Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 231

Die Geigen und Lautenmacher, 1922

6 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 227. See the scan on archive.org.

1lich aus Mittenwald oder Augsburg stammend, am 8. März 1728 Wiener Bürger wurde. Sein Sohn Johann war sein Gehilfe und wurde vielleicht 1768 sein Erbe, konnte aber dem Geschäft, das der Vater vierzig Jahre lang geführt, nicht den gleichen Zuspruch sichern, obwohl er nicht ungeschickt war; schon 1776 gab er »Armuts halber« das Geigenmachen ganz auf. Wohlverdienten Erfolg hatte dagegen Johann Georg Thir, der aus der Füssener Gegend (?) nach Wien gekommen war und hier am 1. September 1738 den Bürgereid ablegte. In seiner ersten Zeit machte er die damalige Wiener Mode, die Geigen vor dem Lackieren sehr dunkel zu beizen, mit, trotzdem er in seiner Wanderzeit wahrscheinlich auch bei einem Italiener gearbeitet haben wird. Bei diesem dürfte er jene Art zu lackieren kennengelernt haben, die er später, sehr zum Vorteil seiner Werke, bevorzugte. Noch größeren Erfolg hatte sein wesentlich jüngerer Bruder Mathias Thir, der sicher bei ihm gelernt hatte und erst 1770 selbständig wurde. Mathias Thirs Name ist in Wien bis heute unvergessen geblieben, wozu zum Teil das häufige Vorkommen seiner Arbeiten beigetragen hat, denn er kam bald dahinter, daß er sich in Wien am besten durchsetzen konnte, wenn er billiger war als alle anderen Geigenmacher; so verkaufte er seine Violinen um 4 fl., und da sie trotzdem recht gut waren, fand er einen so großen Absatz, daß er in seiner Werkstatt ein Dutzend Gesellen beschäftigen konnte. Sein um 1765 geborener Sohn Anton war jedenfalls sein Schüler und Erbe des Geschäfts und kam ihm in der Arbeit ziemlich nahe, während ein gleichzeitig tätiger, gleichnamiger Meister, der sich übrigens zum Unterschied Anton Tirr schrieb, aus einer anderen Schule hervorgegangen sein muß und im Modell und in der Arbeit seine Namensvettern entschieden überragte¹).
3Mit den Thir konnte sich Sebastian Dalinger getrost messen; seine Violoncelli werden heute sehr gern gekauft, und wenn man die besten Vertreter der Wiener Schule seiner Zeit nennen will, darf sein Name nicht fehlen. Neben diesen heute noch in Ehren gehaltenen Meistern gab es noch manche, die man kaum kennt. Bei dem jung verstorbenen Joh. Martin Helmer, der nur ein Jahr lang selbständig war, und dem nach kurzer Tätigkeit von Wien fortgezogenen Johann Josef Brauner ist es kein Wunder, daß man ihre Geigen so selten antrifft; aber auch Maximillian Böß (Höß?) hat fast nichts hinterlassen, und ganz unbekannt ist J. Ch. Kienpolth, von dem mir bisher nur ein vom Jahre 1760 datierter Zettel, den Paul de Wit veröffentlichte, zu Gesicht kam. Ebensowenig gelang es mir, eine Arbeit eines um 1764 genannten Geigenmachers J. Joseph ans Tageslicht zu ziehen. Dagegen lernte ich einige gute, dunkel lackierte Geigen von einem Johann Rudolph kennen, den aber weder die Steuer- noch die Bürgerlisten verzeichnen. Einen ähnlichen dunklen Lack zeigen die Violinen von Johann Georg Huber, einem sehr begabten Meister, der am 6. Juli 1764 als Bürger aufgenommen wurde und Talent genug besessen hätte, um in die erste Reihe der Wiener Geigenmacher zu kommen, wenn er nicht schon im 31. Lebensjahre gestorben wäre. Sein Nachfolger wurde Philipp Jakob Wurm, dessen Geigen so aussehen, daß man ihn für einen Schüler Jos. Ferd. Leidolfs halten kann. Er hatte gute Anlagen, trat aber schon 1787 seine Werkstatt an Jakob Fux ab. Dieser war der unbedeutendste aus seiner Familie, hat sich aber doch noch als ein Mann von anerkennenswertem Streben erwiesen und sogar nach einem neuen Modell gesucht. Was er in der Breite zugab, verminderte er in der Höhe der Wölbung. Im gleichen Hause mit ihm im »Tiefen
5¹) Ein Josef Tühr, der im 19. Jahrhundert in Wien lebte und sich fälschlich für den letzten Nachkommen der Familie Thir ausgab, will auch Geigenmacher gewesen sein, was noch unbewiesen ist. Vielleicht rühren die falschen J. G. Thir-Geigen, in denen der Name »Thüer« geschrieben erscheint, von ihm her.

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