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Scan 232
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
4 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 228. See the scan on archive.org.
1Graben« wohnte der seit 1779 als Bürger aufgenommene Johannes Radeck; ob er mit ihm die Werkstatt teilte oder für ihn arbeitete, ist heute schwer festzustellen, nur so viel, daß er zwar ein tüchtiger Handwerker, aber kein eigentlicher Künstler war. Ähnlich ist Caspar Rolle zu bewerten, von dem es mir allerdings sehr zweifelhaft erscheint, daß er wirklich in Wien gelebt hat. Die große Zahl der damaligen Wiener Geigenmacher könnte fast überraschen, aber man darf nicht vergessen, daß auch die Zahl der Geiger sehr groß war, unter denen sich Virtuosen ersten Ranges befanden, deren Verdienste um die Entwicklung des Violinspiels die Musikgeschichte immer würdigen wird. Namen wie K. Ditters v. Dittersdorf, Anton Wranitzky, Gyrowetz, Schuppanzigh und Mayreder dürfen nie vergessen werden.
3Wie aus Füssen und Vils oder anderen Hauptorten des Geigenbaues kamen auch aus Prag ab und zu hoffnungsfrohe Männer in die musikerfüllte Kaiserstadt, um da ihr Heil zu versuchen. Von diesen verdienen Johann Karl Krichbaum, der in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts einwanderte, und der im Jahre 1792 als Wiener Bürger aufgenommene Ambros Joseph Bogner höhere Bewertung. Namentlich Bogner ist dadurch bemerkenswert, daß er mit Jakob Fux in Wien einer der ersten war, die sich getrauten, ein flaches Modell anzuwenden. Aus Preßburg in Ungarn stammte der talentvolle Andreas Carl Leeb, der gleichfalls Modelle der Italiener, besonders die der Amati, bevorzugte, aber auch zahlreiche eigene Versuche anstellte. Sein 1792 geborener Sohn Johann Carl Leeb würde ihn sicher erreicht haben, wenn ihm ein längeres Leben gegönnt gewesen wäre. Wonach die anderen gerungen, das erreichte der aus Vils stammende Franz Geissenhof. Er war ein genial veranlagter, rastlos vorwärtsstrebender Künstler. Bei J. G. Thir schloß er seine Ausbildung ab und wurde, erst 27 Jahre alt, im Jahre 1781 der Nachfolger seines Meisters. In seinen jungen Jahren arbeitete er noch wie J. G. Thir, allmählich wurde er selbständiger, bis er, in seiner vierten Periode um 1810, seine volle Meisterschaft erreicht hatte. Er wird mit vielem Recht oft der »Wiener Stradivari« genannt, und wäre der Ton seiner Geigen ebenso vortrefflich wie ihr Aussehen und ihre Durchführung in allen Einzelheiten, dann stünde er seinem großen Vorbilde tatsächlich nur wenig nach. In ganz ähnlicher Weise entwickelte sich der Geissenhof ebenbürtige, in Füssen am 12. September 1778 geborene J. Martin Stoß, der sich anfangs der Wiener Schule anschloß und vor dem Lackieren dunkelgebeizte Geigen machte. Das gab er aber schon 1810 auf, um von da an nach Stradivari zu arbeiten. Ganz hervorragend schön waren seine Violoncelli, die kaum ein zweiter deutscher Meister in gleicher Vortrefflichkeit hergestellt hat. Sein um sechs Jahre jüngerer Vetter Bernhard Stoß machte zwar seine Violoncelli nicht ganz so gut, war aber sonst ein ebenso trefflicher Künstler. Erst im weiten Abstand ist auch der um die Wende zum 19. Jahrhundert auftretende Johann Georg Staufer (Stauffer) zu nennen. Er hatte das Geigenmachen nicht zunftmäßig erlernt, sondern war von Hause aus Kunsttischler. Von seiner großen Musikliebe getrieben, unternahm er zunächst, Gitarren zu machen, erwarb sich aber darin sehr bald rück-
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