daß er als Geselle bis über die Alpen gekommen war. Auch die schöne Goldfarbe seines Lacks ist noch sehr zu loben, wozu man bei seinem Sohn und Nachfolger Johann Joseph Stadlmann keine Lust mehr haben kann, denn dessen Lack hat schon die für die Wiener Schule des 17. Jahrhunderts beinahe charakteristische tiefdunkle, fast schwarze Farbe. Im übrigen war der jüngere Stadlmann doch ein hervorragender Künstler; aber trotzdem er im Hofdienst stand, waren seine Einnahmen so gering, daß er seine Frau in bitterer Armut zurücklassen mußte. Vater und Großvater wurden schließlich durch den Enkel übertroffen, denn Michael Ignaz Stadlmann war der feinste Künstler der ganzen Familie; er hat mit sicherem Gefühl das Nachahmen Stainers aufgegeben und sich dem Stradivari-Modell zugewendet. Auch er war Hoflautenmacher; da er aber schwerlich mehr verdiente als sein Vater, scheint er unverheiratet geblieben zu sein, denn als er sein Ende herannahen fühlte, vermachte er seinem Gehilfen Mathias Daum als »dem einzigen Subjekte«, das bei ihm ausharrte, seine Werkzeuge und Ladeneinrichtung. Für die dauernde Beliebtheit des Namens Stadlmann zeugt u. a. der Fälscherunfug, der gerade mit diesem Namen von alters her getrieben wurde.
3Eine einflußreiche Stellung unter den Wiener Geigenmachern nahm die schon erwähnte Familie Leidolf durch ein ganzes Jahrhundert ein. Als ihren Stammvater muß man Nicolaus Leidolf, der wahrscheinlich ein Schüler von Kögl war und schon im Jahre 1603 das Bürgerrecht erwarb, ansehen. Seiner Arbeit nach muß er als Geselle weit herumgekommen sein. Sein Sohn Ignatius L. zeichnete sich namentlich als Violenbauer aus; der beste Leidolf aber war der jüngere Bruder Johann Christoph, der es, ein guter Vertreter der Wiener Schule, zu Namen und Vermögen brachte und zeitweise wohl ein Dutzend Gesellen beschäftigte, wodurch es sich erklärt, daß es neben sehr sauberen Arbeiten von ihm auch viele handwerksmäßig hergestellte gibt. Die Wölbung nahm er fast immer zu hoch. Christoph Nikolaus L., vermutlich sein Sohn, arbeitete ähnlich. Obwohl Joseph Ferdinand L. die meisten Mitglieder seiner Familie wesentlich übertraf, konnte er das Geschäft doch nicht auf der alten Höhe erhalten, er kam in seinen Vermögensverhältnissen zurück und überließ 1774 seine Werkstatt seinem früheren Gehilfen Marianus Petz, von dem sie 1782 auf Sebastian Nickel überging. Beide dürften aus Füssen eingewandert gewesen sein.
5Zu den Meistern vom Anfang des 18. Jahrhunderts gehört noch der in seiner Arbeitsweise Kögl nahestehende Franz Ostler, der sich bis 1729 nachweisen läßt, während J. M. Dorner, von dem Geigen mit der Jahreszahl 1716 vorkommen, wenn er überhaupt je in Wien gelebt hat, wohl erst dem letzten Drittel zuzuweisen ist. Auch ein Johann Schuster, wahrscheinlich ein echter Vogtländer, gibt sich als Wiener Geigenmacher aus, obwohl für seine Ansässigkeit in Wien auch der Schatten eines Beweises fehlt. Zu erwähnen ist noch Conrad Wörl, der, angeb-
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